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“Unserer Truppe geht es gut”

Koloniale Gegenwart
In deutschen Medien gibt es gegenwärtig nur zwei Auslande: die USA und – Überraschung! – Belarus. Brav wird so die Agenda der Bundesregierung nachvollzogen, begleitet und abgearbeitet. Darum möchte ich Ihren Blickwinkel hier mal wieder auf Afrika richten. Nicht wegen Hungersnöten und Krankheiten, obwohl das natürlich auch gegenwärtige Probleme sind, sondern wegen der gegenwärtigen kolonialen Praxis Frankreichs und seines engen Verbündeten (und Rivalen!) Deutschland, das doch auch so gerne über französische Atomwaffen mitreden würde.
Bekanntlich gab es einen Militärputsch in Mali, nicht zufällig dem Land, in dem auch die Bundeswehr operiert. International wurde der Putsch verurteilt, auch von der Bundesregierung. Dumm nur, dass die Opposition, die in Mali (Belarus durchaus ähnlich) auf die Strasse geht, diesen Putsch derzeit supergut findet. Die Junge Welt berichtet relativ gründlich, gestern George Hallermeyer und ein Kommentar von Ina Sembdner. Auch Christoph Marischka/imi-online berichtet seriös-gründlich mit Ausleuchtung der deutschen Rolle.
Zum Gesamtbild dieser Region gehört ebenso die Lage im Nachbarland Niger. Bernhard Schmid/Jungle World berichtet aus seinen französischen Quellen über die aktuellen Terrorismusprobleme.
Beide Länder, bzw. vor allem ihre Eliten, spielen für die EU eine wichtige Rolle, um auswanderungswillige oder durchreisende Menschen daran zu hindern, zum Mittelmeer mit dem Ziel Europa zu reisen. Da heisst es natürlich “dumm gelaufen”, wenn gerade die, die mann dafür bezahlt, dann weggeputscht werden, und mann sich mühselig neue “verlässliche” Menschenfang-Partner suchen muss. Gleiches gilt für die Ausbeutung interessanter Rohstoffe
Wenig Geräusch hat Aussenminister Maas auch über seinen jüngsten Besuch in Libyen gemacht. Flüchtlingsgefängnisse und Sklavenlager scheint er nicht inspiziert zu haben. Es ging wohl um Wichtigeres. Knut Mellenthin/Junge Welt hat sich umgelesen und weiss mehr als Sie und ich.
Hier übrigens der offizielle Überblick der Bundesregierung selbst, wo überall in Afrika es “unserer Truppe gut geht”.

Ein Kommentar

  1. Joachim Petrick

    Wie stellt sich Berlin nach Erneuerung Mandats 29. Mai 2020 im Bundestag strategisch in unübersichtlicher Lage in Mali, Bamaku zur Tatsache der Anwesenheit Hunderter Bundeswehrsoldaten Malis, in Niger ohne Bundestag Mandat, angesichts Militärputsches in Mali unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung, an der Seite französischer Truppe mit robust sog. Stabilisierungsmandat, gemäß Militärkomponente französisch-deutsch Aachener Vertrag Januar 2019 zur Bestärkung Elysee Vertrages 1963, an EU, Nato vorbei?

    Frankreich nimmt in seiner 1945 nach Bretton Wood Weltwährungsabkommen 1944 gegründeten CFA Franc Zone in ehemals 14 Kolonien mit 155 Millionen Bewohnern, Benin, Burkina Faso, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Kongo, Äquatorialguinea und Gabun robust Interessen wahr, u. a. Privileg bei Rohstoff, Uranvorkommen Ausbeutung für atomare Ausrüstung Force de Frappe, AKWs zur zivilen Atomkraft Nutzung, dass deren Landeswährungen an französischen Franc mit Maßgabe gekoppelt bleiben, gesamte Goldreserven, 50-80 % Devisenreserven bei französischer Nationalbank Paris zu hinterlegen sind. Seit Einführung Euros 2002 fungiert EZB Frankfurt/Main in selber Weise dirigistisch als Treuhänder. Politische Versuche einzelner Länder sich aus CFA Franc Diktat zu lösen wurden durch politische Morde unterdrückt. Neben Nibelungentreue Berlins gegenüber Paris geht es um gemeinsames Interesse innerhalb Sahel-, CFA Zone bisherige Arbeitsmigrationswege unter Grenzregime zu zwingen, die dort wie in Marokko (600 Millionen €/anno), unter Abschottung Südsudans, durch EU finanziert werden, Migrationsströme nach Europa zu steuern. Da Marokko Süd-Sudan, protegiert durch Frankreich, widerrechtlich annektiert hat, von UNO anberaumte Volksabstimmung unterläuft, gibt es seit Jahrzehnten Krieg mit dort ansässigen Tuaregs, die von Marokko Armee verfolgt, sich bis in Norden Malis zurückziehen.

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