Klare Interessen im Deutungskampf um die iranischen Revolutionen
Wie immer reichen sich die Kriegsherren beider Seiten die Hand. Das Mullahregime versucht die Kommunikation der aufständischen Kräfte zu unterbinden. So hat das vorgeblich feindliche Ausland freie Hand darin, die politischen Kämpfe rauf und runter zu deuten, ohne dass die, um die es geht, autonom darin und mglw. dagegen eingreifen können. So behaupten die kapitalgesteuerten Medien der Welt nahezu unisono, bis hin zur Berliner taz, die Iraner*innen wollten angeblich den Schah wiederhaben. Wehren gegen diese Sichtweise können sie sich ja nicht. Fabelhaft.
Immerhin gab es in der taz heute Widerspruch. Noshin Shahrokhi: “Massenproteste im Iran: Weder Mullah noch Schah! – Nicht nur das Regime, sondern auch Teile der Opposition verhindern demokratische Bestrebungen. Das Land darf nicht erneut zur Monarchie werden.”
Es ist zweifellos strategische Priorität jeder Ausformung von Faschismus, demokratische Opposition zu spalten. Je grösser ihr Braindrain ins Ausland, der gezielt herbeigeführt wird, und absolut nachvollziehbar und verständlich ist, aber eben auch Indiz einer empfindlichen politischen Niederlage, umso leichter fällt die Trennung zwischen Inland und Exil-Diaspora. Materiell begründet werden Exil-Communities immer von bessergestelltem und in der Regel gebildetem Bürgertum dominiert. Dem wird freilich oft ein Bein durch sein eigenes Bescheidwissertum gestellt, das notwendige strategische Solidarität untereinander untergräbt. So wollen es alle Diktaturen dieser Welt. Und leider gelingt das oft. Der iranische Widerstand ist da bisher keine Ausnahme.
Das bedeutet freie Bahn für die Deutungsmonopole Donald Trumps und seiner zahlreichen Indenarschkriecher im In- und Ausland, inkl. der dazu passenden “Leitmedien”. Oft ist die Wirklichkeit gar nicht so “komplex”. Wenn Sie sich über diese These wundern, schauen Sie sich doch dieses Gasfeld mal genauer an. Wer keinen Klimaschutz will, braucht es umso dringender. Seine Besitzverhältnisse passen den meisten Mächtigen dieser Welt nicht. Diese Mächtigen sind ja nicht blöd. Sie wissen, dass die gegenwärtigen Besitzer in der Welt gegen Null tendierende Sympathien geniessen. Was die sich wiederum “redlich” verdient haben.
Klassischer Fall für eine von allen Machtmedien gefeierte Revolution also. Dass diese emanzipatorisch wird, das wünschen sich gewiss die meisten Iraner*innen. Aber wen kümmert das? Wäre bei diesem wichtigen reichen Land das erste Mal. Fragen Sie mal einen hiesigen Medien-Fuzzy, ob er von dem schon mal gehört hat. Im Iran sind sie nicht doof genug, Geschichte zu vergessen.

@martin.boettger
Was ist aus "unserer" Sicht das Schlimmste, was im Iran passieren kann?
Eine demokratisch gewählte Regierung, die vornehmlich die Belange der Iraner*innen als Grundlage ihres Handelns sieht.
Wäre schon schlimm, wenn die US-amerikanischen Fossilfirmen sich die Öl- und Gasreserven dann doch nicht unter die Nägel reißen könnten.
Dann lieber ein feindliches Regime, dem gegenüber zur Ablenkung vom internen Versagen der starke Mann markiert werden kann.
Remote-Antwort
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