Essen-Frohnhausen ist von Bergsenkungen bedroht. Der Boss will es nicht mehr mit ansehen, und dreht sich um. Im legendären Finale um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1955 vor 76.000 Zuschauern in Hannover war er mit RW Essen in einem sensationellen 4:3 gegen den 1.FC Kaiserslautern deutscher Meister geworden. Beim Gegner spielten 4 Weltmeisteer von 1954 mit. Zur Pause stand es bereits 3:1 für RWE, Kaiserslautern glich in der 2. Halbzeit bis zum 3:3 aus, bis endlich Franz Islacker mit seinem dritten Tor in der 85. Minute für die Entscheidung sorgte. Niemand von uns kann sich heute vorstellen, was damals im Ruhrgebiet los war. Ich selbst war noch nicht geplant.

Und heute?
RW Essen kämpft in der 4. Liga gegen den Abstieg, übrigens gemeinsam mit dem Bonner SC. Gestern gabs zwei Gegentore in der Nachspielzeit gegen Uerdingen (jüngst von einem russischen Oligarchen gekauft), vor 6.600 Zuschauern – das ist in der 4. Liga Spitze. Das Stadion bekam der Verein von der verarmten Stadt Essen neu hingestellt. Es kostete den damaligen OB Pass (SPD) das Amt.
Der Finalgegner von 1955 ist auf einem ähnlichen Weg. Aufgerüsteter Stadionbau zur WM 2006 ruiniert Verein und Stadt, selbstverständlich auf Kosten der rheinland-pfälzischen Steuerzahler*innen.

Sicher, Helmut Rahn hätte das auch nicht besser gemacht. Er hat nur besser Fußball gespielt. Als das noch Spass machte.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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