Nein, nicht was Sie jetzt denken; keine Tourist*inn*enmassen, die wir ja freundlich begrüssen, auch kein Militär. “Der Chinese” macht das mit der Wirtschaft, in Bonn könnten es Fahrräder sein, viele, zu viele Fahrräder. Er sieht, dass wir bei der Modernisierung lahmarschig sind (s. Autoindustrie), und dass er uns selbst bei der Eisenbahn schon überrundet hat. Die Netze in Afrika und Lateinamerika baut er auf eigene Kosten, und lässt sich das anschliessend sehr, sehr lange zurückzahlen. Ähnlich angelegt die “One Belt – One Road“-Initiative (“Neue Seidenstrasse”), bei der unbedingt die ganze Welt (ausser “America first”) dabei sein will. Im Kern ist sie ein infrastruktureller Grossangriff auf alle, die ihre eigene Infrastruktur dem “Markt” über- und damit haben vergammeln lassen. Also wir. Lange war “der Chinese” bei uns dafür bekannt, dass er immer Fahrrad fährt, aus Armut, weil er sich Autos nicht leisten kann. Ja ist lange her, aber ich war schon auf der Welt. Jetzt baut er Elektroautos und baut auch wieder Fahrradspuren auf die Strasse, damit das Atmen weniger gefährlich wird.

Bei seinen zahlreichen Europareisen hat er gemerkt, dass wir etwas langsam geworden sind. Kopieren ist hier sogar verboten, während es in China eine hochangesehene Kunstform ist. Mancher Chinese hat mittlerweile so irre viel Geld, dass er nicht mehr weiss wohin damit. Er guckt also auf der ganzen Welt, ob andere zu langsam im Denken sind, und wählt das als Marktlücke zur Anlage und zur weiteren ungebremsten Vermehrung seines Geldes.

So könnte es bei uns in Bonn jetzt z.B. mit dem Fahrradverleihsystem kommen. Selbst einheimische Mobilitätsforscher*innen haben herausgefunden, dass die Verkehrsmittel immer weniger mit Gefühlen aufgeladen werden (mein Auto, mein Fahrrad usw.), sondern der Zweck von A nach B zu kommen erfüllt werden soll, und zwar ohne, dass es meine Nerven zerfetzt (Stau, Umsteigestress etc.) und meine Gesundheit angreift (lange Pendelzeiten). Was der Chinese aufgrund seiner Marxismus-Schulung schneller begriffen hat als wir Westliberalen ist, dass auch das Eigentum kein Zweck sondern ein Mittel ist. Ich muss mein Verkehrsmittel nicht besitzen, es genügt, es immer und überall benutzen zu können. Warum das mit so einem billigen Ding wie dem Fahrrad bei uns in Bonn immer noch nicht angeboten wird, wird, wenn er das kleine Bonn erst entdeckt hat, ein grosses Rätsel für ihn sein.

Es wird danach keine Woche mehr dauern, dann hat er unsere Stadt mit Billig-Rädern so vollgestellt, dass wir sie gar nicht alle fahren können. Die SZ berichtete über das Geschehen in anderen, wichtigeren deutschen Städten, sachkundig kommentiert von der Ex-Bonnerin Marion Jungbluth, die den Bereich “Mobilität und Reisen” bei der Verbraucherzentrale in Berlin betreut.
Eine spannende Frage wird sein, was unsere Stadtverwaltung, unsere Stadtwerke und unsere Kommmunalpolitiker*innen wohl tun werden, wenn es auch bei uns so weit ist. Mein Tipp: sie werden nach der Bundesregierung rufen, dass sie das alles stoppen und verbieten soll. Wird die aber nicht tun (können), weil China bald unser grösster Handelspartner sein wird, die Existenz unserer Autoindustrie jetzt schon vom dortigen Wohlwollen abhängt, und wir darum “gute Beziehungen” brauchen und die nicht für irgendwelche Bürgermeister gefährden können.
Der Streit, wer unser Bonner Fahrradverleihsystem finanzieren soll, der schon über 10, gefühlt über 100 Jahre, dauert, erübrigt sich dann. Denn das Geschäft läuft nicht über die Fahrräder, die kosten ja fast nichts, sondern die Daten, deren Anhäufung immer wertvoller wird. Und wenn sie erst in China sind, werden sie von deutschem Datenschutz nicht mehr behindert, vom europäischen sowieso nicht, der ist noch so wenig fertig, wie das Bonner Fahrradverleihsystem, und wird es auch nicht werden, wg. der “guten Beziehungen” s.o.. China (wie Indien) weiss, warum sie Facebook und Google nicht reinlassen. Wenn man damit so monsterreich werden kann, machen sie es lieber selbst. Und wenn die Langnasen irgendwas nicht können oder begreifen, sagt es Dankeschön und bietet es uns grosszügig zur Nutzung an. So kann es die ganze Welt erobern, ohne Leute totzuschiessen. Woher haben die bloss diese Intelligenz?

Schade eigentlich. Ein Fahrradverleihsystem mit guter Pflege, gutem Service und Schutz meiner Daten, hätte mir die 41 Jahre, die ich jetzt in Bonn wohne, das Leben in dieser Stadt stark erleichtern können. Aber mann wächst ja an den Anforderungen.

Gerne hätte ich zu diesem Text Verlinkungen auf Seiten der Stadt Bonn vorgenommen. Leider war die Homepage heute (31.10.) nicht erreichbar, klar bundesweiter Feiertag, da muss so eine Internetseite auch mal Pause machen. Wenn sie wieder aufgestanden sind im Stadthaus, hole ich die Verlinkungen nach.