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Freedomday

Heute war Freedomday. Haben Sies auch nicht bemerkt? Die Pandemie wurde von der FDP offiziell für beendet erklärt. Inzidenz Bonn letzten Donnerstag nur 1.367, von danach sind noch gar keine Daten erhoben. Im Krankenhaus liegen mit Coronavirus 214, das sind ungefähr so viele wie auf dem letzten Wellenhöhepunkt. Aber wann in den letzten zwei Jahren war die politische Bekämpfung der Pandemie an den Fakten orientiert? Ich weiss es so wenig wie unser Maschinist: “Am Freiheitssonntagmorgen!”

Einen Nachruf auf die Beziehung zwischen den Herren Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine liefert Günter Bannas: “In Trümmern”. Ein Datum werde ich in dem Zusammenhang nicht vergessen. An dem Tag, als der Bundesfinanzminister des Kanzlers Schröder, Oskar Lafontaine zurücktrat, eine Kerbe im Intrigenrevolver des damaligen Kanzleramtsministers Bodo Hombach, lernte eine Bundesministerin ihren heutigen Gatten kennen. Wir hörten die Rücktrittsnachricht im Autoradio des Taxis, das uns zum Hauptbahnhof brachte. Ich war dabei. Wichtigste Lehre: wenn zwei Hähne behaupten, zwischen ihnen passe “kein Blatt Papier”, ist das eine Lüge.

Heiner Jüttner widmet sich dem aktuellen Stand der Beziehungen zwischen Kirche und Staat, das unter der Ampelkoalition in Bewegung geraten könnte: “Kirchliche Sonderrolle”. Als ich 1973 den Jungdemokraten beitrat war das eins der Schwerpunktthemen – ein Alleinstellungsmerkmal, das zu viel Feind führte. Auch die FDP schloss sich dem in geringen Spurenelementen widerwillig an. Und siehe, ein Rest ist geblieben. Da diese Partei ja die Richtung der Koalition bestimmt, steigt die Spannung, von Heiner präzise beschrieben.

Meine Themen waren heute die Russ*inn*en, die schon hier sind. Mandy Tröger hat ihnen in einem “Open-Source”-Text für die Berliner Zeitung eine lesenswerte Reportage gewidmet. Und, wie es sich in der Aufmerksamkeitsökonomie der Gegenwart geziemt, behandelt mein zweiter Text nichts Geringeres als die Apokalypse. Zu dem Kommentar unter dem Text kann ich reagieren: in meiner Küche gibts nur Olivenöl, Mehl kaufe ich nur verarbeitet, und Klopapier kann ich mir im Momo vorreservieren lassen. Ich muss nur früh genug dran denken.

Nach Mitternacht gibts eine Nachbetrachtung von Ulrich Horn zur Saarlandwahl, mit ein paar Details zum Intrigenkeller der CDU. Lehre: die “eigenen” Leute sind immer die Gefährlichsten. “Die Linke” kennt das schon.

Hoffen wir nun auf den Abschied des Winters aus dem – ansonsten schönen – Rheinland. Wind und Regen sind angedroht, aber als Abwechslung nicht die schlechteste Variante.

Bleiben Sie gesund, ob mit oder ohne FDP.
Freundliche Grüße
Martin Böttger

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Rudolf Schwinn

    Lieber Martin,

    statt vieler Worte (*): Klasse, dass und wie Roland Appel seine Medien-Kritik fortsetzt und mit einem Vorschlag versieht, der an die Wurzel geht. Hoffentlich verstehen sich verantwortungsbewusste Politiker von seinen analytisch fundierten und kenntnisreichen Texten angeregt, den Damen und Herren der Unterhaltungs-Branche die Mitwirkung zu verweigern.

    Ich wünsche Dir eine gute neue Woche. Sinn und Form Deines news-letters sprechen mich an; Dein persönlicher Ton, mit dem Du Essentielles ankündigst.

    Herzlicher Gruss über Vater Rhein,

    rudolf.

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