Kommt ein junger nordrhein-westfälischer IT-Experte in mein Arbeitszimmer. Den Drucker soll er in Ordnung bringen. Das ist ihm gelungen. In wenigen Minuten. Er brauchte sich gar nicht zu konzentrieren. Lässig, mit der linken Hand nur an dem Gerät bastelnd, liess er den Blick durchs Zimmer schweifen. Über die Wände. Über die Bücher. „Waren Sie“, fragte er, „vielleicht einmal Reporter beim Stern?“
„Ja, das war ich, nicht nur vielleicht, sogar sechzehn Jahre lang. Länger als mancher andere habe ich das ausgehalten.“
Jetzt wurde der IT-Jüngling ein bisschen frech: „Und warum hat man Sie dann doch noch rausgeworfen?“
„Das war nach dem schaurigen Skandal um die Hitler-Tagebücher. Da ging beim Stern alles drunter und drüber.“
Jetzt legte der IT-Experte seine jugendliche Stirn in kleine Falten. „Die Hitler-Tagebücher“, fragte er, „war das nicht das Buch mit dem Titel `Mein Kampf`?“
Jetzt wurde ich auch ein bisschen frech. Fast so frech wie damals Franz-Josef Strauss fragte ich: „Haben Sies´Abitur?“
Er nickte stumm und verstimmt.
„Und wo haben Sie das Abitur gemacht? Vielleicht im Kanton Aargau?“
„Nein“, gab er zur Antwort, „im Kanton Nordrhein-Westfalen. Aber wie kommen Sie auf den Kanton Aargau?“
„Das liegt daran, dass ich mich für Bildung interessiere. Und im Kanton Aargau finden besonders viele Bildungsreformen statt.“
„Bei uns in Nordrhein-Westfalen auch“, pflichtete mir der junge IT-Experte erleichtert bei, „aber was machen die im Kanton Aargau besonders gut?“
„Eben, eine Bildungsreform nach der andern. Jetzt haben sie auch noch die drei Fächer Physik, Chemie und Geographie zusammengelegt zu einem ganz grossen Superfach: ´DER MENSCH IN SEINER UMWELT´. Pädagogisch, heisst es, sei das auf jeden Fall ein Fortschritt.“
Woher ich das wisse, wollte jetzt der junge IT-Experte wissen.
„Ich weiss das, weil ich mir stets die neuesten Informationen aus den Sozialen Medien hole. Da ist alles wahr. Leider stimmt aber vieles nicht. Es könnte ja gar nicht der Aargau sein, sondern der Kanton Bern oder vielleicht sogar der Kanton Nordrhein-Westfalen.“
„Nein“, antwortete der junge IT-Experte, Nordrhein-Westfalen sei noch nicht so weit. „Dafür lege ich die Hand ins Feuer. Schliesslich habe ich hiers´Abitur gemacht.“
Ich fasse zusammen: Mein Drucker druckt wieder. Zum Beispiel dies hier. Das ist das Wichtigste. Doch meine ich, dass Nordrhein-Westfalen etwas zur Verbesserung der Allgemeinbildung junger nordrheinischer und westfälischer IT-Experten tun sollte. Dafür genügt es allerdings nicht, Chemie, Physik und Geographie zusammenzulegen. Die Regierung in Düsseldorf wäre gut beraten, auch gleich noch so Fächer wie Lesen, Rechnen, Turnen und Singen mit Chemie, Physik und Geographie zusammenzulegen zum grössten Megafach aller Zeiten:
„ADOLF HITLER IN SEINER UMWELT“.
Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner überaus freundlichen Genehmigung.

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