Selbst bisher Modi-treue Medienmacher sprechen aus, was die Bevölkerung vom angeblichen Wachstum hat: Vergiftetes Wasser, eine kaputte Infrastruktur und Affen im Sportstadion. Nun gibt es ein Handelsabkommen mit der EU und damit kommt noch mehr Umweltzerstörung.

Vorgestern kam ich aus New Town zurück – ein Teil der letzten Hoffnung Indiens. Es ist eine der sogenannten grünen Smart Citys im Großraum der 16 Millionen Einwohner Metropole Kolkatas. Entworfen am Reißbrett mit ausgiebigen Grünflächen und breiten Bürgersteigen. Mit nachhaltiger Wasserinfrastruktur. Der Strom wird aus erneuerbaren Energien gewonnen. Dazu soll New Town alles andere bieten, was eine nachhaltige, lebenswerte Stadt haben sollte.

Vor zwei Jahren war ich das letzte Mal dort. Mein Fazit: Kann vielleicht etwas werden. Als ich vorgestern vom Besuch der Smart City zurückkam, war ich nur noch schockiert und hoffnungslos. Oh nein: Ich habe weiter vollstes Vertrauen in die Fähigkeiten der heranwachsenden, jungen Generationen in Indien. Jede scheint mehr wache, smarte Menschen hervorzubringen, als die vorige. Die Hoffnungslosigkeit besteht mehr darin, dass sie nicht viel haben werden, mit dem sie Indien in die benötigte Nachhaltigkeit führen können, die jedes Land im 21. Jahrhundert benötigen wird. Die jungen Generationen werden das Fundament, die Infrastruktur ihres Landes, von Grund auf neu aufbauen müssen. Doch bis damit angefangen werden kann, könnte das Land „ausgeblutet“ sein: Der Brain-Drain ist im vollen Gange.

Bevor ich mit einer Reportage für den Extradienst fortfahren werde, die erneut den desaströsen Zustand von Indiens Infrastruktur aufzeigt und deren schlimme Folgen beschreibt, möchte ich den Journalisten Arnab Goswami zu Wort kommen lassen. Er ist Direktor des Medien-Netzwerks Republic und bisher fester Bestandteil der treuen Medien Narendra Modis, auch als Godi Medien bekannt. Wenn selbst solchen hindunationalistischen Medienmachern der Geduldsfaden mit der Modi-Regierung reißt, sollte an der Kritik über Indiens schlimme Infrastruktur etwas dran sein.

Bevor sie sich bitte seinen Kommentar auf Youtube anschauen, möchte ich eine Warnung aussprechen: Die Bilder sind zum Teil brutal. Es stirbt auch ein junger Mensch vor laufender Kamera. Die Ratten, die im Krankenhaus herumwandern, sind für mich in Kolkata ganz normaler Alltag. Jeden Tag legen die Hauskatzen in unserem alten Hotel den Gästen die erlegten langschwänzigen Nagetiere vor die Tür und manchmal aufs Bett. Bei jedem Frühstück sausen die Ratten permanent unter den Sitzbänken hin- und her. Auf den Straßen eh. 

Es geht mir nicht darum Indien schlecht zu machen, die Mehrheit der Menschen in diesem Land lebt friedlich eine Toleranz vor, die schwer beeindruckend ist. Es geht mir darum, dass der Leser in Deutschland eine Vorstellung bekommt, über ein Land von 1,4 Milliarden Einwohnern, das als Weltmacht und neuer Partner Deutschlands gehandelt wird. Ein Partner mit dem die Europäische Gemeinschaft gestern ein neues Handelsabkommen unterzeichnet hat.  Den Punkt, den die indische Tageszeitung The Telegraph auf der Hauptseite der Printausgabe ganz nach oben stellte: Die Zölle für indische Lederprodukte fallen von 17 auf 0 Prozent: Noch mehr dreckiges Leder für Deutschland und Europa .

Während es in Indien selbst rechte Medienmacher langsam verstehen, was ihnen Narendra Modi mit seiner „Wachstumspolitik“ eingebrockt hat, begrüßen die meisten Artikel in Deutschland das neue Handelsabkommen (für mehr Wachstum): “Eine neue Welthandelsordnung entsteht”, titelte die Tageschau. Was ist neu daran, dass Europa ein Abkommen mit einem Land eingeht, dessen politische Führung die Medien unterdrückt – im Index der Pressefreiheit belegt Indien Platz 151. Dazu Menschenrechtler mit ausgedachten Anklagen jahrelang inhaftiert, dazu seine religiösen Minderheiten drangsaliert? Was ist neu daran, das mit einem Wirtschafts-Abkommen, schwere Umweltzerstörungen vorprogrammiert sind?

Wenn dann Politiker und Aktivisten wie beim auch aktuellen EU-Mercosur-Handelsabkommen auf die Umweltschäden hinweisen, die das Abkommen mit sich bringt, werden sie von Medien und Politikern aus der gesellschaftlichen Mitte als Realitätsfremde dargestellt, die dem Wachstum im Wege stehen – als wenn es die Klimakatastrophe nicht gibt. Natürlich voll mit dabei die „Realpolitiker“ der Grünen.

Aber jetzt bitte ich sie, sich 9 Minuten Zeit zunehmen, um von einem langjährigen Unterstützer der Hindutva und Narendra Modi zu hören, wie schlimm es um Indien steht – wenn ab Minute 4:10 ein junger Mann auf einem Basketballplatz erscheint, spulen sie bitte 20 Sekunden vor – Mann und Frau muss nicht alles sehen:

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