Klassenfragen: in FDP, SPD, Virus und Weltkulturerbe
Wolfgang Michal/Freitag erörtert das Potenzial einer Ampelkoalition an deren schwächster Stelle: der FDP. Michal ist alt genug, sich an deren Parteigeschichte erinnern zu können. “Die braune Last der FDP” von Roland Appel war im Extradienst vielgeklickt. Roland forscht an dem Thema weiter. Es ist nichts Schönes, was er dabei findet. Christian Lindner wirbt mehr um AfD-Stimmen, als er sie bekämpft. Was soll daraus werden, wenn er sie gewinnt? Wie soll die Brücke aussehen, über die er zur “Ampel” fände? Welche Antwort soll es darauf geben?
Daniel Reitzig/Jacobin, ein etwas verbitterter Ex-Genosse, mutmasst, dass sich die rechten Teile der SPD eine CDU/SPD/FDP-Koalition wünschen. Diese Schreckensvision ist gar nicht so abwegig, wie sie im ersten Moment klingt. CDU und SPD alleine schaffen die 50% nicht mehr, CDU und FDP auch nicht, alle drei aber sehr wohl. Und Olaf will davon der Kanzler werden? Haben wir gelacht, wahrscheinlich auch er selbst, natürlich nur heimlich, wenns keine*r sieht. Ich tippe: an diesen Strippen arbeitet Laschet schon.
An welchen arbeitet Baerbock?
Lesen!
Das Problem der Obengenannten: dazu haben sie derzeit überhaupt keine Zeit. Wenn, dann lassen sie lesen, und kriegen es während der Fahrt von Termin zu Termin erzählt. Lesen und Denken wäre jetzt die richtige Therapie. Passiert aber nicht. In dieser Hinsicht leiden die Wahlkämpfer*innen ähnlich wie das Proletariat, das an der Wahl nicht teilnehmen wird. Aber das Virus kriegt diese Leute trotzdem. Wolfgang Storz/bruchstuecke macht darauf aufmerksam. Seine Leserin Claudia Pest wünscht sich “dass dieser Artikel auch außerhalb des Blogs Beachtung findet”. Bitte schön, hier entlang.
Ebenso lesenswert und exzellent geschrieben, was Wunder von einer tollen Schriftstellerin, ist Sarah Khans/Freitag Erfahrungsbericht vom Wohnen im und beim “Weltkulturerbe” werden sollenden Hansaviertel in Westberlin. Das inhaltlich Treffende an ihrem Text ist, wie sie Medien und Politikgehabe an der Lebenswirklichkeit bricht. Das ist paradigmatisch, siehe zuvor das Thema Virus.
Nicht die Ausgeschlossenen wählen ihre Blase, sondern die selbstgewiss Herrschenden.