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Trauernder Bundespräsident – gackernder Laschet

Beim Anblick des heutigen ARD-Brennpunkts wollten viele Zuschauer ihren Augen nicht trauen: Während der Bundespräsident den Opfern der Flutkatastrophe sein Mitgefühl ausdrückte, wörtlich davon sprach, dass der Verlust der lieben Menschen “uns allen das Herz zerrissen” habe und Hilfe versprach, sprach er für den Staat und seine Verantwortlichen – für Bund, Land und Kommunen. Währenddessen hörte der Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der CDU nicht nur gar nicht zu, sondern er hampelte offensichtlich unangemessen gutgelaunt mit einer jungen Dame im Hintergrund dieses Bildes scherzend herum und hatte sichtlich seinen Spaß.

Sicher, auch in einer so schwierigen Situation müssen Politiker*innen Menschen beiben, kann sich die Anspanung vielleicht in der einen oder anderen Art entladen. Nobody is perfect. Aber wenn der höchste Repräsentant unserer Demokratie zu einem solchen Anlass zu den Menschen, den Betroffenen spricht, gehört es sich einfach nicht, nicht zuzuhören, nicht präsent zu sein, sondern im scheinbar nicht sichtbaren Hintergurnd unbeteiligt herumzuhampeln und zu lachen. Zum Gackern kann im Angesicht der furchtbaren Lage und der Ausweglosigkeit nicht die Rede sein, die viele Menschen, von denen so viele zu Opfern wurden, ohne angemessen gegen Elementarschäden versichert zu sein – gar nicht zu sprechen vom menschlichen Leid, das diese Katastrophe gebracht hat.

Kein Ausweichen: Es geht hier gar nicht um Armin Laschets Person, es geht um seinen für die Glaubwürdigkeit der Repräsentanten der Demokratie verheerenden kommunikativen Gau: Wer soll den Worten des Bundespräsidenten Glauben schenken, in seinen Worten echten Trost und Hoffnung finden, wenn gleichzeitig im Hintergrund der Repräsentant des Bundeslandes, der zudem das höchste Amt demokratischer Macht anstrebt, das unsere Verfassung zu vergeben hat, diesen Worten nicht nur gar nicht zuhört, sondern seine offensichtliche Ignoranz zeigt. Er denunziert damit die Situation zum Schauspiel, in dessen Hintergrund die gerade nicht eingesetzten Schauspieler und Komparsen unbeteiligt ihre Scherze machen. Weil sie glauben, dass die Kameras aus sind und ihr peinliches Verhalten nicht zeigen.

Aber auch das, was Ministerpräsident Laschet jetzt an Maßnahmen ankündigt, bekommt durch ein solches Verhalten den Geruch, dass er nur dann betroffen die Stirn runzelt und mitfühlend in die Kameras blickt, wenn er weiss, dass es um seine Person, sein Ego und seine Kanzlerkandidatur geht. Wenn seine Rolle wieder im Mittelpunkt steht, er beschwichtigend und wahrheitswidrig behaupten kann, dass seine Landesregierung mehr für den Klimaschutz getan habe, mehr als jede andere Landesregierung – obwohl seine Regierung die Windkraft zum Stillstand und die Braunkohle bis zum Gehtnichtmehr subventioniert hat – ja, wenn es um  seinen Schauspielpart geht, ist er ganz vorn dran. Armin Laschet hat gezeigt, was viele ihm nachsagen: Er ist ein Hallodri, der nicht einmal in einer Trauerminute das Wasser halten kann. Laschet hat heute nicht nur sich selbst geschadet, er hat der Demokratie insgesamt einen Bärendienst erwiesen. Wetten, dass weder die BLÖD-Zeitung, noch Markus Lanz, noch die üblichen Verdächtigen, die sich über Annalena Baerbocks Ungeschicklichkeiten und Fehler hermachten, darüber auch nur ein Wort verlieren werden?

3 Comments

  1. rudolf schwinn

    Lieber Martin
    Vielen Dank an Roland Appell für seinen genauen Blick und seine eingehende Deutung des Verhaltens des CDU-Kanzler-Kandidaten an einer Stätte des Grauens .
    Vermittlung und Kommentierung dieser TV-Dokumentation wird wohl, wie vom Autor angenommen, ein Alleinstellungs-Merkmal des “Beueler Extra-Dienstes bleiben. Das unterstreicht kategorisch die Notwendigkeit dieses Mediums.
    Mit achtungsvollen Leser-Grüssen,
    rudolf schwinn.

  2. Nero Tulic

    Dieser Kommentar trifft leider voll ins Schwarze. Niemand hätte sich so ein peinliches Verhalten eines Ministerpräsidenten in dieser schrecklichen Ausnahmesituation gewünscht. Aber dies schafft auch Klarheit: Laschet fehlt die sittliche Reife zur Führung einer Bundesregierung. Hoffentlich spricht sich dies bis zum 26. September herum.

  3. Dr. Hanspeter Knirsch

    Doch, lieber Roland. Es geht sehr wohl um die Person Armin Laschet und seine charakterliche Ungeeignetheit für das Kanzleramt. Dass Dir und mir seine Politik missfällt, war auch vorher schon klar. Jetzt ist sein mieser Charakter und damit ein weiterer Grund offensichtlich, warum dieser Mann nicht Kanzler werden darf. Das wirft naturgemäß die Frage nach einer realistischen Alternative auf. Darüber wird beizeiten zu reden sein.

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