Jean Luc Godard / Kinder & Corona
Drei Stunden über einen Mann vom Film? Das funktioniert. Beate Becker/DLF & DLF-Kultur hats bewiesen, für die “Lange Nacht”. Ich bin mit Godard erst spät warm geworden. “Ausser Atem” hatte ich als Jugendlicher in der Glotze gesehen. Schwarz-Weiss, ok. Jean Seberg, irgendwie eine schöne Frau. Dass sie u.U. von Geheimdiensten gekillt wurde, lernte ich erst später. Der Film war mir zu handlungs-/actionarm, und endete tragisch. Das gefiel mir alles nicht. Ganz anders, als ich viel später “Die Verachtung” sah, mit Mademoiselle Bardot und Monsieur Piccoli.
Der grossartige Hans Schmid/telepolis hat über “Le Mépris” (dt. Titel “Die Verachtung”) eine grossartige Abhandlung geschrieben. Lesen Sie die. Ich kann es nicht besser. Und hören Sie die “Nacht” von Frau Becker. Die ist genauso spannend wie ein Film. Denn Sie erfahren so viel über die Produktionsbedingungen eines Films, wie sie ein Film kaum erzählen kann.
Kinder & Corona
Das DLF-Wochenendjournal habe ich schon oft gelobt. Heute war wieder Claudia Hennen dran. Mit einem Jahr Abstand hat sie eine weitere Ausgabe “Generation Corona? Kinder und Jugendliche in der Pandemie” geliefert. In der Ankündigung des Senders heisst es: “Die Schulen laufen im Regelbetrieb, nach und nach fällt auch die Maskenpflicht im Klassenraum weg. Vereinssport ist wieder möglich und Geburtstagsfeiern auch. Langsam normalisiert sich das Leben von Kindern und Jugendlichen. Und dennoch: Eineinhalb Jahre Corona-Pandemie haben den jungen Menschen zugesetzt: Viele haben kaum Sport getrieben und viel zu viel Zeit am Bildschirm verbracht, erschreckend viele wurden psychisch krank. Durch Schul- und Kitaschließungen sind Entwicklungsverzögerungen und Bildungslücken entstanden. Besonders hart getroffen hat es sozial benachteiligte Familien.”
Zu hören sind auch Kinder selbst (Audio 47 min). Und ich lerne: das Virus hat die Geschwindigkeit der sozialen Verheerungen im real existierenden Kapitalismus beschleunigt. Die Reparaturversuche können nicht mithalten.