Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Westfalen

Närrisch

Von GĂĽnter Bannas
Die Närrinnen und Narren seien „fĂĽr unsere Demokratie und unser Gemeinwesen unentbehrlich“, hat Angela Merkel Anfang des Jahres gesagt, als die Abordnungen deutscher Karnevalsvereine bei ihr zu Gast im Kanzleramt waren. Bei nämlicher Gelegenheit im Jahr zuvor verwandte sie die Formel, die Karnevalisten stĂĽnden zwar nicht in der Verfassung, seien aber „in guter Verfassung“. Nun aber, in Coronazeiten, geht es darum, den Karneval 2020/21 abzusagen – heiĂźt, zu verbieten. Dass die Debatte vom aus Westfalen stammenden Jens Spahn losgetreten wurde, hat aus Sicht des RheinlandsWeiterlesen…

“Erlernte Hilflosigkeit”

2013 muss in der Redaktion der “Zeit” eine Granate eingeschlagen haben, und zwar in den Fluren, in denen ihre “Atlantiker” sitzen. Selbst mit teuersten Medienanwälten konnten sie sich dieser empirisch gesättigten Studie des Kommunikationswissenschaftlers und Medienkritikers Uwe KrĂĽger aus Leipzig nicht erwehren. So einen Hammer hat KrĂĽger jetzt nicht rausgehauen. Sondern “nur” einen Kommentar zur vorherrschenden deutschen Corona-Berichterstattung fĂĽr die Frankfurter Hefte geschrieben. Ich schliesse mich seiner Sicht an.
Zu den Tiefenwirkungen der Coronakrise hatte die Jungle World der Vorwoche einen wichtigen Schwerpunkt:Weiterlesen…

Westfälischer Feudalismus am Ende

Oder “nur” der Rassismus? – Ein Fenster der Gelegenheit fĂĽr Fortschritt
Clemens Tönnies ist nicht zu beneiden. Nicht nur, weil bekennende Rassisten nicht zu beneiden, sondern nur zu bekämpfen sind. Normalmenschlich ist der Existenzkampf, in den er sich selbst manövriert hat, nicht durchzuhalten, und schon gar nicht zu gewinnen. Gut so. Die Postcorona-Verteilungskämpfe werden so hart, dass sie nicht nur den Klassenkampf von oben, sondern auch die klasseninternen Ressourcenkämpfe so verschärfen, dass sie eine Figur wie Tönnies als SĂĽndenbock ausstellen “mĂĽssen”, so eine Art Amthor im XXL-Format.Weiterlesen…

Siebeck-Nacht

Es gab eine Zeit, in der im Journalismus Milch und Honig flossen. In Hamburg, bei den Todfeinden von Helmut Kohl. Liberale Illustrierte verkauften sich wie geschnitten Brot, sogar BĂĽcher. Buchverlage wurden zum Mythos hochsterilisiert. In jener Zeit machte sich ein Missionar auf, die ausgehungerten und kriegstraumatsierten von evangelischen Sekten in den Schwitzkasten genommenen Westdeutschen von den Vorteilen guten statt schlechten Essens und Trinkens zu ĂĽberzeugen. Dieser Missionar hiess Wolfram Siebeck. Und fĂĽr den Himmel hielt er Frankreich.
Das fĂĽhrte z.B. zu seinem anfänglichen Irrtum,Weiterlesen…

“Systemrelevanz”? – Feudalismus heute

mit Update abends
Zuerst die gute Nachricht. Gegen den Feudalismus im Kulturbetrieb wird gearbeitet, hart gearbeitet. Zu verdanken ist das in erster Linie der #metoo-Bewegung. Jenni Zylka/taz ist mir vor einigen Jahren als Mitarbeiterin des “Häuptling Eigener Herd” positiv aufgefallen, berichtet ĂĽber den Evaluationsbericht der Beratungsstelle Themis. Sie fördert endlich zutage,Weiterlesen…

Dritte Liga zu teuer

Kann sich der angeblich “finanzkräftigste Oberligist in ganz Deutschland” (Stand dieser Erkenntnis des Trainers von Eintracht Rhynern, das liegt an der Autobahn hinter Hamm: 2014) die Dritte Liga nicht leisten? Will er jedenfalls nicht. 49% des TabellenfĂĽhrers der Regionalliga West SV Rödinghausen gehören der Sportmarketing am Wiehen GmbH & Co. KG. Die wiederum gehört der H. Finkemeier Verwaltungs-Gesellschaft mbH. Ich vermute mal, da gehts fĂĽr irgendjemand ums Steuernsparen.
Diese Geldgeber haben dem SV-Rödinghausen 2011 ein Stadion fĂĽr 3.000 Zuschauer*innen hingestellt.Weiterlesen…

BVB spielt die falsche Liga

Hier wĂĽrde der BVB gerne mitspielen. Bemerkenswert, wie sich dort US-amerikanisches und chinesisches Anlagekapital ganz friedlich verbindet. Die Hybris der Fussballkonzernvorstände in Deutschland ist unbegrenzt, insbesondere bei denen westfälischer Herkunft. Es macht sie ganz geil, mit US-amerikanischen und chinesischen Milliardären und feudalistischen Betreibern arabischer Frauengefängnisse auf den gleichen Events der Fussballmafiaorganisationen Uefa (zu dieser hier eine Analyse vom Stellvertreter des Fussballgottes auf Erden, Tom Theunissen) und Fifa parlieren zu dĂĽrfen. Der Fussball, und die, die ihn lieben, gerät dabei in die Rolle eines Instruments, eines Mittels zu diesem Zweck – und die Fans zu atmosphärischer Petersilie.Weiterlesen…

Ungefährlicher als Düsseldorf: Gelsenkirchen

Ein Berliner Radiosender versucht sich an der Stadt, in der es sich leut ZDF/Prognos am schlechtesten lebt – Platz 401 von 401
DLF-Kultur kĂĽndigte in seiner heutigen Folge der Reihe “Deutschlandrundfahrt” einen einstĂĽndigen Beitrag zu Gelsenkirchen an. Oje, dachte ich: schon wieder ein Berliner Medium, das eine Safari-Expedition ins exotische Ruhrgebiet ausgesandt hat. So schlimm ist es nicht geworden. Sogar gut.Weiterlesen…

Wieviel Region braucht der Mensch?

Das ist zunächst eine philosophische Frage, die mit der Identitätsfindung und mit dem inflationsmäßig verwendeten Heimat-Begriff korrespondiert. Ganz paraktisch wird es, wenn man sich Deutschland ansieht und dabei politische Strukturen erkennt, die Regionen wirtschaftspolitisch im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig machen sollen. So wird z.B. das Rheinland und die Region Köln-Bonn gezielt als polyzentrischer Raum vermarktet. Dabei gilt es kulturelle Barrieren und Abgrenzungen zum Ruhrgebiet und zu Westfalen zu ĂĽberwinden.Weiterlesen…

Macht ĂĽber Europa, entschieden in: Deutschland

Die gegenwärtige, demnächst “geschäftsfĂĽhrende” Bundesregierung trägt einen erbarmungslosen europäischen Machtkampf in den eigenen Reihen aus, kaum noch verdeckt. Letzteres ist dem Noch-Aussenminister Gabriel zu verdanken, der sich nicht nur intern, sondern offensiv sichtbar gegen Finanzminister Schäuble positioniert. Der wiederum schnell vor Bildung einer ungewissen neuen Koalition entscheidende Pflöcke fĂĽr das austeritätsfixierte deutsche GroĂźkapital einrammen will. Aktuelle Analysen dazu von Svenja Glaser beim Oxiblog und von Steffen Vogel in den Blättern.

Ein Wetterleuchten, wie es auch hierzulande desaströs weitergehen könnte, droht heute in Österreich. Manche meinen ja, wir wären die meisten reaktionären Probleme los, wenn wir Bayern an Österreich verschenken würden. Aber wohin mit Baden-Württemberg? Wohin mit den Ossis? Müssen wir dann nicht eher NRW für unabhängig erklären? Aber wohin dann mit den Westfalen? Und ist nicht auch das Rheinland mental geteilt, durch den breiten Fluss in seiner Mitte?
Die Probleme der “andern” sind schon längst hier. Die Jungle World beschreibt z.B. die Spaltung der österreichischen GrĂĽnen durch Peter Pilz. Bei den GrĂĽnen im Rhein-Sieg-Kreis ist es längst schon ähnlich: in jedem Ort, der sich dort fĂĽr eine Stadt hält, gibt es schon mindestens zwei “grĂĽne” GrĂĽppchen, und auch hier in Bonn gibt es in deren Ratsfraktion kaum noch ernsthafte BemĂĽhungen den Laden zusammenzuhalten.
Die FAS berichtet heute über den Immobilienkapitalismus im idyllischen Voralpenland. Und gerade am Mittwoch sprach ich mit Freund*inn*en über das gleiche Thema hier im idyllischen Bonn. Alles schon hier, im Voralpenland von Köln, nicht mehr abspaltbar.
Der oben schon erwähnte Herr Schäuble kämpft darum, dass das nicht besser wird, sondern weitergeht. Nach einem “Monitor”-Bericht kämpft er in der EU darum, dass die deutsche Immobilienwirtschaft ein Paradies fĂĽr Geldwäsche bleibt.

Dass es auch anders geht, zeigt ausgerechnet Italien. Dort, auf Sardinien, haben sie eine Villa des katarischen Präsidenten von PSG aufgrund seiner – mutmasslich – kriminellen Machenschaften in Fussballbusiness erst mal beschlagnahmt. Geht doch.

Sky für 50 €/Monat oder: der Kampf um die informationelle Weltherrschaft

Heute flatterte mir ein Telekomprospekt ins Haus: Sky 3 Monate umsonst, dann 9 Monate fĂĽr 25€/Monat, danach 51€/Monat, mit FuĂźnote Nr. 6 im Kleingedruckten. Der Umbruch dieses Kleingedruckten zieht sich ĂĽber 10 Seiten. Und ist fĂĽr mich als Sehbehinderten nicht lesbar. Darum ist es im Kern auch keine Werbung, sondern Altpapier. Ich gehe zum Sky-Gucken in die Kneipe – mein Gastwirt lässt sich von dem Sender aussaugen, ich reiche ihm meine Biertrinkerhand zu seiner Rettung. Wie lange das gutgeht ist ungewiss.
Denn es handelt sich um eine Art Weltkrieg der hier ausgetragen wird.Weiterlesen…

Franscheiss-Epidemie erreicht Beuel

Um es vorwegzuschicken: hier soll nicht die Produkt- oder Dienstleistungsqualität neuer Franchise-Unternehmen kritisiert werden. Es geht um systemische Machtverhältnisse, die nicht einzelnen Unternehmern in die Schuhe geschoben werden können. Das eigentliche Problem ist der Immobilien-“markt”. In Ballungsräumen wie Bonn und Subzentren wie Beuel bläst sich die Immobilienblase immer weiter auf, lässt Kauf- und Mietpreise explodieren und lockt immer mehr – reichlich vorhandenes – Geld/Kapital an.
So ist es auch in Beuel geschehen mit dem Neubau neben dem Rathaus.Weiterlesen…

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