Das ganz, ganz grosse globale Grosskapital kauft derzeit den Profifussball (der Herren) auf (FAZ-Paywall, Text kann ich auf Anfrage “nur zum privaten Gebrauch” zusenden). Seine Medienkonzerne wissen, dass seine Mondpreise Profit zwar unmöglich machen, Massenzugang dagegen sehr möglich. Und das ist politisch wertvoll. Wer “die Politik”, ob demokratisch oder autoritär, unter Kontrolle bekommt, bekommt auch Taschen, Konten und Bilanzen voll mit dem im real existierenden Kapitalismus notwendigen Profit. Was braucht das Grosskapital vom Fussball: ebenfalls Kontrolle, genannt “Planungssicherheit”. Blöd nur, dass es sich um Sport handelt …

Das Schöne am Fussball, das wusste schon der Nazi-Sympathisant Sepp Herberger, ist, dass mann vorher nicht weiss wie es ausgeht. Deswegen kommen so viele Fans ins Stadion und vor die Glotze, und kämpfen auf ihre Weise mit. Und wenn deutsche Landesinnenminister sie unter digitale Vollkontrolle bekommen wollen, dann wehren sie sich. Als es gestern Abend in der Glotze so still war, und auch die Sky-Kommentatoren mal dankenswerterweise einige Sekunden ihre dumme Klappe hielten, dachte ich, im Leverkusener Stadion sei das immer so … bis zur 12. Minute.

Das Spiel selbst erlebte eine tiefe Fallhöhe. Zwei Teams, die in der Champions League gegen eine spanische und eine englische Spitzenmannschaft souverän gewonnen hatten, und hierzulande als “Bayern-Jäger” PR-geadelt wurden, spielten einen Effizienzfussball zum abgewöhnen. Wie gut, dass Kamel Bsissa im Beueler “Horizonte” uns Pizza servieren liess. Ihr Verzehr war stressfrei möglich, mann verpasste nichts …

Wenn die FAZ heute – wohlweislich in Anführungsstrichen – titelt „Das ist der Fußball, den wir sehen wollen“, dann würde eine Fantribüne dem ein kraftvolles “Wir nicht!” entgegenschleudern. FAZ-Autor Daniel Theweleit dementiert denn auch diese Schwachsinns-Überschrift (ein Zitat des Dortmunder Fussballlehrers Kovac) in seinem Text (Sonntagmittag noch ohne Paywall). “So gut wie keinen Pass brachten die Dortmunder während der mehr als fünf Minuten nach Ablauf der regulären Spielzeit zum Mitspieler. … Vor den Toren passierte wenig. … Lange Zeit agierten beide eher vorsichtig, Fehlervermeidung stand im Vordergrund, klare Chancen gab es kaum. … “ Der zutreffendste Kommentar kam diplomatisch-höflich vom Verlierer: “‘Es fehlt ein bisschen Qualität und vielleicht auch ein bisschen Glück am Ende’, sagte Kasper Hjulmand” laut Theweleit. So konnte mann es ausdrücken, wenn man sich über das Gebotene beruhigt hatte.

Gute Nachrichten gibt es bereits aus der US-amerikanischen Marktwirtschaft. Laut Jürgen Kalwa/FAZ, ebenfalls noch ohne Paywall, ist das Publikumsinteresse an der US-Liga MLS weniger als ein Jahr vor der WM schon wieder gesunken: minus 5%, ein Zuschauerschnitt von 22.000 im Stadion, das entspricht ungefähr RW Essen und Energie Cottbus in der Dritten Liga. Sowas kommt dort vom Einmauern im Pay-TV. Es gibt sie also noch die Gerechtigkeit, sogar in den Trump-USA.

Mann gönnt sich ja sonst nichts … Dienstag werden wir wieder vergleichen können: 18 h Rückspiel Finale der Nations League der Frauen Spanien-BRD, anschl. DFB-Pokal der Herren, nochmal das, was Herr Kovac sehen will, BVB-Bayermonsanto. Alles von unserem Geld bezahlt von der ARD.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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