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Trumps SA-Schlägertrupp

Gregory Bovino und Ernst Röhm haben vieles gemeinsam. Die Frisur, die Leidenschaft sich in der Öffentlichkeit in langen, dunklen Mänteln zu präsentieren, Ledergürtel mit “Sam Browne”-Diagonalgurt über die Schulter zu tragen und die Gewalttaten, die durch ihre Organisationen begangen werden, nicht nur zu dulden, sondern zu befeuern, Morde zu rechtfertigen und ihre Täter zu schützen und zu belobigen. Beide waren oder sind Rechtsextremisten faschistoider Prägung und beide pflegen ihre menschenverachtende Geisteshaltung mit solider Doppelmoral. Röhm war schwul und verfolgte Minderheiten, Bovino jagt vermeintlich illegale Migrant:innen und stammt selbst aus einer italienischen Einwandererfamilie. Klaus Theweleits “Männerphantasien” beschreiben, wie derartige Typen Mann die Winzigkeit ihres Selbstbewusstseins und ihrer verkümmerten Gefühle durch Härte, Brutalität und Grausamkeit kompensieren und so dem Nationalsozialismus in Deutschland den Weg bereitet haben.

Bisher enden damit gewisse Gemeinsamkeiten, aber es ist unverkennbar, dass die ICE-Schlägertruppe Donald Trumps, die illegal und jenseits jeder polizeilicher Befugnisse und Ausbildung Tag und Nacht Menschenjagden in der US-Öffentlichkeit begeht und dabei unschuldige Menschen ermordet, in der direkten Verantwortung des US-Präsidenten und seiner Heimatschutzministerin Kristi Noem. Man sollte sich das Gesicht merken und für den Fall, dass es irgendwann gelingt, ihn vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag zu stellen und unbedingt auch die Verantwortlichen beiden Hinterpersonen Trump und Noem als Verantwortliche mit anzuklagen. Beide sind für die illegalen Strukturen verantwortlich, in denen Bovino seine schwersten Straftaten und Menschenrechtsverletzungen begeht und begehen lässt.

ICE-Schlägertrupps kein legaler Teil der “Border Control”

Seit der zweiten Amtszeit Trumps ist Bovino jenseits rechtsstaatlicher Strukturen durch Trumps Komplizen rasch befördert worden. Im Juni 2025 noch “Kommandeur” der groß angelegten Razzien und von Rechtsverstößen gegen angeblich illegale Migranten in Los Angeles, forderte ihn die Staatsanwältin Michele Beckwith auf, einer gerichtlichen Anordnung Folge zu leisten, was nicht etwa zu seiner, sondern zu ihrer Entlassung führte. Im September agierte er führend weiter in Chicago und Los Angeles, warf u.a. selbst eine Tränengasgranate in eine Gruppe Demonstranten.

Als Operettengeneral Tötungen gebilligt

Seit Oktober 2025 ist Bovino “Commander-at-Large” also  “Kommandeur mit etwas besonders Großem”, ein Rang ohne jede gesetzliche Grundlage.  Entgegen vieler Berichte in den Medien ist dies kein Teil der Grenzpolizei, sondern diese kriminelle Vereinigung untersteht direkt Ministerin Noem. Bovino war zusammen mit Corey Lewandowski, Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager, der Noem dabei beraten hat, an der Umstrukturierung von ICE zu ihrer heutigen Funktion als Schlägertrupp maßgeblich beteiligt. Weder die gewalttätigen Übergriffe und illegalen Festnahmen im vergangenen Jahr, noch die Morde an Renée Good, einer 37-jährigen Autorin und dreifachen Mutter und an Alex Pretti, einem 37jährigen Krankenpfleger, der einer Frau aufhelfen wollte, die von einem ICE-Schläger zu Boden gestoßen worden war, werden bisher von der Justiz verfolgt. Mit “Hut ab” kommentierte Bovino die Tötung  Goods in ihrem Auto und von Pretti behauptete er trotz Videos, die das Gegenteil beweisen, er habe ICE-Agenten angegriffen und “maximalen Schaden” anrichten wollen.

ICE-Schlägertrupp bei den Olympischen Spielen?

Gestern kündigten die USA zudem an,  ICE-Agenten sollten zur Olympiade nach Italien reisen, um die dortigen US-Olympiateilnehmer:innen zu “beschützen”. Georgia Meloni sollte frühzeitig klarstellen – und Stimmen aus der Justiz haben es gestern schon getan, dass in Europa diese Form von Staatsterrorismus nicht geduldet wird. Denn auch wenn der Vergleich mit den “Revolutionsgarden” des Iran unverhältnismäßig und angesichts der realen Mordlust der selbsternannten Gotteskrieger unerträglich verharmlosend wäre – warum zögert die EU noch immer die “Revolutionsgarden” auf die offizielle Terrorliste der EU zu setzen, was empfindliche Nachteile für ihre Mitglieder nach sich zöge?  Der Zweck der Terrorliste, die nach Beschlußfassung des Weltsicherheitsrats der UNO 2001 als Nachweis diente, nach 9/11 Terroristen und ihre Geldgeber zu identifizieren und ihre Bewegungsfreiheit und Finanzen einzuschränken, könnte durchaus im Falle einer Eskalation der Rechtsbrüche, die die ICE-Schlägertruppe schon bisher begangen hat und möglicherweise noch in den kommenden vier Jahren von Trumps Amtszeit begehen wird, – und für den Fall, dass die Täter nicht in den USA gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden können, nach internationalem Recht einschlägig werden.  Auch hier zeigt sich: Die EU ist Trumps Gewaltphantasien und denen seiner Komplizen nicht ohne Gegenmittel ausgeliefert.

Über Roland Appel:

Avatar-FotoRoland Appel ist Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat*innen/Junge Linke. Er arbeitet und lebt im Rheinland. Mehr über den Autor.... Sie können dem Autor auch im #Fediverse folgen unter: @rolandappel@extradienst.net

Ein Kommentar

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    Norbert Reichel

    Es gibt noch eine Parallele: Göring hat die SA-Leute am 22. Februar 1933 alle zu Hilfspolizisten gemacht (Deputies). Das waren etwa 400.000 Männer. Für die Bevölkerung war mit der Zeit nicht mehr erkennbar, wer bei der Ausübung des staatlichen Gewaltmonopols das Sagen hatte, polizeiliche und militärische Kompetenzen wurden zunehmend miteinander vermischt, ebenso Staat und Partei. So weit sind wir in den USA nicht, aber die Tendenz, die Trump gerne umgesetzt hätte, ist eindeutig: Delegitimierung der örtlichen Polizeibehörden und der Militärs, die dem autoritären Herrscher nicht folgen, Ersetzen dieser Behörden durch die eigenen Hilfspolizisten. Die weitere Geschichte von GeStaPo, SA und SS ist bekannt. Die Rolle der Pasdaran und der Basdchdiri im Iran wird mit Recht als weiteres Muster für die Praxis der ICE und der Border Control genannt. Die Maskierung der Akteure kennen wir auch aus Belarus und Russland (OMON). Trumps Angriffe auf die Legitimität von Organen der Mitgliedstaaten, ihrer Gouverneur:innen und ihrer Polizist:innen etc. erinnern an den Preußenschlag vom 20. Juli 1932 (da war Hitler noch nicht Reichskanzler). Das wird Trump wohl nicht gelingen, aber seine Fantasien sollten wir sehr genau benennen.

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