Mein Freund Rudolf Schwinn, als ehemaliger Redakteur und Bonner Korrespondent des “Berliner Extradienstes” eine Art Namenspate dieses Blogs, wies mich heute früh auf ein Interview des DLF mit Heribert Prantl hin. Das habe ich auch gehört. Es ist lehrreich. Mir ging es im Fall Assange ähnlich wie Prantl.
Die Gut-und-Böse-Stilisierung der Person Julian Assange durch seine Freund*inn*e*n und Feind*inn*en war mir nicht geheuer. Im wahren Leben gibt es dieses Schwarz-Weiss nicht. Jeder Mensch ist ein widersprüchliches Wesen. Das, was ich von Assange glaubte zu wissen, war ein reines Medienprodukt. Davon wollte ich mich nicht treiben lassen.
Prantl analysierte heute morgen treffend, dass direkt beteiligte und betroffene Geheimdienste an diesem Medienprodukt emsig, und hochprofessionell mitgearbeitet haben. Mein Assange-Bild ist quasi ein Qualitätsnachweis und Arbeitszeugnis dieser dubiosen, demokratieschädlichen Strukturen. Vielleicht ist der Kerl ja wirklich ein Arschloch. Aber davon sollte mann und frau sich lieber persönlich überzeugen, bevor er*sie seine*ihre Meinungsbildung über ihn abschliesst.
Günter Wallraff kommt das Verdienst zu, dass er die deutsche Öffentlichkeit geweckt hat: es geht nicht darum, welchen Charakter dieses Individuum hat. Sondern was die Affäre mit der (bürgerlichen) Demokratie macht. Wenn wir nicht aktiv werden, wird sie sie zugunsten geheimer, bisweilen kriegsverbrecherischer Strukturen demontieren.
Die Art, wie derzeit in den USA und Europa versucht wird, das Bild des Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders als Russenknecht zu schädigen, ist ein Beleg, dass die genannten Geheimdienststrukturen zu aktivem Multitasking in der Lage sind. Ein Zeichen, dass es um sehr viel geht, auch für sie selbst.