Das Jahr 2026 hat zweifellos für sehr viele Menschen nicht gut begonnen. Die andauernden Kriege, Krisen und Katastrophen machen es einem nicht leicht, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Ob in der Ukraine, im Sudan, im Gaza, in Myanmar, in Äthiopien, im Sudan, im Jemen, in Somalia, im Kongo oder auf Haiti – die Liste der Länder mit schweren humanitären Katastrophen wird jedes Jahr länger. Die von Krieg und staatlichem Terror direkt betroffenen Menschen können schwerlich mit Zuversicht auf das gerade begonnene Jahr schauen.

Aber auch wenn man nicht bei Minusgraden in der Ukraine im Kalten und im Dunkeln sitzt, weil der Kriegsverbrecher und Menschenverächter Putin die Zivilbevölkerung in der Ukraine in Geiselhaft für seine imperialen Großmachtpläne nimmt, sind die Nachrichten und Bilder mehr als verstörend. Es gibt für die Menschen im friedlichen und freien Teil Europas, d. h. auch in Deutschland, verschiedene Möglichkeiten damit fertig zu werden. Zynismus, Eskapismus und Leugnung als Spielart von Verschwörungstheorien. Dies alles findet man mehr oder minder stark ausgeprägt auch in den Medien, nicht nur in den unsozialen Medien.

Schaltet man morgens das Radio ein, verliert man schnell die gute Laune, die man bis dahin vielleicht noch gehabt hat. Schlechte Nachrichten dominieren. Only bad news are good news. Richtig übel kann einem werden, wenn die angekündigte feindliche Übernahme Grönlands durch US-Präsident Trump selbst in öffentlich-rechtlichen Medien als „Streit“ bezeichnet wird. Wenn Völkerrecht gebrochen wird, ist das kein Streit, sondern eine schwere Straftat, die nach § 5 des Völkerstrafgesetzbuch vom 26. Juni 2002 (BGBl. I S. 2254) nicht verjährt.

Die ständige Konfrontation mit nicht gesühntem Unrecht macht etwas mit den Menschen. Es sind nicht nur Angst- und Ohnmachtsgefühle, die den Menschen ihre Lebensfreude und Zuversicht nehmen. Zuversicht ist ein elementares Lebensgefühl, bei dem die eigene Gestaltungskraft im Mittelpunkt steht. Fehlt sie, kann der Mensch leicht unberechenbar werden. Was gibt Menschen die Kraft trotz schwierigster Lebensumstände nicht in Verzweiflung und Apathie zu versinken? Der unbedingte Lebenswille des Einzelnen reicht offenbar allein nicht aus. Es wird gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Woraus schöpft der Mensch aber Hoffnung? Es gibt ein schönes Lied von Linda und Paul Mc Cartney aus dem Jahr 1993, das für mich ganz viel davon erzählt, was für uns in dieser Zeit so wichtig ist. Es heißt Hope of Deliverance, was soviel wie Hoffnung auf Erlösung bedeutet. Man kann das religiös interpretieren oder aber einfach so, dass die Hoffnung ein fester Bestandteil menschlicher Existenz ist. Wem das zu esoterisch ist, der mag Ernst Blochs dreibändiges Werk „Prinzip Hoffnung“ (1954) lesen, in dessen Einleitung es heißt

„Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns? Viele fühlen sich nur als verwirrt. Der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was. Dieser ihr Zustand ist Angst, wird er bestimmter, so ist er Furcht.“

Wer den Menschen das Menschliche austreiben will, muss den Boden zum Wanken bringen und ihnen die Hoffnung austreiben. Es ist deshalb kein Zufall, dass totalitäre Regime und Despoten eine düstere Stimmung verbreiten – in Wort und Tat. Der Despot hält sich an kein Recht, nicht einmal an das von ihm selbst verkündete.

Gegenwehr bedeutet zu allererst, das Positive wahrzunehmen und, wann immer möglich, zu verstärken. Das stellt freilich hohe analytische und menschliche Anforderungen, ohne die das Risiko von Kurzschlusshandlungen jedoch groß ist. Hope of deliverance from the darkness that surrounds us, heißt es in dem Lied von Paul Mc Cartney. Licht ins Dunkle zu bringen, das uns umgibt, ist der Anfang einer positiven neuen Geschichte, die zu schreiben noch vor uns liegt. Roberto Benignis wunderbarer Spielfilm “Das Leben ist schön” aus dem Jahr 1997 führt eindrucksvoll und emotional berührend vor Augen, welche Kraft in der Zuversicht liegt. Auch wenn der Film tragisch endet, bleibt ein Funken Hoffnung, auch wenn es nur ein Augenzwinkern ist.

Über Dr. Hanspeter Knirsch (Gastautor):

Avatar-FotoDer Autor ist Rechtsanwalt in Emsdetten und ehemaliger Bundesvorsitzender der Deutschen Jungdemokraten. Er gehörte in seiner Funktion als Vorsitzender der Jungdemokraten dem Bundesvorstand der F.D.P. an und war gewähltes Mitglied des Landesvorstands der F.D.P. in NRW bis zu seinem Austritt anlässlich des Koalitionswechsels 1982. Mehr zum Autor lesen sie hier.

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