Wundersame Bahn XLVII
Nein, hier geht es nicht um die Corona-App, die vielleicht so eine Art Berliner Flughafen der deutschen IT-Industrie wird. Funktioniert, wenn das Virus weg ist …. Vorgestern war ich betroffen von einem Notfall in der Linie 66. Am Bertha-von-Suttner-Platz kam eine Frau aus dem hinteren Zugteil nach vorne zum Fahrer gerannt. Der überzeugte sich davon, dass hinten eine Person notärztliche Hilfe brauchte. Alle Fahrgäste mussten raus. Dahinter stauten sich weitere Bahnen der 66 und 62. So weit, so adäquat der Notsituation geschuldet.
Ich bewegte mich zu Fuss zur U-Bahnstation Markt/Universität, um meine Fahrt mit der nicht betroffenen Linie 16 fortzusetzen. Dort stellte ich bereits fest, dass die Bahnsteiganzeige entgegen den Tatsachen auch die Linie 66 in wenigen (6-8) Minuten ankündigte. Mein Ziel war zunächst die Museumsmeile, um dort eine Freundin zu treffen. Wir wollten unsere Fahrt mit der 66 nach Königswinter fortsetzen. Und in der Tat fuhr sie wieder: der*die Notarzt*ärztin hatte ihre*seine Arbeit getan. Allerdings war der Fahrplan durcheinander geraten. In der Bahn erfuhren wir vom Fahrer per Durchsage, dass “diese Fahrt” in Ramersdorf ende, in wenigen Minuten folge eine weitere Bahn, mit der die Fahrt fortgesetzt werden könne. So weit ebenfalls schlüssig und vernünftig.
Allerdings zeigte weder die Bahnsteiganzeige an der Museumsmeile noch die in Ramersdorf, als wir schon längst ausgestiegen waren, diese Tatsachen an; sie lautete immer noch “Bad Honnef”. Was soll der Quatsch? Sind es verschiedene Köche, die den Informationsbrei verderben?
Der*die Fahrerin der Bahn bedient die Anzeige am Fahrzeug manuell und passt sie so der jeweiligen Situation an. Aber warum gibt es keine Synchronisierung mit der Bahnsteiganzeige? Immer kommen an U-Bahnhöfen Leute angerannt, die eine stehende Bahn noch erwischen wollen; sie schauen auf die Bahnsteiganzeige und rennen rein. Erst drin erfahren sie, dass sie hier falsch sind. Und halten ohne es zu wollen, den Notbetrieb weiter auf.
Noch absurder gestern am DB-Bahnhof Köln-Deutz. Die doppelzügige Regionalbahn nach Beuel sollte geteilt werden. Ein entsprechender Hinweis am Bahnsteig fehlte – weder per Anzeige, noch per Durchsage. Am hinteren abzukoppelnden Zugteil sass vorne ein Lokführer, der Fahrgäste, die den hinteren Zugteil betreten wollten, anbrüllte, sie sollten das sein lassen.
Frage: warum geben die Verkehrsunternehmen hohe Millionenbeträge für Software und Updates sowie IT-Betreuung aus, wenn die selbst solche banalen Probleme nicht lösen kann? Wer ist zu doof: das Kunden- oder das Dienstleistungsunternehmen? Oder beide?
Ein Beitrag im NDR-Politmagazin Panorama hatte da diese Woche so einen Verdacht. Ein Krieg in der Kommentarspalte war die Folge. Für mich lässt sich daraus nicht ermitteln, wer die Doofen, und wer die Neunmalklugen sind. Ich fürchte sie haben alle was davon. Und am Ende schreien sich die Fahrgäste und Zugbegleiter*innen gegenseitig an, während wir zusammen nicht bemerken, wem wir seine*ihre intellektuelle Bräsigkeit bezahlen.