Waffenliefern oder “Nichtstun” – die Schwachsinnsalternative der Rüstungslobby

Von , am Sonntag, 17. August 2014, in Politik.

Über welche Weltregionen bekommen wir in Deutschland bequem Nachrichten? Zur Zeit sind es die Ukraine und der Nahe Osten, sowie Westafrika. Das restliche Asien existiert derzeit nicht; Afrika kann froh sein, dass wir überhaupt einen Teil beachten, Amerika geht nur die USA was an, Pazifik ist nur die Rückseite, alles Wasser, was soll da schon sein? Das sagt absolut nichts über die Wirklichkeit der Welt, sondern nur darüber, wo deutsche Massenmedien derzeit Personal und Infrastruktur investieren, um uns mit Bildern und Botschaften zu versorgen.

Warum tun sie es an den erwähnten Stellen? Weil es wichtige Teile der hierzulande herrschenden Politik und Wirtschaft so wünschen. Denn diese beherrschen die deutschen Massenmedien: Anzeigenkunden ernähren die privaten Großverlage und Privatsender, Politiker die öffentlich-rechtlichen Medien. Was sind nun die Interessen der Herrschenden in Politik und Wirtschaft?

Die Mehrheit unter ihnen verfolgt derzeit das Prinzip der Exportweltmeisterschaft. In Europa ist es bereits gelungen, schwächere Konkurrenz in die Pleite (Griechenland, Portugal, Spanien, Irland) bzw. kurz davor (Italien, Frankreich) zu treiben. Die Konkurrenten in der ersten Liga sind die USA und China. Mit ihnen kämpfen nicht “wir”, sondern unsere großen Kapitaleigner und ihre Interessenvertreter in der Politik, um ökonomische Expansion und politischen Einfluss. Wer dabei zurückbleibt, gerät in Abstiegsgefahr und kann mit europäisch-deutscher Solidarität nicht rechnen. Und wissen Sie, wer das u.a. klar erkannt hat? Wladimir Putin! Aber das nur am Rande.

Der deutsche Kampf um Marktanteile der Rüstungsindustrie wird nicht gegen russische Separatisten in der Ukraine oder islamische Terroristen im Irak und Syrien geführt. Sondern gegen die USA, Großbritannien, Frankreich und China. Alle sind nicht nur an den Marktanteilen des Waffenmarktes interessiert, sondern auch an Rohstoff- und Infrastrukturressourcen, an demoralisiert-billigen Arbeitskräften, an grenzüberschreitenden Netzwerken. Dort wo Staaten zusammenbrechen, also zufälllig gerade in der Ukraine, in Syrien, im Irak und im subsaharischen Westafrika, ensteht jeweils ein ökonomisches und politisches Machtvakuum. Dorthin drängt nicht nur “unsere” zu Recht verteufelte Rüstungsindustrie, sondern auch Banken, Rohstoffkonglomerate und menschenversuchsfreudige Pharmaindustrien.

“Wir” sollen endlich aufhören darüber zu lästern. Man will uns zurück in die Zeit beamen als die Welt noch schwarz-weiss dargestellt wurde, als es noch Gut und Böse gab. Das gute Unsere ist uns kaum noch zu vermitteln, aber wir wissen noch zu wenig über die Verschiedenheit der Welt, über die Grausamkeiten des Alltags andernorts, dass es gelingen kann unsere Fantasie mit besonders bösem unbekanntem Bösen zu beleben. Je saturierter es bei uns selbst zugeht, umso besser kann das funktionieren, Kontrollverlust und Angst, das könnte klappen. Denn insgeheim wissen wir, dass unser Lebensstil nicht globalisierbar ist.

Sicher ist das kein Grund, archaisch massenmordende Terroristen gewähren zu lassen, auch wenn sie “nur” ihre geografisch nächstgelegenen Nachbarn, Brüder und Schwestern umbringen und von uns ferngehalten werden. Nur, warum werden diese Terrororganisationen immer wieder planmässig durch die Politik unserer Regierungen und ihrer angeblichen Verbündeten und ihrer “Wertegemeinschaft” planmässig erzeugt (Afghanistan, Pakistan, Jemen, Syrien, Libanon, Irak, Libyen, Mali, Niger, Somalia)? Warum horcht und spioniert sich diese Wertegemeiinschaft gegenseitig komplett aus? Antwort: weil sie in diesen Kriegen nicht gegen das bei uns imaginierte Böse kämpfen, sondern gegeneinander.

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