Politische Ökonomie unseres Schnitzels – das bot vorgestern ein Film von Jens Niehuss auf Arte. Er verzichtete wohltuend auf Ekelbilder der real existierenden TierquĂ€lerei. Die HintergrĂŒnde und Ursachen sind ekelig genug. Es verhĂ€lt sich bei den Schweinen, wie in der gesamten Landwirtschaft, und wie in der gesamten Volkswirtschaft in Europa und global.

Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Saldo-Importeur zum aggressiven Exporteur von Schweinefleisch gewandelt. Durch Industrialisierung und Technisierung der Produktion, durch Externalisierung der Umweltkosten zugunsten der Fabriken und zulasten von uns (GĂŒlle, Grundwasser!) und, wo sich die Nutzung von menschlicher Arbeitskraft immer noch nicht vermeiden lĂ€sst, durch Sklavenarbeit. FĂŒhrend in dieser Branche: S04-PrĂ€sident Tönnies, einer der wenigen ĂŒbriggebliebenen Massentierhaltungsgrossschlachter. Gross werden diese nunja, ich wĂŒrde meinen, Gangster, dadurch, dass die harte Arbeit in ihren Betrieben an Subunternehmen weitergeben, und die beschĂ€ftigen rumĂ€nische Sklaven, die noch nicht wissen, dass es Gewerkschaften, Arbeitnehmer- und Mieterrechte gibt. Der Massenschlachter selbst weiss davon natĂŒrlich nichts, jedenfalls nicht beweisbar.

Tönnies hat S04 an Gazprom verkauft, weil er mit seinen Monsterfabriken ganz Osteuropa erobern will.
Nicht Nebeneffekt sondern Zweck dieses Geschehens ist, dass die deutsche Agroindustrie auf diese Weise nicht nur Landwirtschaften wie in RumĂ€nien, sondern auch in Frankreich niederkonkurriert. Tönnies-Freund Putin ist gewiss beeindruckt von dieser Art ProduktivitĂ€tssteigerung. Das ist es, was Deutschland bei seinen Freunden in der EU so “beliebt” macht. Und in entsprechendem Zustand ist sie ja auch.

Gerhard Schröder kommt ĂŒbrigens in dem Film nicht vor, bzw. nur einmal positiv. Weil es Horst Seehofer also quasi der Chef selbst war, der von 2005 bis 2008 der schlimmen tierschĂŒtzerischen Politik der von Schröder ernannten Landwirtschaftsministerin KĂŒnast ein Ende bereitete, und den Weg freimachte fĂŒr die EroberungsgelĂŒste “unserer” Agroindustrie.

Auch, wenn sie schon gewÀhlt haben: unbedingt ansehen, nur bis Dienstag 12.9. in der Arte-Mediathek.
Und dann anders essen.