Was passiert eigentlich, wenn ich mein Smartphone zur Seite lege und nicht benutze? Nix? Fragt mal Google, so ein Telefon darf nicht einfach schlafen, schließlich gibt es immer etwas zu melden. Das dient ausschließlich dazu, die Verlässlichkeit, die Sicherheit und die Leistung zu gewährleisten, behauptet Google. So funkt jedes Android fleißig Daten nach Hause. Und wenn kein kostenfreies WLAN zur Verfügung steht, dann über den Mobilfunk. Google ist es schließlich egal, wie viel Datenvolumen verbraucht wird. Nun bekommen sie eine fette Rechnung, über 300 Millionen US-Dollar sollen sie in Kalifornien den betrogenen 14 Millionen Android-Opfern zahlen, weil sie die Mobilfunkverträge unerlaubt mitbenutzt haben. So eine Sammelklage bei den Amis hat auch Vorteile. (Hinweis: Apple macht das natürlich auch, aber das geklaute Datenvolumen ist so gering, dass es nicht für eine Klage reicht)

Nach dem Erfolg will die Kanzlei Bartlit Beck die Klage auf ganz Amerika ausweiten – Google geht natürlich in Berufung, die sitzen leider auf ihrem Geld.

Anders als Meta, die wollen es für einzelne Angestellte ausgeben, so ein Salär von 300 Millionen US-Dollar für die nächsten vier Jahre, kein Problem! Der Haken an der Sache? Die sind schon in Lohn und Brot, arbeiten für openAI und Sam Altman gibt sie nicht gerne her. Zehn solcher Angebote sind unterwegs. Und wer ist so wertvoll, dass er nicht durch KI ersetzt werden könnte? Na, die, die KI entwickeln. Meta möchte sich damit aufpumpen, berichtet The Decoder“ . Nur, damit es nicht missverstanden wird, die 300 Millionen US-Dollar sind für jeden dieser Köpfe, einzeln – aber was ist schon Geld!

KI, so wie wir sie in allen Ecken finden, ist in allererster Linie: Energieverschwendung. Microsoft lässt abgemeldete Atommeiler vorzeitig wieder in Betrieb nehmen, um die Rechenlust zu bedienen, Google denkt gar über Kernfusion nach, der weltweite Energieverbrauch für KI wird mittlerweile auf 9 Prozent geschätzt, Tendenz steigend.

Ähnlich wie Google bei den Android-Smartphones bedienen sich alle KI-Modelle auch an unserem Energieverbrauch, denn die Crawler – das sind die Spürhunde im Internet – durchforsten alle Webseiten, nach Inhalten. Das ist jetzt nicht nur ein Crawler, sondern viele, die immer und immer wieder die Seiten durchwühlen. Betreiber der Webseiten haben nichts davon, außer einer sinnlosen Auslastung und eben auch den höheren Energieverbrauch, deshalb lässt Cloudflare „KI-Crawler auflaufen, wenn nicht für Scraping bezahlt wird

Die schicken die Crawler in so eine Art Labyrinth, wo sie mit sich selbst beschäftigt sind und zudem noch mit prächtigem Dumpfsinn gefüttert werden, zeigt 404media auf.  Und wer unbedingt sehen will, wie sich so etwas für eine Maschine anfühlt, der wirft einen Blick auf diese Demo, die allein durch ihre Langsamkeit besticht.

Die KI-Seuche im Internet greift alles ab, mehr oder minder ungefragt, eine Art Ranking finden wir an dieser Stelle, den letzten Platz für den größten Datenhunger belegt wie immer Meta (Facebook). Aber das reicht Facebook alles noch nicht. Um die unbedarften Nutzer mit Werbebotschaften zu versorgen, ist Kommunikation hilfreich, denn wer sich wahllos durch die vorsortierten Inhalte klickt, klickt sich schnell auch weg. Was liegt näher, als den Beschäftigungsmoment mit einer Labertasche anzureichern? Soll demnächst ein Chatbot erledigen, findet der Business-Insider raus.

Wenn es darum geht, Geld zu verbrennen, findet die EU auch eigene Wege, zum Beispiel ChatEurope . In sieben Sprachen soll der ChatBot geprüfte Informationen ausspucken. Kleiner Test, mit der Frage „Wie viele Jahre war Helmut Kohl Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz“, gebe ich zum Vergleich erst bei Deepseek ein und erfahre: „Helmut Kohl war 7 Jahre und etwa 7 Monate Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.“ Mehr wollte ich nicht wissen. Gebt das mal bei ChatEurope ein! Eine Antwort kommt nicht, aber eine meterlange Geschichte, was Helmut Kohl alles gemacht hat, welch großartiger Politiker er war, alles, nur die Frage nach seiner Zeit in Rheinland-Pfalz wird nicht beantwortet. Wer nach einem Selbstversuch behauptet, das sei nur Staatspropaganda, dem würde ich aus meiner Perspektive nicht widersprechen.

Wir müssen wohl doch alles bei den Nordamerikanern kaufen – obwohl, die treffende Antwort kam doch über Deepseek aus China… darüber sollten wir ergebnisoffen nachdenken.

 

 

 

 

 

Über Christian Wolf:

Avatar-FotoChristian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geographie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digtalpurist)