mit PS am Abend
Mann hört, dass sich die SPD in Berlin bemüht, irgendwie öffentlich bemerkt zu werden. Das letzte Mal, dass sie in der Nähe von 30% gesehen wurde, war das nicht bei “Schulz“? Erst die Backen aufblasen, und dann folgt nichts. Ein Muster, das seit Jahrhunderten an der SPD klebt. Wiederholung wird wenig Fortschritt bringen. Im Folgenden ein Beispiel, wie mann es richtig macht.
In Deutschland sind ja offenbar alle Parteien und Medien Feuer und Flamme für Olympische Spiele. Regionen und Bundesländer inszenieren einen symbolischen Wettbewerb darum, wer am begeistertsten ist. Klar ist: für Medien ist Spektakel geil, eine notwendige Bedingung für ihr Geschäftsmodell.
Die Parteien sehen sympathisierende Medien als notwendige Bedingung gegen den eigenen Untergang. Das Ansehen von Medien in der Bevölkerung ist allerdings längst so schlecht, ähnlich wie das der Parteien, dass das zweifelhaft ist. Nicht nur Wahlbeteiligungen sinken, sondern auch der Konsum der alten Medien, die sich fast ohne Ausnahme an obigem Wettbewerb beteiligen.
Bürgerentscheide sollen das klären. Die politischen Profis wissen: teilnehmen werden nur engagierte Minderheiten. Das ist die Chance der Propagandist*inn*en in Rathäusern, Staatskanzleien, Verlagshäusern und TV-Anstalten. Wem “Olympia” am Arsch vorbeigeht, wird die/der sich der “Mühe” der Abstimmungsteilnahme unterziehen? “Haben wir nicht andere Sorgen?” Doch, haben wir.
Möglicherweise decken die sich aber. Das erklärt Ihnen und mir, gut versteckt im Online-Angebot des DLF, Werner Bätzing am Beispiel der Alpen und ihrer derzeitigen Zurichtung durch “Olympische Winterspiele”:
Laura Kingston (Interview)/DLF: “25. Winterspiele: Olympia belastet die Alpen – Massentourismus, Freizeitghetto, Verstädterung: Die Alpen werden immer mehr dem Kommerz geopfert, kritisiert Kulturgeograph Werner Bätzing. Der Gigantismus der Olympischen Winterspiele zerstöre die Natur und nutze auch den Einheimischen nicht.” (Audio 14 min)
Was mich an diesem Wissenschaftler überzeugt, ist, dass die Instrumente materialistischer Analyse an ihm nicht spurlos vorbeigegangen sind. Die Alpen sind selbstverständlich ein sehr besonderer Naturraum. Was Bätzing jedoch ausführt, können Sie fast nahtlos auf Ihre eigene Region anwenden. Ich rate: prüfen Sie die Gemeinsam- und Ähnlichkeiten. Es lohnt sich mehr als oligarchisches “Olympia”.
PS am Abend
Jena statt Olympia
Gucken Sie noch TV? Die, die das noch tun, haben gestern ihr Urteil gefällt. Doppelt so viele (6.5 Mio.) glotzten den in Jena angesiedelten “Thüringen-Krimi” des ZDF (da ist doch schon leer, jetzt wollen sie das mit noch mehr TV-Morden entvölkern). Weniger als halb so viele wollten irgendwas mit Wintersport in der ARD sehen.
Haben sich die Quotenstrateg*inn*en in den Anstalten also verrechnet? Nein, die rechnen anders. Bei Olympischen Spielen läuft die Kiste durchgehend. Und ab und zu kommt mal ein Mensch vorbei, und guckt rein, was da gerade läuft, im Büro oder sonstwo. Das erhöht die Quote in den Tageszeiten, an denen die Kiste sonst zum Stromsparen verurteilt wird. Und es schönt die Quotenstatistik des Senders in der Monats- und Jahreswertung.
Ganz ohne dass jemand für das Programm arbeiten oder gar Ideen haben muss. Aufträge an Produktionsfirmen für Spiel-, Dokumentarfilme oder -Serien können halbiert werden. Und die Leute gucken trotzdem. So kalkulieren die.

Falls noch irgendjemand historisch fundierte Fakten für eine Verhinderung olympischer Wiederholungen sucht, kann mit diesem OpenSource-Werk abgeholfen werden: https://books.ub.uni-heidelberg.de/arthistoricum/catalog/book/1475. Aber Vorsicht: viel Text!