Die Debatte um die Altersverifikation hat sicherlich einige Wellen geschlagen. Jetzt hat Meta eine Möglichkeit bei den begabten, aber digital völlig unterbelichteten Eltern gefunden, den Rest an Menschenwürde schon vor dem Eintritt ins Erwachsenenalter einzuebnen, denn WhatsApp bietet jetzt ein Kinderkonto.

Ab einem Alter von 10 bis 12 Jahren nehmen Sie das Smartphone von ihrem Zögling, legen es neben das eigene Gerät und schon werden die Dinger verknüpft, muss alles einfach sein. Sofort wandern Adressbuch, Kalender und Geburtsdatum und, damit der kleine Racker besser erkannt wird, mit einem geeigneten Profilfoto zu WhatsApp – damit hat Meta ein verifiziertes Konto, ebenso die Kontakte darin, die im Adressbuch lagern, nebst Kalender. Mehr will Meta gar nicht haben.

Praktisch für Meta: sie müssen gar nichts machen, bekommen den Stoff, aus dem sich ihre Träume monetarisieren von den sorglosen Erziehungsberechtigten umsonst geliefert. Vor allem die kleine Wurst wird auch älter, die Restriktionen des Kinderkontos entfallen und das Opfer ist vorbereitet auf die nächste Stufe: Nackt im Haifischbecken! Was die Eltern nicht alles für ihre Kinder tun, lobenswert!

Aber was machen denn die armen Kinder, die in der Grundschule WhatsApp brauchen? Die richten sich einfach so ein Konto ein, fragt doch kein Mensch. Höchstens die Eltern, die, schlicht, wie sie sind, auf die Frage „Mama, darf ich WhatsApp?“ antworten, weil sie es irgendwo gehört haben: „Aber nur ein Kinderkonto.“ und schon richtet die kleine Göre ein ganz normales Konto ein.

Medienkompetenz kann auch Spaß machen, wenn ich  betrachte, was da rauskommen kann. Und ja, es sind nicht alle Eltern, aber erdrückend viele – zu viele. Gemeinsam mit dem Schulungsapparat, bei dem Lehrerinnen und Lehrer von der Hochschule kommen und als wertvollste digitale Kompetenz den sicheren Umgang mit dem Kopierer vorweisen können.

Was hilft das Gejammer? Nichts – außer wir packen es selbst an und sehen, wie einfach es sein kann, sobald die eigenen Daten gerettet sind. In der letzten Wochenrückblicken ging es darum eine neue Mailadresse einzurichten und die Nachrichten rüberzuholen.

Genauso wichtig wie die Mails sind natürlich Adressbuch und Kalender. Das sollte ausschließlich im persönlichen Verfügungsbereich bleiben und der Zugriff darauf im besten Fall nur einem selbst gestattet sein. Das allerdings ein solch wertvolles Schlachtfeld, welches nicht nur Google und Microsoft beansprucht. Das will auch Meta haben und die geschmeidige Medienkompetenz der Nutzerinnen und Nutzer steht dem nicht im Wege, leider.

Abgesehen von dieser Falle, muss das Adressbuch und der Kalender dorthin, wo bereits die Mails sind, also weg von Google und Microsoft.

Für all dies gibt es Standards, außer bei Microsoft. Adressbücher können bei Google in einem Rutsch exportiert werden, einfach bei https://contacts.google.com mit dem eigenen Account anmelden, auf das Kästchen neben einem Kontakt klicken, nach Auswahl suchen und „Alle“ wählen – auf die Formatfrage (die erscheint beim Klick auf die drei Pünktchen oben rechts) wählen wir das Format vCard und bevor wir mutig auf „exportieren“ klicken, überlegen wir uns sehr genau, wo wir die neue Datei ablegen wollen – die wird gleich gebraucht und sie ist auch deshalb wichtig, weil wir unsere Kontakte bei Google sofort löschen, darum ging es ja.

An der Stelle wären wir fertig, aber Halt! Nein, wartet, der Kalender muss noch rüber. Im Google-Kalender (also wieder bei Google – https://calender.google.com – im Browser einloggen), Kalender aufrufen und dort ermöglicht ein Klick auf das Zahnrad Einstellungen“ aufzurufen, links gibt es eine Liste, dort ganz unten zügig „Importieren & Exportieren“ wählen. Etwa in der Mitte unten ist die Schaltfläche „Exportieren“ zu sehen, das ist das Ziel.

Diesmal bekommen wir es mit eine Archivdatei mit der Endung .ZIP zutun, die mit einem Klick entpackt wird – vorher bitte überlegen, wo sie liegt, zur Not im Ordner „Downloads“ suchen. Sobald dieses Archiv mit der Endung .ZIP entpackt wurde, sind verschiedene Dateien zu sehen, das Format nennt sich iCal und die Endung der Datei lautet .ICS

Dieser sichere Weg eröffnet die sinnvolle Möglichkeit die Daten von Adressbuch und Kalender bei Google zu löschen. Bei mail.de ist das Ziel verdammt schnell erreicht, einloggen und das auf der Icon für „Kontakte“ klicken, dort das Zahnradsymbol für „Aktionen“ auswählen, bei dem was herunterklappt wählen wir vergnüglich „Importieren“, erledigt. Als Anleitung hier zu finden.

Der Kalender wird ebenso über das Icon „Kalender“ erreicht, der ebenfalls das Zahnradsymbol für „Aktionen“ enthält und dort „Kalender Importieren“ anbietet.

Durch Export von Kalender und Adressbuch sind diese beiden Datenschätze sicher und können, nein, müssen bei Google gelöscht werden. Es liegt alles bei mail.de und wird nicht dazu genutzt, meine privaten Daten dauerhaft zu durchleuchten und die Ergebnisse weiterzuverkaufen.

Was machen jetzt die armen Schweine, die alles bei Microsoft lagern? Ganz einfach: bis nächste Woche warten, sonst ist das zu viel für einen Wahlsonntag.

Und wie das alles den Standard-Apps für Adressbücher und Kalender schmackhaft gemacht wird, kommt auch noch. Vorweg dazu soviel: mit Apple-Geräten und ebenso Linux ist es ganz einfach, Google will mit Android trotzdem wieder an alles dran. Ich sach doch, das ist die Pest.

Unterm Strich ist alles einfach, die Fallstricke, die ausgelegt sind, dienen nur dazu, das zu behalten, was wir dauerhaft hergeben sollen. Ein Benefit springt nicht raus. Transparent wird hoffentlich, wie unsere Bequemlichkeit die Giganten immerfort nährt.

Ist alles so schön bunt hier und einfach, fällt gar nicht auf, was wir letztlich dafür bezahlen – die neuen Spritpreise sind dagegen lächerlich.

Micron steigert den Umsatz um 196 Prozent, der Nettogewinn steigt von 1,6 Milliarden US$ auf 13,8 Milliarden, die fette Gewinnmarge von 45 auf 68 Prozent, davon lässt sich leben.

Und Broadcom, die mit VM-Ware die großen Rechenzentren softwaremäßig orchestrieren, haben für europäische Rechenzentren eine besondere Lizenzpolitik, die Kosten stiegen zwischen 1000 und 1500 Prozent, Heise schreibt denn auch „Broadcom setzt zum Todesstoß an“ Konkurrenz ist nur was für Looser…

Nvidia hat im vierten Quartal 2025 im KI-Netzwerksegment einen Zuwachs von 263 Prozent ausgewiesen.

Was glaubt ihr, wer den ganzen Keks am Schluss bezahlt? Das kommt auf den Trumpschen Kriegszoll oben auf.

Aber: Wie sind nicht wehrlos! Mecker nicht, fang Du wenigstens an.

Über Christian Wolf:

Avatar-FotoChristian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geografie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digitalpurist)