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Schlagwort: Atomraketen

Überholt

Von GĂŒnter Bannas
Eigentlich hatte Otto Schily, der vor 40 Jahren GrĂŒndungsmitglied der GrĂŒnen war, nicht Bundesinnenminister werden wollen. Außenminister wollte er werden. Also suchte er in den 1980er-Jahren – als Mitglied der GrĂŒnen-Fraktion – Kontakte zu Botschaftern in Bonn. Schily beherrschte die Usancen der Diplomatie. Interessierte GesprĂ€chspartner gab es genug – zumal zu Zeiten des Streits ĂŒber die AufrĂŒstung der Sowjetunion mit SS-20-Mittelstreckenraketen und die NachrĂŒstung der Nato mit amerikanischen Pershing-II-Raketen. Bei einem Treffen mit Richard Burt, dem amerikanischen Botschafter, wurde Schily gefragt,Weiterlesen…

Trump will Atomkrieg fĂŒhrbar machen

Lange schien der atomare Wahnsinn des kalten Krieges der Vergangenheit anzugehören. Viele Atomraketen wurden verschrottet, wenn auch heute immer noch die gegenseitigen Vernichtungspotenziale das ĂŒbersteigen, was ausreichen wĂŒrde, um unseren Planeten in Schutt und Asche zu legen und fĂŒr zehntausende Jahre zu verstrahlen. Außerdem schien es ja zunĂ€chst so, als ob nach dem Ende der Sowjetunion ein wichtiger Grund fĂŒr den “Kalten Krieg”, der Gegensatz zwischen “realem Sozialismus” und “kapitalistischen Staaten” entfallen sei. Der Kapitalismus – ob ungezĂŒgelt wie im Westen, “gelenkt” wie in Russland oder sozialistisch-rot diktiert wie in China – ist zwar inzwischen allein beim Wettlauf der Systeme ĂŒbrig geblieben, aber der zunehmende Kampf um Rohstoffe und EinflußsphĂ€ren scheint als Kriegsgrund des 21. Jahrhunderts immer wahrscheinlicher.Weiterlesen…

Potemkin’sche Raketen und Fake-Reaktionen

Als sich NATO und Warschauer Pakt bis an die ZĂ€hne hochgerĂŒstet in Mitteleuropa gegenĂŒber standen, kam die gegenseitige Sicherheit durch eine Vielzahl von Faktoren zustande, deren Kernelement gegenseitige Berechenbarkeit war. In der Kuba-Krise 1962 setzte John F. Kennedy die Wiederherstellung einer solchen Berechenbarkeit durch, indem er den Abzug der sowjetischen Mittelstreckenraketen von Kuba gegen den geheimgehaltenen und klammheimlichen RĂŒckzug Ă€hnlicher Mittelstreckenraketen aus der TĂŒrkei mit Nikita Chruschtschow aushandelte und damit Vertrauen schuf.

 

Die Welt, die 1962 kurz vor einem Atomkrieg stand, atmete auf, weil von da an wieder 20 Minuten Zeit waren, ausreichend um das “rote Telefon” zwischen Moskau und Washington zu benutzen, um eine versehentlich ausgelöste Apokalypse zu vermeiden. Die Friedensbewegung, GrĂŒne und viele andere waren 1983 gegen die “NachrĂŒstung” mit Pershing II, weil diese Waffen die beiderseitige Vorwarnzeit wieder auf 2 Minuten – diesmal in Europa – verkĂŒrzt hĂ€tten. Wie nahe die Welt trotzdem an der Vernichtung war, wissen wir heute, weil inzwischen bekannt wurde, dass 1983 ein Computerfehler den Sowjets einen Raketenangriff der USA vorgaukelte und nur der mutigen Entscheidung eines Oberstleutnants, der ĂŒberzeugt war, dass die USA niemals nur mit 1 oder 2 Raketen einen Erstschlag ausfĂŒhren wĂŒrden, den massiven Gegenschlag der Sowjetraketen stoppte. Dass er dafĂŒr von seiner Regierung degradiert wurde, ist tragische Ironie der Geschichte.

 

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