Welches politische Talent den Grünen mit der zukünftigen Ruheständlerin Bärbel Höhn verlorengeht, hat sie heute noch mal eindrucksvoll demonstriert. Der DLF interviewte sie zum Korea-Konflikt. Ich wusste offengestanden gar nicht, dass sie sich in der deutsch-koreanischen Parlamentarier engagiert hat. Das verrät aber schon ein verborgenes Talent: sie geht nicht mit allem, was sie tut, auf den öffentlichen Markt, um sich wichtigzutun. Sie hat das Format darauf verzichten zu können.

Das ist eine seltene Politiker*innen*eigenschaft, die aber im aussenpolitischen und diplomatischen Geschäft unerlässlich ist, wenn man nicht nur für sich selbst wirksam werden will. Höhn kann nicht nur komplexe Sachverhalte, wie in diesem Interview, in einer allen verständlichen Sprache vermitteln. Sie ist auch gut beratbar, sie ist neugierig, sie will auch mit wachsendem Alter und Erfahrung noch dazulernen. Bei politischen Konflikten vermeidet sie Teilnahmen an – oft männerdominierter – Rudelbildung. Sie steckt auch mal zurück, wenn sie am Schluss die sein kann, die zuletzt lacht. Darüber kann der Godesberger Wolfgang Clement sicher Auskunft geben; Rau und Möllemann sind ja schon tot.

Persönlich schätze ich an ihr besonders, dass sie auch unter politischen “Freund*inn*en”, unter denen besonders viel gelogen wird, dass offene, ehrliche Wort pflegte, sich auch vor dem Überbringen schlechter Nachrichten nicht scheute. Im entsprechenden Moment löst das keine Freude aus, im Rückblick erweist es sich aber als echter Freundschaftsdienst. Bärbel Höhn hat für dieses Land und für ihre Partei viel geleistet, mehr als einige, die es auf zahlreichere Erwähnungen in Geschichtsbüchern bringen werden. Darum wünsche ich ihr aufrichtig einen genussreichen Ruhestand bei guter Gesundheit.