Alljährlich gibt es zwischen Köln und Berlin einen Wettbewerb bei den um eine Woche versetzt veranstalteten Christopher Street Days. Wer schafft mehr hunderttausend als die andere? Heute waren sie im DFB-Achtelfinale, Fußball der Herren, gegeneinander gelost, und ich kann nicht glauben, zumal es ein Fakenews-Sender des Rupert Murdoch ausstrahlte, was ich gesehen habe.
Witzig, dass in beiden Städten die Vereine Stadiondiskussionen vom Zaun gebrochen haben. Heute, als sie aufeinandertrafen, war das Berliner Olympiastadion zu weit über der Hälfte gähnend leer, wohlweislich von Stadionregie und TV-Sender nicht ausgeleuchtet. Warum neues Stadion, wenn die keiner sehen will? Sportlich grundlos, aber viel politische Hybris im Spiel.
Doch zu dem Spiel, das ich gesehen habe.
Da waren Kölner Spieler, die nicht, wie Sonntag gegen Werder Bremen, einen Meter vor dem gegnerischen Tor ein selbiges mit ganzer Dilettanten-Kraft verhinderten, sondern sie machten es. Ein Grobmotoriker wie Abwehrhüne Maroh, der heisst schon so, betätigte sich, beim 2:0 sogar als virtuoser Ballstreichler. Es gab auch die üblichen Slapstickszenen, in denen Kölner Spieler wie üblich über die eigenen Beine stolperten (Sörensen), oder “hundertprozentige” künstlerisch wertvoll vergaben oder an den Pfosten setzten (2 x Zoller), also FC, wie wir ihn kennen, aber dann stand sogar einmal ein Mitspieler da, der ihn abstauben konnte (3:0).
Und als die Berliner Deppen auf 1:3 verkürzten, brach der FC nicht zusammen, sondern kickte alles sicher nachhause.
Gut ich weiss, das kann nicht sein, da war was in meinen drei Pils. Oder in den Chicken Wings.
Aber wenn es doch stimmt, möchte ich diesen Gegner bitte zugelost bekommen, für meine Borussia, Heimspiel oder zuhause egal.

Update 26.10.: Karlheinz aus Lippstadt meinte gestern in der ARD, dort hätten wir einen “Sriller” gesehen, und irgendein Schland könne “stolz sein auf diese Mannschaften”. Er meinte die Milliardärsangestellten, denen die ARD von unserem Geld noch ein paar Millionen dazugibt. Stolz darauf, dass uns der Fußball von denen enteignet wird?
Im Schlussteil des Srillers waren die Kinder, die heute um 7/8 Uhr in die Schule mussten, schon im Bett.
In Regensburg war das Stadion gähnend leer.
In Wolfsburg – “Niedersachsenderby”! – auch, gut, die haben da andere Sorgen, und die Lokführer vergessen immer anzuhalten. Die Gästefans aus Hannover sind im Krieg mit der Vereinsführung, wg. Enteignung s.o., und verlieren die Lust zu Auswärtsreisen.
In Bremen, wo immerhin eine laut Bundesligatabelle Spitzenmannschaft aus der Nähe von Sinsheim zu Gast war, blieb nicht nur der Platz von Stadionsprecher Arnd Zeigler (der musste zum Fernsehen, Sportschau-Club – “jetzt mal unter uns, um diese Zeit guckt ja keiner mehr zu”), sondern auch jede Menge Zuschauerplätze frei.
Voll wars in Leipzig und Düsseldorf, also da, wo die ja sonst nichts haben, bzw. wo ein attraktiver Gegner angereist war.
Als Karlheinz gestern im Profil gezeigt wurde dachte ich, verdammt, der gewinnt immer mehr Ähnlichkeit mit Beckenbauer. War der Schmuggel einer Rolex-Uhr nur der Anfang? Ob er auch so endet?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net