Kontrollverlust-Pandemie

Von , am Dienstag, 24. März 2020, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Vernünftig und guter Stimmung bleiben – wer das heutzutage schafft, ist berechtigt sich Künstler*in zu nennen. Finde ich. Als ich diesen Blog startete, habe ich mir vorgenommen, solche Autor*innen zum Mitschreiben einzuladen, von denen ich persönlich weiss, dass sie noch alle Tassen im Schrank haben. Jetzt geraten wir in Lebenslagen, in denen wir uns selbst da nicht mehr sicher sein können. Darum seien Sie gewarnt: nicht alle Texte, die ich im Folgenden benenne, werden Ihre innere Stabilität stärken.
Am ehesten noch Margarete Stokowski/Sp-on, die sich damit beschäftigt, wie Menschen mit Anstand und Selbstachtung es schaffen können, jetzt kein A….loch zu werden.
Mehr Vorsicht für Ihr Gemüt ist da schon bei telepolis angeraten, wo ich die Werke der Damen und Herren Dillmann, Eichenberger/Hegselmann/Stadelmann, Rötzer und Bröckers genossen habe.
Die meisten Kopfschmerzen macht mir jedoch die Ausarbeitung der Frau Muthesius, zu der ich gestehe, dass ich ihr gedanklich nahestehe, ohne mit Sicherheit behaupten zu wollen und zu können, dass es richtig ist. Doch wer kann das z.Z.? Vieles was sie ausführt, scheint sich für mich mit Informationen in Deckung bringen zu lassen, die ich bisher von meinem Arzt bekommen habe. Frau Muthesius nimmt u.a. Bezug auf unvollendete Recherchen von Ekki Sieker, den ich persönlich kenne und sehr achte, im Hauptberuf Rechercheur für Die Anstalt (ZDF, dort heute auf 23.05 h verschoben).
Was würde Muthesius’ Analyse weitergedacht bedeuten? Warum haben die in Kapital und Politik Herrschenden so die Kontrolle verloren? Denn ökonomisch drohen in der globalisierten Wirtschaft und für das friedliche und soziale Zusammenleben der Menschen Schäden, wie sie bis dahin nur Kriege angerichtet haben. Meine Hypothese: die Kontrolle haben sie verloren wegen ihrer vielfältigen, umfangreichen und tief in ihre Eingeweide eingedrungenen Vorerkrankungen. In ihrem Inneren wissen sie genau, wie fragil das ist, was sie zu verantworten haben. Sie wollen es auch gar nicht verantworten, sondern an eine Fiktion von “Wissenschaft” übergeben. Sie wissen nicht, oder haben vergessen, dass freie Wissenschaft aus These und Antithese (Dialektik), aus Pro und Contra, aus Streit und Widerspruch entsteht. Ebenso wie das, was demokratische Gesellschaften aus den Wissenschaften erlernen, und welche Konsequenzen sie daraus ziehen wollen. Davon ist derzeit fast nichts mehr übrig. Dagegen will ich hier mein Scherflein Widerstand leisten.
Mittelfristig, vermute ich, werden Gesichtspunkte von Frau Muthesius Eingang in den öffentlichen Diskurs finden, um die ökonomische Katastrophe abzufedern und evtl. zu mildern. Der Ausnahmezustand wird, wahrscheinlich in dosierten Stufen, gemildert, um ihn, bei welchem “Bedarf” auch immer, ggfls. wieder zu verschärfen. Ob, wann oder wie lange das noch als Demokratie aufgefasst werden kann, darüber wird es – hoffentlich – Streit geben.
Update: Arte – der Regierungssender
Meine Programmzeitschrift, deren Redaktionsschluss ein paar Tage her ist, kündigte für Arte heute Abend einen “Themenabend China” an. Starten sollte er mit einer Wiederholung von “Die Welt des Xi Jinping”. Den habe ich schon gesehen. Wie bei Arte mittlerweile leider üblich, hatte er einen starken Dämonisierungsdrang, enthielt aber für mich als Unwissender auch informative Elemente. Von starkem Journalismus fühle ich mich nicht verwöhnt, auch bei Arte nicht. Nun hat Arte aber das Programm geändert. Lassen Sie uns raten: woran könnte es liegen? Etwa daran? Wer könnte die Arte-Programmdirektion darauf “hingewiesen” haben? Die Regierung Frankreichs? Deutschlands? Chinas? Oder alle zusammen? Herr, wirf’ was-mit-Medien-Leute vom Himmel, die keine Feiglinge sind!

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