Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Faschismus (Seite 1 von 2)

Unsere beste Regierung – und deren Defizite

Interview mit dem brasilianischen Schriftsteller Luiz Ruffato, von Lutz Taufer und Anselm Weidner
Luiz Ruffato gilt heute als einer der wichtigsten, vielleicht der wichtigste Schriftsteller Brasiliens. Anders als die meisten brasilianischen Intellektuellen und Autor*innen entstammt er nicht den traditionellen Eliten, sondern pflegt eine deutliche Distanz zu diesen. Er steht in seinen BĂĽchern wie in seinen politischen Stellungnahmen fĂĽr einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel, seziert die herrschenden Strukturen aus dem Blickwinkel der Mehrheit der Brasilianer*innen.Weiterlesen…

Der Traum ist aus

Wahlkampf in den USA – Die US-Demokraten haben frĂĽher den amerikanischen Aufstiegsmythos in die Wirklichkeit ĂĽbersetzt. Das entpuppt sich immer mehr als Illusion.
Kaum je waren sich so viele Deutsche in politischer Hinsicht so einig wie in ihrer Ablehnung von Donald Trump. Entgeistert nehmen sie zur Kenntnis, dass der Ausgang der kommenden Wahlen in den USA offen ist, obwohl der republikanische Präsident dreist lügt und die Spaltung der Gesellschaft befördert.

Wie kann es sein, dass der Kern seiner Anhängerschaft – immerhin rund 40 Prozent der Wahlberechtigten – unbeirrt in Treue zu ihm steht? Seine Gegnerinnen und Gegner, also die Demokraten, mĂĽssen ziemlich viel falsch gemacht haben. Aber was genau?Weiterlesen…

Medienpolitik, deutsche – dreivierteltot

Er ist jetzt schon ĂĽber ein halbes Jahr alt. Ich habe mir damals einen Wolf gesucht, um Unterlagen der entsprechenden Böll-Stiftungs-Tagung, die in der Nähe von Polen angesiedelt war, im Internet zu finden. Nun hat die Medienkorrespondenz den dort gehaltenen Vortrag von Lutz Hachmeister “Die Dämmerung des dualen Systems – Ăśber einen notwendigen Entwicklungssprung in der Medienpolitik”, dokumentiert. Das Werk ist also gut abgehangen, und leider, leider, wie es klassisch fĂĽr die gegenwärtige deutsche Medienpolitik ist, ist es akut geblieben.
Ich kenne den Hachmeister seit 40 Jahren. Von etlichen menschlichen Schwächen habe ich gehört, manches hat sich rausgewachsen, anderes nicht. Blitzgescheit ist er geblieben,Weiterlesen…

Frankreich / Faschist*inn*en

In Frankreich waren Kommunalwahlen. Erster Wahlgang mitten in Corona (Mitte März), zweiter Wahlgang dann vor Schreck verschoben, hat nun diese Woche auch stattgefunden. Wie üblich sind Wahlberichterstattung aus dem Ausland in deutschen Medien grob oberflächlich und kaum informativ, dafür aber immer mit einem gewünschten Spin versehen. Ausser Bernhard Schmid/telepolis.
Kennzeichen von Faschist*inn*en sind ihr apokalyptisches Denken, in der Konsequenz ihre Vernichtungs- und Todessehnsucht als Triebkraft. Ist es am Ende nicht so, dass Trump und Bolsonaro mit ihrem BeharrenWeiterlesen…

Frauen im Ausnahmezustand

Spontan gefragt und geantwortet: kennen Sie eine Virologin mit Namen? Ach, komisch ne? Warum nicht? Die Antwort finden Sie bei Annika Joeres (einstige Ruhrbarone-Kollegin, heute in Frankreich lebend) und Susanne Götze/uebermedien. Ich bin versucht zu lästern, dass Ă„rztinnen sich halt mehr Zeit fĂĽr ihre Patient*inn*en nehmen, und weniger zum sich vor Kameras setzen oder zum podcasten haben. Andererseits: Ă„rztinnen und Ă„rzte haben jetzt ĂĽberwiegend (zu) viel Zeit. Krankenhäuser melden Kurzarbeit an. Eine Freundin bekam gestern einen Termin fĂĽr eine Darmspiegelung – in der nächsten Woche!Weiterlesen…

Gegen Rechts – aber wie?

Einerseits wirkt nach dem Attentat von Halle vieles erschöpfend ritualhaft. Andererseits ist vieles davon heute nicht mehr selbstverständlich, keinesfalls mehr allgemeiner gesellschaftlicher Konsens. Daraus entsteht eine seltsame Dialektik, mit der ich jedenfalls gedanklich noch nicht im Reinen bin. Einlassungen des Bundespräsidenten wirken plötzlich wie ein krampfhaftes Pfeifen im Wald. Oder?
Was kann helfen zum Sortieren? Da ist einerseits eine Erinnerung von Christoph Gunkel/Sp-on an ein Attentat vor 25 Jahren, auf eine Synagoge in LĂĽbeck.Weiterlesen…

Adornos Tod und #fridaysforfuture

Schon zu Lebzeiten fand ich ihn nervend langweilig. Ich war 11. Das TV war schwarz-weiss. Ein Professor mit Glatze, der gespreizt daher redete, mit Wörtern, die ich nicht verstand: “Fremdwörter sind die Juden der Sprache.” Theodor W. Adorno hat heute 50. Todestag. Die Medien sind ĂĽberfĂĽllt davon. Die Frankfurter 68er sind Weltmeister, mindestens deutsche Meister wie der Fussballkonzern aus dem sĂĽddeutschen Raum, in der Disziplin der Selbstinszenierung und Selbstikonisierung – schauen Sie sich nur Daniel Cohn-Bendit an! Ich verspreche: seine letzte Erwähnung in diesem Text. Das meiste, was ich ĂĽber Herrn Adorno weiss, habe ich von Extradienst-Gastautor Dieter Bott erfahren. Er hat bei ihm studiert.Weiterlesen…

Faschisten an der Macht

mit Update nachmittags
Die Verhaftung der Kapitänin Carola Rackete durch die italienische Justiz ist ein menschen- und grundrechtlicher Skandal. Artikel 1 des Grundgesetzes zwingt jedermann, und vor allem die Bundesregierung, als Staatsgewalt die MenschenwĂĽrde zu schĂĽtzen – und die BĂĽrgerInnen der Bundesrepublik, die sich fĂĽr dieses Grundrecht einsetzen. Nichts anderes hat Carola Rackete, die mutige Kapitänin des Rettungsschiffs Seawatch III getan. Wenn die Bundesregierung zulässt, dass ein Antidemokrat, Rassist und Volksverhetzer im Amt des italienischen Innenministers namens Salvini eine menschenverachtende Ideologie gegen eine BĂĽrgerin des demokratischen Europa durchsetzen kann, dann kapituliert sie vor dem modernen italienischen Faschismus.Weiterlesen…

Leseempfehlungen zum Massenmord in Christchurch

Vorige Woche fragte mich ein Freund, ob ich in Deutschland einen faschistischen Putsch fĂĽr möglich halte. Mir entfuhr ein spontanes “Nein!”, verbunden mit der BefĂĽrchtung “aber es gibt Kräfte, die auf eine Fähigkeit dazu hinarbeiten”. Das bedeutet im Umkehrschluss: aufmerksame Demokrat*inn*en sind in der Lage, das zu verhindern. Wenn sie aufmerksam sind.
Tomasz Konicz/telepolis fasst anlässlich der Mordtat in Neuseeland die deutschen BemĂĽhungenWeiterlesen…

PlĂĽnderung Brasiliens – es ist angerichtet!

mit Update 31.10.
Nach meinem Gefühl ist doch einiges an der Dimitroff-Definition vom Faschismus richtig: „terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Zu diesem Schluss führt mich das aktuelle Geschehen in Brasilien. Die folgenden Links habe ich überwiegend den von mir in anderen Angelegenheiten kritisierten nachdenkseiten entnommen, in deren Texten mich meistens die wehr- und hilflos machende Verbitterung stört..
Von der Wahlnacht berichtet fĂĽr die nachdenkseiten Frederico FĂĽllgraf,Weiterlesen…

Wehren, solange es noch geht ….

Zur heutigen #unteilbar-Demo kommentieren heute morgen zwei Menschen aus Österreich. Dem Mann Robert Misik gelingt es in der taz inhaltlich besser, als der Frau Eva Menasse im DLF, die schon recht lange in Berlin lebt (was es mehr erklärt, als das Geschlecht). Österreicher*innen sind sachkundiger als wir, was die Teilnahme von Faschisten an einer Regierung betrifft. Nutzen wir die Chance, dass es hierzulande noch nicht so ist.
Dass es nicht nur darum gehen kann, “das Bestehende” zu verteidigen, machen die Verbrechen deutlich, die sich Regierungen in aller Ă–ffentlichkeit erlauben,Weiterlesen…

Cannabis-Therapie fĂĽr Nazis?

Heute berichtete “Europa heute” des DLF ĂĽber 60 Jahre Kinderraub in Spanien. Frauenarzt Eduardo Vela sitzt gerade als Angeklagter vor Gericht. Die Sendezeit scheint zu knapp gewesen zu sein fĂĽr einen Hinweis, dass diese Verbrechen im faschistischen System der Franco-Diktatur begangen wurden. Journalismus heute.
Welche wirksamen Mittel gibt es gegen Faschismus-Gefahr? Das ist die beherrschende Frage fĂĽr heutige demokratische Politik. Da stiess ich auf ein Feature des gleichen Senders – seiner Berliner Abteilung DLF Kultur – vom letzten Donnerstag (Autor: Marko Pauli).
Cannabis bewirkt bei uns folgende Wunder:Weiterlesen…

“Il fascismo eterno”

Catrin Dingler erinnert in der Jungle World an einen Vortrag, den Umberto Eco 1995 zum 50. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus an der Columbia University in New York gehalten habe. Er erschien unter dem Titel “Urfaschismus” damals in der Zeit. Als Leitgedanken formuliert Dingler: “Was ihn beunruhigt, ist allerdings »eine Art des Denkens und FĂĽhlens, eine Anhäufung kultureller Gewohnheiten, obskurer Instinkte und un­auslotbarer Triebe«, die auch ein halbes Jahrhundert nach dem Sturz des Regimes weiterwirken.” Da hat der alte Mann leider rechtbehalten, weit ĂĽber sein Italien hinaus.
Bildhaft beschreiben das nicht nur heutige Reportagen aus Chemnitz. Das kĂĽrzlich von mir erwähnte Ada Magazin veröffentlichte eine Reportage von Federico Annibale ĂĽber “Die neue Balkanroute”.Weiterlesen…

Das Einsickern von Rassismus und Faschismus

Vorurteile werden Gewissheiten (Rainer Trampert)

Dass der Boss des deutschen Inlandsgeheimdienstes die Bossinnen und Bosse der AfD persönlich berät – nun ja, wir waren nicht dabei – zum persönlichen Gespräch trifft, und das nicht an mehr oder weniger wichtige Untergebene (Beamte, V-Leute, da hat er ein breites Spektrum zur VerfĂĽgung) delegiert – was sagt uns das? Das ist – noch – Spekulation.
Wie sich faschistische Bewegungen in den USA organisieren, das ist keine Spekulation mehr. Es spielt sich immer mehr öffentlich ab.Weiterlesen…

MenschenwĂĽrde ist Zweck, nicht Mittel

Die von Mariam Lau und der Zeit absichtsvoll losgetretene Debatte funktioniert wundervoll als den Liberalen und Linken zugeworfener Knochen, ĂĽber den sie sich wochenlang balgen können, während die Herrschenden – zumindest von denen ungestört – weiter ihren Geschäften nachgehen können. Dass die Rechten und Neoliberalen dennoch nicht ungestört sind, sondern durchaus ähnlich agieren, habe ich an anderer Stelle behandelt.
Das Licht ist mir aufgegangen, als ich – auf Leseempfehlung ausgerechnet der Wagenknecht/Lafontaine-Fans von den nachdenkseiten – auf die Pro-Mariam-Lau-Stellungnahme meines alten Bekannten Franz Sommerfeld stiess. FĂĽr meine eigene politische Biografie funktionierte er immer wieder als erkenntnisstiftender Reibungspunkt.Weiterlesen…

Gauland ein Faschist?

Nein, Gauland hat nicht “die Sau rausgelassen” er hat mit Berechnung ausgesprochen, was die ungeschriebene Kernaufgabe der AfD ist: Den Holocaust zu leugnen, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu verharmlosen und Antisemitismus, Rassenhass, Diskriminierung von Minderheiten aus der Ecke des gesellschaftlich Geächteten und Unsagbaren herauszuholen und wieder diskursfähig zu machen. Beispiel hierfĂĽr war der Begriff “völkisch”. Einen eindeutigen Begriff, ja geradezu das Symbol nationalsozialistischen Denkens, kann man nicht “modernisieren”, wie es Frauke Petry vorgab zu wollen. Es ging schon damals nur darum, einen nationalsozialistischen Begriff wieder in die öffentliche Sprache und politische Kultur zurĂĽck zu fĂĽhren und zu enttabuisieren und damit das Geschäft der “hardcore” Neonazis zu betreiben.

Und nun der erneute Versuch Gaulands, mit sechs Millionen industriell und systematisch vernichteter Juden sowie einen rassistischen, vom Völkermord in einmalig historischer Weise angetriebenen Krieg mit 60 Millionen Toten als “Vogelschiss” der Geschichte zu verharmlosen. Der brutalste Völkermord der Menschheitsgeschichte, das in seiner Grausamkeit in der Menschheitsgeschichte beispiellose Verbrechen der Nationalsozialisten ein “Vogelschiss” der Geschichte?  Das ist Holocaust-Leugnung in Form von Verharmlosung auf dreistestem Niveau! Dass dies nicht sofort Konsequenzen hat, ist schon erstaunlich. Es gelingt Gauland und anderen modernen Faschisten der AfD so immer wieder, Nazi-Propaganda in Ă„uĂźerungen zu verstecken, die daher kommen, wie die Feile im Kuchen fĂĽr den Knast.
Weiterlesen…

Warum klappts nicht mit der Demokratie? / Kindermissbrauch

Viele der Ă„lteren meinen heute, die Leute um sie herum wĂĽrden immer bekloppter. In frĂĽheren Jahrhunderten waren sie – im Durchschnitt – längst tot. Die, die es in ĂĽberdurchschnittliches Alter schafften, dachten das – im Durchschnitt – schon immer. Dennoch können wir – auch fĂĽr JĂĽngere verständlich – festhalten, dass sich Intensität und Tempo des menschlichen Lebens technikbedingt fortgesetzt beschleunigt. Und auch frĂĽhere Menschheitsgenerationen in frĂĽheren Jahrhunderten benötigten die eine oder andere Generation Zeit, um die Nutzung neuer Techniken zu erlernen und kulturell zu beherrschen (statt umgekehrt).Weiterlesen…

Der Blick des SPD-Mitglieds – wie weit reicht er?

Selbst den Sehbehinderten wird es gelingen: auf sich selbst zu blicken. Jahrelang den Arsch aufgerissen – fĂĽr die Partei, fĂĽr das Land, fĂĽr die Demokratie. Und was ist der Dank? Wenn es ĂĽberhaupt jemanden interessiert: Mitleid.
Der Blick auf die Partei: fĂĽr (fast) alle, die heute noch leben, war es noch nie schlimmer. Ăśberlebende von Faschismus und Krieg sind nicht mehr viele unter uns.
So von Missachtung bedacht, wie soll jemand da reagieren? Wut und Trotz sind naheliegend. Denen da oben mal mitteilen, dass es so nicht weitergeht. Was übrigens auch den meisten AfD-Wähler*inne*n ein zentrales Anliegen ist. Das macht es noch nicht falsch. Aber wohin soll es führen?
Führen? Will das SPD-Mitglied noch irgendwas führen? Ist es nicht ohnmächtig wie wir alle?

Nein, es kann jetzt Weichen stellen. Mehr als wir Anderen. Das ist Verantwortung. Hat ein SPD-Mitglied noch eine Erinnerung, was das ist?Weiterlesen…

« Ă„ltere Beiträge

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorĂ©nHoch ↑