Thema: Istanbul

Wiedemann / Schweizerhof

Von , am Freitag, 10. Mai 2019, in Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Charlotte Wiedemann sieht – ich meine zu Recht – in Algerien, Sudan und Iran einen besonderen politischen Moment. Nur wenige ihres Berufsstandes haben einen Blick dafür. Jürgen Gottschlich gehört dazu – er sieht ihn auch in der Türkei, speziell in der Weltmetropole Istanbul. Eine Stadt, in die sich jede*r verliebt, die*der schon mal dort war.
Wenn der Film “Stan&Ollie” nur annähernd so sehenswert ist, wie seine Besprechung durch Barbara Schweizerhof/taz lesenswert, dann ist er ein “Muss”.
Journalist*inn*en vom Format dieser Ladies werden die Zeitungskrise überstehen.

Erdogan verliert Istanbul / Hersh über Trump

Von , am Montag, 1. April 2019, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Istanbul ist so einwohnerstark wie NRW. Und gesellschaftspolitisch vielleicht noch wegweisender für das ganze Land. Hier war der türkische Despot zunächst Bürgermeister, bevor er sich an die Staatsspitze arbeitete. Jetzt hat seine Partei die Regierungsmacht in der Stadt endlich wieder verloren. Die Agenturen melden eine Erklärung der Wahlbehörde: Oppositionskandidat Imamoglu hat mit 4.159.650, einem Vorsprung von 28.000 Stimmen, gewonnen. Weiterlesen

Kampf um unsere Sinne

Von , am Sonntag, 31. März 2019, in Fußball, Medien, Politik.

… um Istanbul / … um den DFB / Adorno spricht zu mir
Der DLF dokumentierte heute in “Essay&Diskurs” eine Rede und ein Gespräch mit Richard Sennett, einer der lebensklügsten Soziolog*inn*en dieser Welt. Der freundliche alte Mann arbeitet an einer Erklärung, warum und wie die auf Bildsprache fixierte Digitalisierung das Dialogische der menschlichen Kommunikation killen könnte. Eine Frage, die mich gedanklich schon lange beunruhigt. Weiterlesen

München / Istanbul

Von , am Montag, 25. März 2019, in Fußball, Lesebefehle, Politik.

Kürzlich habe ich persönliche Erinnerungen an 1972 in Bonn niedergeschrieben. Nun publizierten Albrecht Goeschel und Markus Steinmetz/telepolis einen Wutausbruch über das München 1972. Es korrigiert manche meiner damaligen München-Klischees, übertreibt aber gleichzeitig seine Bedeutung. Weiterlesen

Guter Karneval / Steuerfreie USA / Erdogans Zerstörung Istanbuls / Big Data Mobilität

Von , am Samstag, 2. März 2019, in Beuel & Umland, Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

Das Gute zuerst. Henning Hübert ist ein fleissiger “freier” Radiojournalist, der seine Berichterstattungsziele meistens hier in der Kölner Bucht sucht. Heute lieferte er dem DLF eine Reportage aus dem guten und schönen Karneval. Sie da draussen im Land müssen nämlich wissen: der Karneval, der tatsächlich Spass macht, kommt gar nicht ins Fernsehen (und wenn aus Versehen doch, wird es rausgeschnitten). D. h. der bundes- und weltweite öffentliche Eindruck des rheinischen Karnevals ist eine brutal-diskriminierende Fälschung. Selbst die einzig erträgliche und mittlerweile grösste Karnevalssitzung, Weiterlesen

FAZ-Austern – eine leckere Lektüre-Mahlzeit

Von , am Donnerstag, 22. November 2018, in Genuss.

Oder umgekehrt: Mahlzeit-Lektüre
Ara Gülers Istanbul

Der Reiseteil der ansonsten überwiegend rechts-reaktionären FAZ ist ein verstecktes Reservat von tollem – noch bezahltem – Journalismus. Er ist diese Woche voller Perlen. Auf Platz 1: Orhan Pamuk. Pamuks Texte sind immer ein Festmahl für Verstand und Gefühle. In der letzten Nacht bin ich im Traum mit einem Linienbus durch die Stadt meiner Schulzeit, Gladbeck im Ruhrgebiet, gefahren. Es ging bei mir um ähnliche Gefühle und Kindheitserinnerungen, wie sie Pamuk so kenntnisreich und gefühlsecht beschreibt.
Sein Anlass: ein Nachruf auf den hierzulande kaum bekannten Istanbuler Fotografen Ara Güler. Weiterlesen

Mehr Realismus-Schule

Von , am Montag, 19. November 2018, in Lesebefehle, Politik.

Wenn die runtergefallenen Kinder im Brunnen schreien, sollen die Grosseltern sagen, wie wir sie da wieder raus kriegen. So durfte Günter Verheugen heute im DLF erklären, was die Beteiligten aller Seiten beim Brexit alles falsch gemacht haben. Die alte Schule versuchte noch die Interessen der Gegenseite zu kennen und zu verstehen. Weiterlesen

Ein System aus Willkür und Unrecht

Von , am Mittwoch, 31. Oktober 2018, in Politik.

Seit über einem Jahr sitzt der Istanbuler Philantrop Osman Kavala in Haft. Aus Deutschland bekommt er viel Unterstützung.

„Es schmerzt, zu erkennen, dass ein Staat keinen Wert auf die Freiheit der eigenen Bürger legt.“ Kein Funken Verzweiflung lag in dem Satz, den Osman Kavala seinen Freunden Mitte Oktober aus dem Gefängnis schrieb. Stattdessen gab er sich so, wie man ihn kennt: mit klarer politischer Haltung, ohne übertriebenes Aufheben von seiner Person zu machen. Grund dazu hätte er: Seit über einem Jahr sitzt der Istanbuler Ex-Unternehmer nun in demselbem Gefängnis im Haft, in dem schon Deniz Yücel und Peter Steudtner einsaßen. Weiterlesen

Erdoğans Show

Von , am Montag, 29. Oktober 2018, in Politik.

Syriengipfel in Istanbul – Assad blockiert weiter die Verfassungsreform, der Syriengipfel bleibt erfolglos. Einzig der türkische Diktator profitiert vom Vierertreffen in Istanbul.
Das gemeinsame Abschluss-Kommuniqué des Syriengipfels von Istanbul enthielt nur altbekannte Forderungen und Bekenntnisse. Der Gipfel war nicht nur ergebnislos, er kaschierte auch nur mühsam die Spannungen zwischen den vier Beteiligten.

Putin braucht von Merkel und Macron dringend Zusagen zur finanziellen Unterstützung des Wiederaufbaus in Syrien. Weiterlesen

Fahrrad in Peking / Fussball in Belgien

Von , am Samstag, 20. Oktober 2018, in Lesebefehle, Politik.

Kai Strittmatter gehört gewiss zur Elite deutscher Auslandskorrespondent*inn*en. Lange in China (1997-2005), dann lange in der Türkei (2005-2012), dann wieder in China. Alles von ihm, was zugänglich ist (d.h. online, oder wenn die SZ im Momo-Bistro zufällig mal ein paar Minuten frei ist), lese ich mit Gewinn. Besonders gut in Erinnerung habe ich diese Arte-Sendereihe über Istanbul behalten, an der er mitgearbeitet hat. Das waren noch politisch hoffnungsvollere Zeiten in der Türkei. Heute schreibt Strittmatter in der SZ über das Fahrradfahren in Peking. Weiterlesen

Menschenwürde ist Zweck, nicht Mittel

Von , am Mittwoch, 18. Juli 2018, in Politik.

Die von Mariam Lau und der Zeit absichtsvoll losgetretene Debatte funktioniert wundervoll als den Liberalen und Linken zugeworfener Knochen, über den sie sich wochenlang balgen können, während die Herrschenden – zumindest von denen ungestört – weiter ihren Geschäften nachgehen können. Dass die Rechten und Neoliberalen dennoch nicht ungestört sind, sondern durchaus ähnlich agieren, habe ich an anderer Stelle behandelt.
Das Licht ist mir aufgegangen, als ich – auf Leseempfehlung ausgerechnet der Wagenknecht/Lafontaine-Fans von den nachdenkseiten – auf die Pro-Mariam-Lau-Stellungnahme meines alten Bekannten Franz Sommerfeld stiess. Für meine eigene politische Biografie funktionierte er immer wieder als erkenntnisstiftender Reibungspunkt. Weiterlesen

Das Emanzipations-Potenzial des Fussballs

Von , am Donnerstag, 21. Juni 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Enteignet Springer!

Allein für seine Fans hätte der Iran gestern ein 1:1 gegen Ex-Weltmeister Spanien verdient gehabt. Er war auch nah dran. Defensivkünste werden von Freund*inn*en des schönen Fussballs, zu denen ich auch gehöre, allgemein unterschätzt. Aber das muss mann erst mal bringen: so eine hochkonzentrierte Leistung gegen einen den Strafraum belagernden Weltklassegegner. Während Spanien ein Glückstor schaffte, hatte am Ende der Iran die spektakuläreren Chancen, ein Abseitstor und ein Kopfball, der nur sehr knapp das Tor verfehlte.
Das Schönste aber, auch das gestehe ich hier als lüsterner Heterosexueller offen, sind die schönen iranischen Frauen. Sie nutzen die Russlandreise zum Partymachen. Das ist für Iranerinnen so subversiv, Weiterlesen

Kulturzentrum am Taksimplatz

Von , am Dienstag, 1. Mai 2018, in Politik.

Symbol der modernen Türkei – Überraschend genehmigt Erdoğan die Rekonstruktion des AKM-Zentrums am Istanbuler Taksimplatz. Islamische Symbolpolitik wird dort dennoch gemacht.

Eine große rote Kugel, die durch ein Aluminium-Gitter leuchtet. Ist das die Kuppel einer Moschee? Eine Zauberkugel aus Tausendundeiner Nacht? Oder eine osmanische Bonbonniere?

Schwer zu sagen, welche Assoziation Architekt Murat Tabanlıoğlu mit seinem Entwurf aufrufen will. Eines aber belegt er nicht: dass es mit seinem Neubau des Atatürk Kultür Merkezi an Istanbuls zentralem Taksim­platz zu dem symbolischen Ikonoklasmus kommt, den viele am Bosporus seit Langem befürchtet hatten.

Der graue Kastenbau am Ostende des Platzes, von den Istanbulern lakonisch AKM abgekürzt, gehört zu den Symbolbauten der modernen Türkei. 1967 von dem Architekten Hayati Tabanlıoğlu erbaut, brannte das Gebäude schon 1970 aus und wurde 1977 neu eröffnet. Weiterlesen

Frankfurt wählt links

Von , am Montag, 26. März 2018, in Politik.

Sie meinen jetzt vielleicht, der ist aber was spät dran. Die OB-Wahl ist doch schon ein paar Tage her. Peter Feldmann kenne ich auch, als er noch in Marburg studiert hat. Er gehörte zu den “Stamokaps“, aber nicht im SHB, sondern in den Juso-Hochschulgruppen. Hat nicht das große Wort geführt, sich eher solidarisch eingereiht. Die Mädels mochten ihn: die Haare waren noch schwarz und lockig, und im Gesicht war ein Cat-Stevens-Bart. Aber den mein ich nicht.

Ich meine Frankfurt an der Oder. Das liegt noch näher an Polen als Berlin (aber nicht viel). In den 90ern, nach der Wende war ich mal dort, auf Einladung der Brandenburger Grünen. Die optischen und atmosphärischen Eindrücke in den Städten Eisenhüttenstadt, Cottbus, Frankfurt waren schon shocking. Weiterlesen

Ohne Prinzen und Oligarchen besserer Fussball

Von , am Mittwoch, 14. März 2018, in Fußball.

Das ZDF hat sich bös in seinen Verträgen mit der Uefa verheddert. Es langweilte mit einer Gurke in Istanbul. Während des richtigen Fussballspiels in Barcelona war es schon wieder draussen. Wer sowas nicht zeigen kann, kann auch gleich komplett aussteigen. So ist es dann auch in der nächsten Saison; wir als Gebührenzahler*innen sparen einen Batzen Geld, für etwas, was wir heute schon nicht gucken konnten.

Nicht beim ZDF, aber bei Pepe in Dottendorf. Von einem komfortablen Stehplatz am Tresen bei bestem Pils und Oliven lieferte Lionel Messi einen erneuten ästhetischen Genuss davon, was Weltklassefussball sein kann. 3:0 gegen Abramowitsch’s Chelsea. Es gibt noch Gerechtigkeit im Fussball.

Bei Barca ist festzuhalten, dass es in diesem Jahr ohne Neymar stärker ist, als voriges Jahr mit ihm. Weiterlesen

Smart Cities / Niedergang von “Volksparteien” und (alten) Medien

Von , am Donnerstag, 1. März 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Bei diesem Überblick des Freitag zur Smart City-Diskussion war meine erste Reaktion: wenn das kommt, haben sie uns. Konzerne und Regimes hätten uns im Sack, mit Demokratie, wie wir sie kennen, zumindest der Chance des Mitredens und Mitbestimmens wäre dann Schluss. Das Interview mit Francesca Bria an gleicher Stelle ist der erfreuliche dialektische Gegenschuss. Eine technik- und datenschutzkompetente Italienerin wird von Barcelona – nachdem Erdogan den kulturellen Niedergang Istanbuls betreibt – der hotteste Hotspot ganz Europas, geholt, um eine demokratische Variante von Smart City zu entwickeln. Das ist, was ich politisch unter Hoffnung verstehe: Weiterlesen

Die europäische Fussball-Langeweile

Von , am Montag, 19. Februar 2018, in Fußball.

Führt an einer Europa-Liga noch ein Weg vorbei? Was elektrisiert die Masse der Fans noch, ausser Champions-League (die aber auch erst jetzt, in ihrer KO-Phase)?

Ein Überblick über die grossen und mittelgrossen europäischen Fussball-Ligen ergibt, dass ganze sechs noch interessant ist. Bei zwei Dritteln herrscht bereits das große Gähnen. Weiterlesen

Kölner Schauspiel: “Istanbul”

Von , am Montag, 12. Februar 2018, in Genuss, Politik.

Vor einigen Tagen zeigte 3sat ein “Making of” des Kölner Stückes “Die Lücke”. Der Film begleitete den Autor Nuran David Calis während des ganzen Ablaufs der Produktion. Sie handelt inhaltlich von dem NSU-Mordanschlag in der Mülheimer Keupstrasse. Der gleiche Autor war auch für das Stück “Istanbul” verantwortlich, das sich im Kern um die Lebens- und Familiengeschichte des zeitweilig auf Druck des Erdogan-Regimes in Spanien festgehaltenen und in dem Stück persönlich mitspielenden Autors Dogan Akhanli dreht. Es wird am Samstag, den 17.2. erneut aufgeführt.

Die Serie von Aufführungen in Köln, die z.Z. absolut angemessen provisorisch in alten Fabrikhallen in Köln-Mülheim gespielt werden müssen, verrät das strategische Interesse des Kölner Schauspiels, Weiterlesen

“Wir” sind im Krieg gegen Kurdistan

Von , am Montag, 22. Januar 2018, in Lesebefehle, Politik.

Ich war nie ein Freund der PKK, und habe sie in meinem politischen Leben nie als Bündnispartner*in angefasst, auch mit spitzen Fingern nicht. Intransparente Geheimorganisationen können, auch wenn Untergrundarbeit aufgrund faschistischer gesellschaftlicher Bedingungen angebracht sein kann, nicht demokratisch organisieren. Es entstehen immer militarisierte Kommandostrukturen. In der Not des Widerstandes eine erzwungene Option, kann es niemals eine strategische Option für gesellschaftliche Konflikte in Friedenszeiten sein. Wohl aber für die Aufrechterhaltung mafiöser Geschäfts- und Herrschaftsmodelle.

Die PKK war darum vermutlich eine grausame Sackgasse für die Mehrheit der Kurdinnen und Kurden. Die politische und gesellschaftliche Öffnung der HDP in der Türkei dagegen wurde schnurstracks zur grössten Gefahr für die Herrschaft Erdogans. Weiterlesen

Erdogan/AKP-Regime: jetzt gehts gegen die Kunst

Von , am Mittwoch, 17. Januar 2018, in Genuss, Politik.

von Ingo Arend
Mit der Verhaftung des Kunstmäzens Osman Kavala ist nun auch die liberale Kunstszene in der Türkei im Visier.

Ein feuerroter Drache, der einen Phönix küsst, türkisfarbene Pfauen schweben neben Regenbogenschlangen, friedlich umschwirren sich blaue Fische, ein gefleckter Panther und ein grün schillerndes Krokodil. Immer wieder bleiben Passanten dieser Tage auf Istanbuls Einkaufsmeile İstiklâl Caddesi staunend vor dem kunterbunten Zoo aus Stofftieren stehen, der im Erdgeschoss des Kunsthauses Arter aufgebaut ist.

„Animal Kingdom“ hat die türkische Künstlerin Canan die farbenfrohe Installation genannt, die in ihre Schau „Behind Mount Qaf“ einlädt. Vielleicht ist es die Aussicht auf die Idylle, die so viele Besucher in das private Museum lockt. Der Berg aus der persischen Mythologie gilt als Ursprung der Erde, der nur nach langer, beschwerlicher Reise zu erreichen ist. In der Jetztzeit der türkischen Diktatur wird er plötzlich zum Symbol für den Weg vorwärts, aller Verzweiflung zum Trotz.

Denn weiter entfernt von einer Welt, in der Löwen zu Lämmern werden, könnte die Türkei derzeit kaum sein. Weiterlesen