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Die Alternative zur WM

Was mein Misstrauen erregt, ist, dass die ARD-Degeto mit Red Bull Media House geschäftlich “ins Bett” steigt. Das wirkt auf mich wie Prostitution. Zwang oder selbstbestimmt? Das wollen die Freier, in diesem Fall das TV-Publikum, lieber nicht wissen. Doch bei diesem Sujet muss mann sicher von besonderer Korruptionsfachkompetenz ausgehen. Da kann das Fachwissen von Red Bull sicher nicht schaden. Eine Hypothese: Red Bull geht es nicht um Sport, sauber oder unsauber. Sondern um Entertainment, profitables natürlich. Wenn kritisches Entertainment einen nachfragestarken Markt im deutschsprachigen Raum findet – spricht also nichts dagegen, es lieber selbst zu produzieren, als sich von Anderen zuvorkommen zu lassen, die am Ende noch Einen selbst ins Visier zu nehmen gedenken …

Gestern habe ich mir die ersten Folgen von “Das Netz – Spiel am Abgrund” angesehen. Starkes Ensemble, gutes Drehbuch (Bernd Lange), kaum Langeweile. Die nachempfundenen Gestalten aus dem wahren Leben sind recht gut identifizierbar. Fantasie für die Geschichte war nur in geringem Masse erforderlich. Fifa, Uefa, ECA, DFL, DFB haben den Stoff fast vollständig geliefert. Und wer es lieber dokumentarisch mag, kann sich bei Sport inside bedienen.

Der Degeto-Darstellung zufolge handelt es sich um zwei Staffeln mit je acht 45-Minüten-Folgen. D.h. jede Folge entspricht einer Halbzeit. Schauen Sie sich also während jedes Deutschland-Spiels zwei Folgen an, mit Halbzeitpause für Kühlschrank, Toilette, Chips holen usw. Die Mediathek-Verfügbarkeit läuft bis Ende Februar.

Eine unterhaltsame Art von WM-Boykott, näher an der Wahrheit als die Fiktion, die in Qatar aufgeführt, und von ARD und ZDF brav übertragen wird. Nur schade, dass sich Red Bull über die Abrufzahlen mitfreuen wird. Sie haben halt überall ihr Finger drin, die Herrschenden.

Lesen Sie ergänzend auch die TV-Kritik von Peter Weissenburger/taz. Ansonsten ist das Presseecho eher spärlich für den getriebenen Aufwand. Hat die ARD-PR ihre Arbeit nicht gemacht? Oder wollen sich alle miteinander das WM-Geschäft nicht vollends verderben?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

2 Kommentare

  1. A.Holberg

    Leider geht es ja bei all diesen Events weniger um den Sport als vielmehr um Geschäft und Politik – das Letztgenannte insbesondere bei “Länderspielen”. Da gewinnen oder verlieren dann nicht etwa die beteiligten Sportler, sondern “Deutschland” oder “Argentinien”, mit anderen Worten: hier kämpfen die “Nationen” gegeneinander, auch wenn vielleicht ein Großteil der beteiligten Sportler von irgendwoher aus der Welt eingekauft wurden. Wenn nun wie seinerzeit bereits bei Olympiaden in Peking oder Sotschi und aktuell in Qatar massive Boykottbemühungen in Gang gesetzt werden, sind deren politischen Hintergründe – gleich wie berechtigt die jeweiligen Vorwürfe gegen die entsprechenden Länder auch sein mögen – doch recht durchsichtig. Bezeichnenderweise hielt es im “Menschenrechts-Westen” niemand je für angebracht, gegen internationale Sportveranstaltungen in westlichen “Demokratien” zu arbeiten, in Ländern also wie den USA oder Großbritannien, die in den vergangenen Jahrzehnten vielfach durch auf unbestreitbaren Lügen aufgebaute Angriffskriege gegen schwächere Staaten die Menschenrechte von Abertausenden dort lebender Menschen aufs Brutalste verletzt haben – und natürlich gleichzeitig auch die großer Teile der einheimischen Bevölkerung, die an diesen Kriegen entgegen etwa der Rüstungsindustrie nicht etwa verdient, sondern zumindest ökonomisch gelitten haben. Diese doppelte “Moral” ist vorallem deshalb zurückzuweisen, weil sie die wichtige Idee der Moral überhaupt massiv untergräbt.

  2. Martin Böttger

    Hier halte ich den sachdienlichen Hinweis für erforderlich, dass die “echten” “harten” Fussballfans mit ihrem Verein fiebern, während ihnen die Nationalmannschaft schnurzpiepe Wurst ist. Das hat sich sogar erfreulicherweise auf die TV-Einschaltquoten der Länderspiele ausgewirkt. Mein Text soll dazu beitragen, dass das auch bei der WM so wird. Die Bundesinnenministerin hat Fakenews verbreitet, als sie behauptete, das bleibe wirkungslos. Im Gegenteil: je schlechter die Sehbeteiligung, umso schwächer die Versteigerung der nächsten TV- und Medienrechte – und die sind die entscheidende Kapitalquelle der ganzen Veranstaltung. Also auch unsere TV-Haushaltsabgabe mit über 200 Mio. Euro!

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