Wie WM-Boykottdebatte läuft

Zwar ist St-Pauli-Präsi Oke Göttlich ein üblicher Verdächtiger. Als Präsidiumsmitglied von DFL und DFB ist er jedoch so wenig eine Randfigur, wie seine Vereinsmarke FC St. Pauli ein wichtiger Mosaikstein des deutschen Fussballbusiness (der Herren) ist. Schauen Sie mal auf die Uhr, wie lange Sie benötigen, um bei dessen Wikipedia-Eintrag nach unten zu scrollen. Nun hat Göttlich in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost (Paywall; ich glaubte, die sei längst tot) kraftvoll auf die Pauke gehauen.

Und “alle” berichten. Hier z.B. der Stroer-Konzern. Weil Göttlichs Argumente nun schon seit Wochen auf der Hand liegen, serviert vom “mächtigsten Mann der Welt” persönlich. Als St.Pauli-Präsi ist Göttlich weit von der Macht entfernt, das zu entscheiden. Aber er hat sie in Sichtweite, und nutzt seine Möglichkeiten der Aufmerksamkeitserregung. Die Mehrheit seiner Kollegen macht sich stattdessen lieber in die Hose.

Wie weit das kriminelle Potenzial im Herrenfussball reicht, war jüngst beim Africa Cup Of Nations zu studieren. Fans wissen, dass die kostengünstigste Investition die Akquisition von Heimschiedsrichtern ist. Warum hätte der marrokanische Feudalherrscher – übrigens eingeschriebenes Mitglied in Trumps “Friedensrat” mit der prägnanten Stellungnahme König Mohammed VI. begrüße “das Engagement und die Vision von Präsident Donald Trump für die Förderung des Friedens und hat diese Einladung angenommen” – da eine Ausnahme machen sollen? Doch wenn das noch nicht ausreicht, müssen halt weitere Schritte gegangen werden. Weil mann es kann.

Der Herrscher des mächtigsten Landes der Welt ist für diesbzügliche Skrupel nicht bekannt.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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