Die Luft im Seminarraum 302a der Humboldt-Universität war von jener besonderen Zähigkeit, die nur in Gebäuden entstehen kann, in denen seit Jahrzehnten über die Welt nachgedacht wird, ohne die Fenster weit genug zu öffnen. Es war eine Mischung aus abgestandenem Filterkaffee, dem metallischen Geruch von dreißig gleichzeitig arbeitenden Laptops und der stickigen Wärme, die von der alten Gussheizung ausging. Früher hätte Clara diese Atmosphäre als bedrückend empfunden – ein Spiegelbild ihres eigenen Wartestatus, gefangen zwischen Befristungsverträgen und der ständigen Sorge, den hohen Erwartungen der Fakultät nicht zu genügen.
Doch heute war etwas anders. Weiterlesen

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