Und: Fußball als Event verschwindet
In ihrer Paywall berichtet die FAZ über das Zerwürfnis zwischen dem 89-jährigen Medientrump Rupert Murdoch und seinem langjährigen im Vergleich zu ihm geradezu jugendlichen Donald. Für was-mit-Medien-Leute, sofern sie Kompetenz besitzen, ist das keine Überraschung. Es wundert eher, wie lange Murdoch ihn stark machte. Ein Murdoch-Biograph soll behauptet haben, der Greis sei noch imstande gewesen, Trump realistisch für einen “Idioten” zu halten – spätestens seit dessen desaströsem Umgang mit der Coronakrise. Mr. Murdoch gehört mit seinen 89 klar der “Risikogruppe” an, und dürfte über sein Ende schon länger nachdenken. Pflichtschuldigst dementierte er das “Idiot”-Zitat. Das scheint nun nicht mehr nötig.
Denn Murdoch braucht für seine Geschäfte die Dienste der Repräsentanten staatlicher Macht. In der Regel kauft er sie sich zu günstigen Preisen. Mit Meinungsfreiheit können Klimawandelleugner wie er nichts anfangen und suchen medienpolitische Protektion gegen Konkurrenz, Kartellrecht und innerbetriebliche Mitbestimmung. Viel Freude macht es ihnen und ihren Kassen, wenn es brennt, und wenn Menschen gegeneinander zu hetzen sind. Da war Trump als Präsident der ideale Geschäftspartner.
“Murdoch aber”, so schreibt der adelige FAZ-Autor Petersdorff, “setzt gerne auf potentielle Sieger, die die Unterstützung nicht selten mit der Lockerung von Medien- und Kartellrechten entgelten.” So ist es. Und dafür wird in Kürze ein anderer Dienstleister verantwortlich.
Das Verschwinden des Fußballs
Heute abend ist das, was seit ein paar Jahren vom Fußballbizzyness und seinen produktpräsentierenden Medien grossmäulig als “Clasico” bezeichnet wird, ein Zusammentreffen des BVB mit dem Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum. Doch dem inoffiziellen Pressesprecher von Hans-Joachim Watzke, Freddie Röckenhaus/SZ macht das Kopfschmerzen, berechtigte. Denn es guckt wieder keine*r. Die Zahlen, die Röckenhaus aus der Sky-Konzernpropaganda (von Murdoch rechtzeitig an Comcast verkauft) nennt, sind geradezu lächerlich, bestätigen den Relevanzverlust mehr als sie wollen. Ein BVB-Bekloppter wie mein Beueler Nachbar Michael Kleff (z.Z. NYC) müsste ein ESPN-Pay-TV-Abo (Disney-Konzern) abschliessen, um es gucken zu können, und hat dazu keine Lust. Hätte ich auch nicht.
Update 8.11.: Abrechnung des angeblichen “deutschen Clasico”: ZDF-Sportstudio 1,7 Mio. Zuschauer*innen (Sendebeginn 23:38 h). Hätte das Spiel statt als angebliches “Topspiel” am Samstagabend schon zum Traditionstermin 15:30 h stattgefunden, hätten es in der ARD-Sportschau 3 Mio. mehr gesehen. Das ist es, was Sponsoren schmerzt. Und Ihr westfälische Dickschädel in den Konzernvorständen müsstet froh sein, wenn es Fans auch noch schmerzen würde. Ich kenn’ nur keine mehr.