Wundersame Bahn CXVI / Italien / Fussball: Borussia & Afrika

Die veröffentlichte Diskussion um das 9€-Ticket läuft langsam heiss. Jede Partei in der FDP/FDP/FDP-Koalition gräbt sich im Sommerloch ein und lugt vorsichtig heraus, wie sie sich gegenüber den Anderen einen Vorteil verschaffen kann. Miteinander geredet wird öffentlich nicht. Mann kann nur hoffen, dass es wenigstens nichtöffentlich passiert – mglw. aber auch das nicht. Diplomatie? Ist von den asozialen Medien längst abgeschafft.

Eine kleine Kerze der Vernunft hat in diesem Getümmel der Gesamtbetriebsrat der DB Regio angezündet. Das ist die Vertretung derer, die unter Personalmangel leiden und den Ansturm verärgerter Kund*inn*en am besten kennen. Vor über 10 Jahren hatte ich einen Bonner Stadtbahnfahrer als Zimmergenossen im Krankenhaus, der mir exakt dieses Problem so plastisch beschrieb, mit seiner persönlichen Konsequenz, solche Bahnen als Fahrgast nicht mehr zu betreten. Das war noch Jahre vor der Beinahekatastrophe der Linie 66, die von mutigen Fahrgästen verhindert wurde.

Bei der DB sind derweil ähnliche Katastrophen bereits eingetreten (Bad Aibling, und kürzlich bei Garmisch). Hier ist klar der drängendste Handlungsbedarf.

Zum Ticket wird es kein Ausweichen vor einer österreichähnlichen Lösung geben. Die muss gut ausgerechnet werden: attraktiv für die Fahrgäste, und gleichzeitig nicht ruinös für kommunale Verkehrsunternehmen. Wenn sich auch hier mal wieder die FDP durchsetzt, kommt das einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung der Bundesregierung gleich. Aber bitte nicht telefonisch – ich werde nicht abheben.

Italien – mal wieder pleite, oder im Gegenteil?

Über Italien gehen hierzulande die Meinungen weit auseinander. Ist es mal wieder pleite? Das meinen die “Finanzmärkte”, also die oberen 1%. Oder dreht es, trotz Regierungskrise!, den doofen Deutschen sogar eine lange Nase? Dass in deutschen Medien die Meinungen darüber auseinander gehen, ist die neue Nachricht.

Profifussball der Herren: in Mönchengladbach ist Land in Sicht

Die Borussia überrascht mich positiv. Ein schönes Gefühl. Auslaufende Verträge stellten ein Auseinanderfallen der Mannschaft in Aussicht. Der Käpt’n des Ladens ist schon von Bord geflohen. Das Vertrauen der Fans geriet an den Gefrierpunkt. Nun wurde zweimal gewonnen (DFB-Pokal als Training, Mittelklassegegner in der Liga), und ausgerechnet die abgangsverdächtigen Spieler zeigten eine anständige Berufsauffassung (Pléa, Thuram, Sommer, Bensebaini). Nun haben zwei Schlüsselspieler ihren Arbeitsvertrag verlängert: Jonas Hofmann, der beste Mann der letzten Saison, und Alassane Plèa, der beste Mann des Saisonstarts. Marcus Thuram, der Torjäger des Saisonstarts, hat immerhin gemeldet, nicht nach Nizza zu Lucien Favre zu gehen.

Der Übungsleiter Daniel Farke sagt zu alldem öffentlich nichts, macht seine Arbeit und lässt die Mannschaftsleistung auf’m Platz für sich sprechen. Das überzeugt mich am meisten. Je mehr Medienruhe, umso mehr fachliche Seriosität. Weitermachen!

Ganz anders die Fifa-Mafia. Der kompetenteste der deutschen Fussballpolitikjournalisten Thomas Kistner/SZ schreibt von einer durch die Fifa verursachten drohenden Pleite des afrikanischen Kontinentalverbandes. Die SZ hat alles eingemauert, damit die Unruhe nicht zu gross wird. Gelegentlich berichtet Kistner auch bei Sport aktuell/DLF. Das wäre dann schon von uns bezahlt.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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