“Geiz macht arm” und die SPD

Von , am Sonntag, 26. November 2017, in Lesebefehle, Politik.

Während der Jamaika-Sondierungsgespräche haben den Kleinparteien Grüne und FDP die Neumitglieder die Türen eingerannt. Denn in kleinen Regierungsparteien wäre das Karrieremarktverhältnis zwischen zu besetzenden Jobs und Bewerber*inne*n am günstigsten. Das hat sich jetzt wieder zur SPD gedreht, die zwar noch keine Kleinpartei ist, dem aber näherkommt.
Zu dieser Lage sprach der Deutschlandfunk mit Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne).

Einer der SPD-Strategen, Nils Heisterhagen bekam von der FAZ ausgiebig Platz, seine Gedanken aufzuschreiben. Und siehe da: mich erinnerten sie stark an Oskar Lafontaine, was erst mal über richtig oder falsch nichts aussagt. Heisterhagen arbeitet für die Landtagsfraktion, die die Macht von Malu Dreyer, die zusammen mit Olaf Scholz die letzte sozialdemokratische Wahlsiegerin ist, im Parlament sichern muss und es wohl auch bereitwillig tut.
Zu Heisterhagens Analyse passt sehr gut, was Alexander Hagelüken gestern im Wirtschaftsteil der SZ als Essay ablieferte: “Geiz macht arm”, weil er sich unheilvoll mit der Geringschätzung von Arbeit, insbesondere von Arbeit mit Menschen, verbindet.

Und zu diesen Analysen passen die heute immer noch aktuellen Erkenntnis-Instrumente, die einst Pierre Bourdieu entwickelte, gegen den Vulgärmarxismus der dummen Kerle in der Linken. Habitus, Geschmack, Kultur sind relevante Faktoren im Klassenkampf der individualisierten Gesellschaft. Wer sie für unwichtig erklärt, will doof bleiben. Michael Reitz erinnerte daran, in der viel Aufmerksamkeit verdienenden sonntägliche Reihe “Essay und Diskurs” des Deutschlandfunks.

Wie es nach Bourdieu weitergeht, das können wir am Konflikt um die Google-Campus Ansiedlung in Berlin-Kreuzberg studieren, und an einem entsprechenden Parallelvorgang der Gentrifizierung, der in London bereits vollzogen ist. Dank an Fabian Kunow und die Jungle World.

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