Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Augstein

Woanders is’ auch ……..

… nicht besser. Tomasz Konicz deutet die aktuellen Entwicklungen des globalen Kapitalismus als mögliche Crashvorboten. Könnte sein. Hoffen wir mal, dass er ein Spinner ist …..
Deutschland
Jakob Augstein, auch ĂŒber ihn kann mann viel Kritisches meinen und schreiben, aber im deutschen BĂŒrgertum kennt er sich aus.
Heribert Prantl beschreibt das deprimierende Bild unserer kommenden Regierung, das sogar mutwillig auf Blender wie Macron verzichtet. Sollen wir ĂŒber diesen Unterschied nun froh sein, oder ist das nur eine besonders fiese Form, uns GeringschĂ€tzung zu ĂŒbermitteln? Ähnlich arm: die Oppositionssprechblasen in der Tagesschau.
New YorkWeiterlesen…

Die SZ, der BND und der Spiegel

Die SZ habe ich vor vielen Jahren abbestellt. Teuer war sie sowieso schon, zwar (zu) geringfĂŒgig linker, aber z.B. im HauptstadtbĂŒro in Bonn und Berlin immer viel schlechter als die FAZ. Als sie ihren kurzlebigen exzellenten NRW-Teil wieder einstellte, war das Mass voll. Online Ă€hnelt sie eher einer boulevard-orientierten Regionalzeitung – schauen Sie sich nur die Ressortrubriken an: das Politikressort prĂ€sentiert auf der Startseite ganze zwei Texte; weniger als MĂŒnchen, und “Bayern” lĂ€uft sogar als Extraressort; von dem ganzen Lebenshilfe- und Tratsch-Gedöns ganz zu schweigen. 50 € im Monat ist mir so ein Schrott jedenfalls nicht wert.

Also bewege ich mich zĂŒgig mittags zum Momo-Bistro, um dort vor den mehrstĂŒndigen Dauerleserinnen einen Blick in die Printausgabe zu werfen. Meistens bin ich nach 15-20 Minuten mit allem fertig. Heute war es anders.Weiterlesen…

War frĂŒher alles besser?

Die GrĂŒnen z.B.?
RĂŒdiger Suchsland macht sich, etwas spĂ€t vielleicht, Gedanken, wie sie heute sein könnten.

Die SPD?
Jakob Augstein und Oskar Lafontaine – viele werden jetzt ausstossen: ausgerechnet! – erzĂ€hlen, wie es mit Deutschland unter einem Bundeskanzler Lafontaine gekommen wĂ€re. Komplett falsch liegt der dieses Mal einen ĂŒberraschend milden Ton wĂ€hlende Oskar mit seiner Willy-Brandt-Verherrlichung. Es gab fĂŒr Willy nichts Wichtigeres als deutsche Einheit und SouverĂ€nitĂ€t, und die hĂ€tte er nie ausserhalb der SPD gesucht. Die Willy-Anbetung alter und junger Sozialdemokraten bleibt skurril. Dass Jakob und Oskar in ihrer alltĂ€glichen Arbeitsumgebung von Vielen nicht fĂŒr Linke gehalten werden – geschenkt.

Was frĂŒher besser war, untersuchte letzten Freitag im NDR die sehenswerte “Panorama – die Show“, um 0 Uhr gesendet, trotzdem jugendfrei. Bemerkenswert, wie weit wir bis heute gekommen sind: heute sind schon 6,3% aller Vorstandssitze in DAX-Konzernen weiblich besetzt. Wieviele Frauen hĂ€tten das wohl in den 60er Jahren fĂŒr möglich gehalten? Sollen sich die TĂŒrkei oder Ruanda da mal ein Beispiel dran nehmen? Da musste erst ein fĂŒnfjĂ€hriger Iraner aus Teheran kommen, um uns darauf hinzuweisen?

Rechtsverschiebung – und alle machen mit?

Umfragen und Medien sagen, der AfD-Anhang schmilze – allzu langsam – weg. Die Gefahr war nie, dass diese rechten Spinner an die Macht kommen. Die Gefahr ist, dass sie das komplette Diskursspektrum unserer Gesellschaft nach rechts verschieben und entmenschlichen. Was das betrifft, kann man ihnen den “Respekt” nicht versagen, da sind Greis Gauland und Co. schon weit vorangekommen.
Nichts Geringeres als die angeblichen “Fake-News”-BekĂ€mpfer der ARD-Tagesschau dokumentierten das gestern auf klassische Weise. Mit vollgeschiessenen Hosen, von den Rechten als LĂŒgenpresse und Staatsrundfunk geziehen zu werden, wurde einer AfD-Pressekonferenz mit der zentralen Botschaft, das Grundrecht auf Asyl im Art. 16 des Grundgesetzes endgĂŒltig zu beseitigen, breiter Berichtsraum gegeben. SelbstverstĂ€ndlich wird dabei von Gauland kein Eiertanz zur Verharmlosung der Naziverbrechen ausgelassen: das Grundrecht sei “eine Überkompensation unserer schwierigen Vergangenheit in den zwölf Jahren”. Naziverbrechen und Holocaust heissen also jetzt niedlich “die-zwölf-Jahre”. Der Ausgewogenheit der Tagesschau-Berichterstattung diente dann ein unbekannter CDU-MdB, der sagte, dass man das nicht vorhabe, was die AfD da wolle. Erst in der 20-Uhr-Ausgabe wurde dann noch ein Satz der Linken-Vorsitzenden Kipping in den Bericht reingeschnitten.

Es wird hier exakt der Fehler wiederholt, den Michael Haller jĂŒngst in seiner Untersuchung “‘FlĂŒchtlingskrise’ und Medien” nachgewiesen hat:Weiterlesen…

Die Niedersachsen-Intrige und seriöser Journalismus

Seit dem Wochenende steht, angefĂŒhrt von der “Bild”-Zeitung, der niedersĂ€chsische MinisterprĂ€sident Weil unter Beschuß. In heuchlerischer und verlogener Weise wird ihm zum Vorwurf gemacht, vor zwei Jahren eine Rede im Landtag, die er als MinisterprĂ€sident und gleichzeitig Mitglied des Aufsichtsrats der VW Aktiengesellschaft ĂŒber die Diesel-AffĂ€re gehalten hat, von der Kommunikationsabteilung von VW fachlich hat gegenlesen lassen. Es handelte sich dabei um Passagen, die sich u.a. mit den juristischen und technischen Details der Verfahren beschĂ€ftigten, die in den USA gegen VW anhĂ€ngig sind. Sowohl als MinisterprĂ€sident, als auch als Aufsichtsrat von VW mußte er ein Interesse haben, seine Rede auf juristische und technische Fehler prĂŒfen zu lassen, um nicht SchadenersatzansprĂŒche oder juristische Nachteile gegen das Land Niedersachsen oder den angeschlagenen VW-Konzern in Kauf zu nehmen. Jeder seriöse Journalist hĂ€tte genau das gleiche getan.

Conrad Ahlers und Rudolf Augstein haben ihren legendĂ€ren Artikel “Bedingt abwehrbereit”, der die “Spiegel AffĂ€re” 1962 auslöste, vor der Veröffentlichung vom Bundesnachrichtendienst gegenlesen lassen.Weiterlesen…

Katar / Facebook / Penny / Strassenbahn

Hinter der Kontroverse zwischen Saudi-Arabien und Katar könnte sich der globale Handelskrieg um das FlĂŒssigerdgas verbergen, vermutet, nicht ganz abwegig, Jan Willmroth (SZ).
Wolfgang Michal schreibt im Freitag (hinter neu errichteter Paywall, aber bei seiner eigenen Homepage frei zugĂ€nglich), wie man Facebook sinnvoller zuleibe rĂŒcken könnte, ein Thema auf das hier kĂŒrzlich auch Roland Appel hingewiesen hat. Noch ein Wort zum Freitag: verlegerisch scheint es dort drunter und drĂŒber zu gehen, jetzt hat Augstein Petra Reski und einen Prozess am Hals. Viele gute Autor*inn*en und Redakteur*inn*e*n haben schon das Weite gesucht.
Laurie Penny ist, vermutlich dank des Joint Venture mit dem Guardian, dem Freitag noch erhalten geblieben, hier mit einem angemessenen Wutausbruch gegen eine der Trump-Ladies.
Zentrum industrieller und technologischer Innovation ist heute China. Schauen Sie sich mal diese Strassenbahn an.

HĂ€ttest Du doch geschwiegen ….

….wĂ€rst Du ein Weiser geblieben, sagte schon mein Lateinlehrer im Ruhrgebiet der 70er Jahre. In den 90ern im Vorzimmer eines Fraktionsvorsitzenden in Regierungskoalition ĂŒbte ich 5 Jahre, zu einem scheissfreundlichen BILD-Reporter genauso scheissfreundlich zu sein wie er, und mit vielen netten Worten absolut nichts interessant-Zitierbares zu sagen. Ich habe es geschafft.
Jakob Augstein ist daran – Schweigen oder sprechend mal nichts sagen – fulminant gescheitert. Seinen Streit mit Petra Reski habe ich hier schon erwĂ€hnt. Andreas Rossmann berichtete nun erneut in der FAZ, wie Augstein das Problem nicht eindĂ€mmt und löst, sondern eskaliert. Ganz wie die herrschende Politik, die er doch oft selbst so treffend kritisiert. Vielleicht keine bessere politische Analystin, aber die bessere Schreiberin: Sibylle Berg.

Linken-Krankheit: Hengst- und Stutenbissigkeit

Kritik ist eine gute Sache. Wenn sie weiterfĂŒhrend ist, wenn sie geeignet ist Gutes besser zu machen. Eine tragische Sackgasse ist sie, wenn sie von Besserwissen und Bitterkeit erfĂŒllt ist. Zwei Beispiele, bei denen Sie selbst abwĂ€gen können.

Jakob Augstein, ein kluger, reicher Mann, der es aber zweifellos als Verleger und Journalist nicht leicht hat und sich im wahren Leben oft wirklich keinen schlanken Fuss macht, setzt sich bewusst von einem der klĂŒgsten und besten deutschen Medienjournalisten Stefan Niggemeier frontal ab, und was fast noch dĂŒmmer ist, von der Anti-Trump-Demokratiebewegung in den USA. Bei Niggemeier muss man sich daran erinnern, dass der kurze Zeit und bestimmt fĂŒrstlich bezahlt beim Spiegel gearbeitet und den im Konflikt und unter öffentlichem Absingen von Meinungsverschiedenheiten nach kurzer Zeit wieder verlassen hat.Weiterlesen…

Information Warfare

Im Informationskrieg geht es heiß her. 2002 publizierte die “story”-Redaktion des WDR die Dokumentation “Es begann mit einer LĂŒge”, mit der der erste deutsche Angriffskrieg gegen das damalige Jugoslawien 1999 charakterisiert wurde. Der Film war so akkurat gearbeitet, dass er die Karriere seiner Autoren nicht wirklich beschĂ€digte. Jo Angerer kuratiert weiterhin Dokumentarfilme fĂŒr ARD und WDR, Mathias Werth besetzt einen attraktiven Auslandskorrespondentenposten in Paris. Dennoch liess der Film SPD- und CDU-Leute im WDR-Rundfunkrat nicht ruhen, bis sie endlich einen schwachen “Monitor”-Beitrag entdeckten, den sie demonstrativ mit Stimmenmehrheit rĂŒgen konnten. Angerer und Werth gehörten frĂŒher beide dieser Redaktion an.

Eine Botschaft, die dieser Film uns damals schon ĂŒbermittelte: wenns in der deutschen Öffentlichkeit mal so richtig eskaliert und Aufmerksamkeit erregt werden soll,Weiterlesen…

Lehren aus Trump (V)

Diana Johnstone, die vor der Wahl bereits ein kritisches Buch ĂŒber Frau Clinton veröffentlich hat, plĂ€diert jetzt in einem Kommentar fĂŒr Entdramatiserung, auch wenn es ernst ist.
Ein Ă€hnlicher Zungenschlag bei Paul Mason im Guardian, was die deutschen “BlĂ€tter” mit Übersetzung ĂŒbernommen haben. Mason meint, dass menschenrechtliche Erfolge auf internationaler Ebene vor dem Schlimmsten schĂŒtzen können.
Thomas Fricke (Sp-on) beschreibt die wirtschaftspolitischen Problemstellungen, vor denen Trump stehen wird.
Jakob Augstein (Sp-on) hĂ€lt dagegen nichts von Entdramatisierung, sondern plĂ€diert bereits fĂŒr die Anwendung des Faschismus-Begriffs.
Nach meiner heutigen LektĂŒre von Yavuz Baydar (SZ) habe ich mich gefragt, warum wir ihn bisher fĂŒr die TĂŒrkei noch nicht angewandt haben, wĂ€hrend das viele betroffene TĂŒrk*inn*en schon lange tun, s. auch Mely Kyiak auf dieser Seite, die unser mangelhaftes Zuhören kritisierte.

Wladimir Kaminer hat versagt

ZunÀchst im deutschen Schrebergarten. In Berlin ist er rausgeflogen, zu unordentlich. Er musste raus nach Brandenburg, vielleicht sind die ostiger. Vor allem versagte er aber darin, uns seine alte Heimat Russland zu erklÀren. Nun ja, das ist er nun auch schon 25 Jahre weg, wie soll das gehen? Immerhin sucht er den Fehler nicht bei unserer Begriffsstutzigkeit, sondern bei sich, hier im GesprÀch mit Jakob Augstein.

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