Bezirksvertretung Beuel stritt sich – bis 18.30 h zivilisiert
Dann bin ich gegangen. Ich hatte keine Lust mehr auf die Atemschutzmaske. Es gab eine wichtige Debatte über diese Beschlussvorlage der Stadtverwaltung zu den Engstellen auf der St. Augustiner Strasse. In der Bezirksvertretung sprach sich die Mehrheit für die Variante 3 aus, die rechte Opposition für Variante 1. Die Koalition aus Grünen, SPD und Linken stimmte für Variante 3, um damit mehr Sicherheit für den Radverkehr zu bekommen. Eine Schwachsinnsidee der FDP von 1975 brachte mich auf einen ganz anderen Gedanken.
In der Debatte über einen ihr nahestehenden Bürgerantrag trug FDP-Vertreter Löbach vor, dass 1975 ein U-Bahnbau für die Linie 66 geplant oder im Gespräch gewesen sei. Das könne doch jetzt wieder aufgegriffen werden. Jemand solle mal die Kosten schätzen, meinten zunächst auch die höflich gestimmten Grünen. Sehr höflich reagierten die: es seien heute andere Zeiten. Die zugeschalteten Vertreter der Stadtverwaltung hatten vor ihrem Laptop vielleicht schon Schweissausbrüche; die Gutachten für solche Kostenschätzungen sind nämlich selbst schon teuer, sehr teuer. Es wurde abgelehnt.
Es sind immer die, die den ÖPNV nicht benutzen, die ihn überall vergraben wollen. Sie können nicht verstehen, dass er oberirdisch Urbanität und Sicherheit schafft, und damit für mehr eingesparte Kosten sorgt, als sein oberirdischer Bau kostet (unterirdisch das 10-20-fache). U-Bahn- und Eisenbahntunnel wären feine lukrative Aufträge für die industriellen Spender*innen der Autoparteien – und wenn die Welt untergeht, sie kriegen nie genug.
Ich bin selbst ortskundiger Radfahrer und Fussgänger. Die FDP-Spinnerei über die alten Zeiten, und der Hinweis des ADFC-Kollegen Gerhard Baumgärtel auf Kopenhagen, brachten mich auf einen anderen Gedanken. Und ich wundere mich, dass den noch niemand hatte. Das besondere an Kopenhagen ist die fast vollständige eigene Verkehrsführung des Radverkehrs über eigene Wege. Die wesentliche Ost-West-Verkehrsachse des Radverkehrs in Beuel verläuft in unmittelbarer Nähe der Gross-Kreuzung St. Augustiner / Niederkasseler: der Bröltalbahnweg. Wenn ich früher regelmässig zu Auswärtsspielen von RW oder SW Essen beim SSV Siegburg fuhr, begann ich auf diesem Weg, um über die Siegburger Str., dann durch den Ortskern von Hangelar nach Siegburg zu gelangen. Die Nord-Süd-Achse parallel zur Niederkasseler ist der Schwarzrheindorfer Rheindeich. Die Monsterkreuzung muss also nur für den unmittelbaren Nahverkehr überquert werden. Und zweifellos: für Radfahrer*innen und Fussgänger*innen ist sie eine No-Go_Area.
Meine Anregung: ein Kreuzungsbauwerk aus Unter- oder Überführungen ausgehend vom Bröltalbahnweg ausschliesslich für Rad- und Fussverkehr – spätestens mitzuplanen, wenn sowieso für die Abzweigung der rechtsrheinischen Stadtbahn gross umgebaut werden muss. Dort, wo statt Brücken Unterführungen erforderlich wären, wäre die Kampfaufgabe für die Planer*innen, sie – erstmals! ich kenne bisher keine – nicht als Angstraum zu gestalten.
In der Zwischenzeit werde ich – als privilegierter Zentrums-Beueler – diese Kreuzung weiterhin konsequent meiden.