Als ich Charlotte Wiedemann das erste Mal sah, trug sie einen weißen Bademantel. Sie kam gerade aus der Dusche, während ich mit einem ihrer damaligen Wohngenossen in Beuel, der für MdB Thomas Ebermann arbeitete, über Strategien für einen Atomwaffenverzicht im Grundgesetz diskutierte. Darüber ist die Geschichte leider hinweggegangen. Wiedemann dagegen gelang und gelingt es kontinuierlich, die Räder der Geschichte aus einer anderen als der borniert-deutschen Weiße-Männer-Perspektive zu beleuchten. Nun ja, nachdem sie für “Die Woche” unter der Leitung von Bissinger und Jörges arbeiten musste, kann ich mir vorstellen, was für ein starkes Bedürfnis da gewachsen ist. Sie ist danach im Sinne des Wortes weitgereist und lässt uns daran teilhaben, weil sie sehr viel darüber schreibt. Und das tut sie überragend gut, heute z.B. in der taz.

Die andere, die ich schon lange verehre, ich habe sogar ihre E-Mail-Adresse und trau mich nicht sie zu benutzen, ist Silke Burmester. Eigentlich finde ich die taz mehrheitlich langweilig. Aber man kann sie ja von hinten lesen. Und mittwochs freue ich mich immer auf sie, weil Burmester drin ist, immer gehässig, aber nie unfair, weil die sehr humorhaltigen Gehässigkeiten immer gegen Arschlöcher, meistens solche die irgendwas mit Medien machen, gerichtet sind. Burmester gesehen habe ich, das ist natürlich ein scharfer Kontrast zu Wiedemann, das erste Mal bei Lanz, etwas maulfaul rumsitzend, weil ihr irgendein läufiger Sitznachbar beständig das Rederecht abnahm. Unvergessen ihr Vorschlag bei der begnadeten aber leider eingestellten Talkshow Roche/Böhmermann, als die beiden mal wieder bemerkten, wie hoffnungslos ihre Gesprächsführung in der Sackgasse gelandet war: “Fangen wir noch mal von vorne an? Ich hab Zeit.”

Medienmilliardäre und Senderchefs, was könntet Ihr Geld sparen, wenn solche Frauen überhaupt nur bereit wären, für Euren Laden zu arbeiten. Aber wie sagte Thanner zu Schimanski: “Du stolperst noch mal über Deinen Schwanz.”