Teammaschine schlägt Kampfmaschine

Von , am Montag, 3. Juli 2017, in Fußball.

Respekt vor dem Gegner ist eine Tugend, die, nunja, nicht typisch deutsch ist. Chile, verdienter Gewinner der Copa America 2016, hat sich den verdient. Mit gerade einmal einem internationalen Star, Alexis Sanchez, und dem auffälligen Testosteronbomber und besoffenen Ferraricrasher Vidal im Aufgebot, der wegen Verletzung nur zeitweise mitspielen konnte, schlugen die Chilenen das stargespickte Argentinien (Messi, di Maria, Higuain u.v.m.) knapp aber verdient. Bei dieser Auseinandersetzung zeigte sich wie so oft, dass eine ausgeprägte Hierarchie der Stars, in Argentinien, wie nach Guardiola auch bei Barca, mit der absoluten Herrschaft des Messiclans, sich im Endergebnis negativ auf die komplette Mannschaftsleistung auswirkt. Wenn im Weltspitzenfussball die Kleinigkeiten entscheiden können, ist das keine Kleinigkeit mehr.

So auch gestern Abend. Die DFB-Elf war absolut optimal und cool auf die kämpferisch aggressive chilenische Spielweise eingestellt. Im letzten Viertel des Spiels stolperte der Gegner über seine eigene überdrehte Mentalität, verlor sich in platzverweiswürdigen Tätlichkeiten und dabei seine eigene fussballerische Linie. Die deutschen Herren gaben nicht das Opferlamm und hielten dagegen, waren nah dran, sich im Niveau herunterprovozieren zu lassen – bis zu einem Platzsturm von Löw persönlich. Es war alles sehr, sehr knapp.
Über den DFB habe ich in diesem Blog bisher noch nichts Lobendes geschrieben, fange also jetzt mal damit an. Es war der Unsympath Mayer-Vorfelder (oder Meyer-?), der die Idee für den Bundestrainer Klinsmann hatte. Der brachte als Fussballlehrer Jogi Löw mit. Und der hat, zunächst als Managerlehrling und Fussballpraktiker, das eigentliche Werk geschaffen und vollendet. Das besteht darin, mit immer weniger zur Verfügung stehender Zeit des Zusammenseins in kürzester Zeit aus blutjungen, hochtalentierten Abiturienten und Neumillionären Teams zu bilden, die im modernen kapitaldominierten Weltfussball kaum und selten zu schlagen sind. Was dort unter Bierhoffs Marketinglabel “Die Mannschaft” installiert wurde, ist eine ausgefeilte Logistik von mehreren Dutzend jugendlichen Performern, die von der Chance in Sichtweite, ultrareich und -berühmt zu werden, nicht so geblendet werden, dass sie sich zu egomanischen Monstern entwickeln, sondern zu halbwegs sympathischen Teamplayern, die für einen übersichtlichen Zeitraum bereit sind, Solidarität zu entwickeln und öffentlichkeitswirksam auf der TV-Bühne Stadionrasen aufzuführen. Und das so effizient, wie es mit einem auf hochwissenschaftlichem und medientechnologischen Niveau arbeitenden Stab im Hintergrund möglich ist.
An Geld scheitert da jedenfalls nichts, das meiste ist von ihm, und der hat genug davon. Und es wird, typisch deutsch, kaufmännisch effizient investiert.

In alldem ist die deutsche Fussballnationalmannschaft der Herren ein repräsentatives Abbild Merkel-Deutschlands und der in dieser Republik aufwachsenden bürgerlichen Jugend. Proletarische Kinder setzen sch im Fussball mittlerweile so selten durch, wie in der Schule.
Um die fussballerischen Vorbereitungen für die Wohlfühlstimmung zum kommenden Merkel-Wahlsieg perfekt zu machen, müssen nun noch die Frauen unter der schwarzen Bundestrainerin Steffi Jones nachziehen: bei der EM in den Niederlanden, ab Mitte Juli, Finale ist am 6.8.

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