Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Precht räumt Fehler ein

Richard David Precht hat mit Harald Welzer ein Buch geschrieben (das ich mit einigem Missvergnügen Wort für Wort von vorne bis hinten gelesen habe). Darin bezeichnet er die Kritik an seinen Ukraine-Positionen als Aktion von „Vierte-Gewalt-Tätern“ und Gefährdern der Demokratie aus den Reihen der deutschen Leit-Medien, die sich in einem schwarmartigen „Cursor-Journalismus“ als „Hurra-Patrioten“ erwiesen hätten, um sich mit „Elementen des Totalitarimus“ in ihrem Denken (!!!) auf ihn zu stürzen (das ist ziemlich starker Tobak und alles weitgehend wörtlich aus seinem Buch), während er doch nur die Ukraine zur Kapitulation aufgefordert hätte, um Schlimmeres zu verhindern. Der Mann ist für mich ein Beispiel dafür, dass einigen Menschen im Medienbetrieb – und auch manchen ganz gut beleumundeten deutschen Intellektuellen – im Moment der politische und vor allem auch völkerrechtliche Kompass abhanden gekommen ist. Nun gesteht der Mann „Irrtümer“ ein. Allerdings stammen nicht alle davon aus den letzten 260 Kriegstagen, sondern kursieren mindestens seit 2014. Hier ein Auszug aus einem Precht-Interview 2014:

Frage an Precht: Sind die Dämonisierung Wladimir Putins und die Sanktionen der falsche Weg?

Antwort: Schauen wir uns die Situation einmal objektiv an. Es wird ein Passagierflugzeug in der Ukraine abgeschossen, ein Unglück, bei dem wir derzeit überhaupt nicht wissen, wer tatsächlich dahintersteckt. Es gibt bis jetzt keine sicheren Beweise. Wenn es die Separatisten gewesen sein sollten, was keineswegs erwiesen ist, dann war es ein Unfall. Dafür nun Putin verantwortlich zu machen, ist unfassbar. Es gibt keine Spur, die darauf hindeutet, dass Putin mit Absicht dieses Flugzeug abschießen ließ. Trotzdem titelt Der Spiegel “Stoppt Putin jetzt”. Das ist ein Rückfall in die Art der Politikbetrachtung wie zur Zeit des Kalten Krieges und davor.

Mehr zum Autor hier.

Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.

3 Kommentare

  1. A.Holberg

    was ist denn falsch an den Feststellungen Prechts?

  2. Rudolf Winzen

    Die Frage von A. Holberg ist berechtigt. Wo bleiben die Argumente? Stattdessen fast nur Geraune.

  3. Roland Appel

    Ist es nicht wohlfeil und vermessen, vor dem Erkenntnisstand von heute – 2022- Äußerungen Prechts von 2014 zu geißeln? Wir hatten einen Klassenkameraden: “Herr Lehrer, auf’m Klo brennt’s Licht , der Müller war’s – ich hab’s aber schon ausgemacht.” Krieg und Pharisäertum scheinen sich trefflich zu bedingen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2022 Beueler-Extradienst

Theme von Anders NorénHoch ↑