Hannah Arendt kannte die erkenntnistheoretische Grundoperation des Totalitarismus sehr gut. Sie liegt darin, dass er die Unterscheidung von Lüge und Wahrheit (die als solche übrigens keine einfache ist!) prinzipiell aufhebt und damit die Gesellschaft des wichtigsten diskursiven Mittels beraubt, um irgendwie sinnvoll und allgemeinverbindlich über die gemeinsamen Angelegenheiten zu befinden. Vor diesem Hintergrund sind die Lügnereien eines Donald Trump nicht nur schlechtes Benehmen, sondern eine schlimme Unterhöhlung der sozialen Basis des Zusammenlebens und letztlich eine Vorbereitung des Totalitarismus. Wolfram Weimer ist nun kein Totalitarist und auch kein Donald Trump. Lügen tut er trotzdem. Denn nichts anderes ist sein Versuch, die Verantwortung für den von ihm getätigten Ausschluss von drei Buchhandlungen aus dem Buchhandlungspreis seines Ministeriums der Preisjury zuzuschieben. Weimer hat im Amt des Kulturstaatsminsters nichts mehr zu suchen.

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Über Reinhard Olschanski / Gastautor:

Avatar-FotoGeboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.