Rätsel BVB

Von , am Sonntag, 22. April 2018, in Fußball.

mit Textbeiträgen von Michael Kleff (New York) und Klaus Kleinoeder (Beuel)

Lieber Michael,
falls Du das BVB-Spiel heute wirklich nicht geguckt hast: es war die falsche Entscheidung.
Wenn Du Zugang zu einer Aufzeichnung hast: schau’ sie Dir an – es wird Dir nicht nur wegen des Ergebnisses grosse Freude bereiten.
Es war in meinen Augen das beste Saisonspiel.
“Entdeckungen” des Spiels waren der – schon zuvor mehrmals auffällige – Sancho (17), und auf der Schmelzer-Position (der nur einen Tribünenplatz hatte) Akanji.
Und jetzt erkläre mal einer, wie eine Mannschaft so viele verschiedene Gesichter haben kann – nicht nur beim BVB ein unergründliches Rätsel. Man denke nur an die Blamagen gegen Salzburg und Nikosia.
Wenn wir doch sehen können, wie gut sie es können – warum zeigen sie es so oft nicht?
Freundliche Grüße über den Teich
Martin

Lieber Martin,
ich wollte Dir auch schreiben – mit einem ähnlichen Tenor. Ich habe in dieser Saison auch noch kein BVB-Spiel gesehen, was in der Tat Freude gemacht hat. Bei der Akanji-Leistung muss sich Schmelzer warm anziehen. Schaun wir mal, ob der BVB das Niveau in den letzten drei Spielen halten kann.
Beste Grüße
Michael

Lieber Martin,
am Freitag war ich nach meiner Nachmittags-Vorlesung entschlossen, zum BSC zu gehen, wollte vorher noch bei Momo Obst und Gemüse kaufen, Dich dann fragen, ob, als ich auf der Terrasse von Maika alte, lange nicht gesehene Bekannte traf…………
Du hast mit Sicherheit Deine Borussen gegen W. gesehen. Ich hoffe, sie schaffen es noch. Dem Team und dem Gespann Hecking/Eberl gegenüber wird nicht die Fairness gezeigt, die sie verdient hätten.

Zum 1.Mal seit der Tuchel-Äre war ich mit dem BvB zufrieden, teilweise begeistert, zwei- oder drei mal bin ich sogar ausgerastet, so mitreißend war die Szene. Schon vor dem Spiel war ich gut gelaunt, weil endlich mal ein Trainer das unbedingt Notwendige tat: Schmelzer ganz weit weg vom Rasen zu plazieren. Das Zorc-Interview vor dem Anpfiff gefiel mir -zusätzlich- ebenso wie das vom Stöger nach dem Spiel, so dass ich am Abend – entgegen meinen Gepflogenheiten – mir genussvoll zwei Gläser Grappe genehmigte.
Ich freue mich, dass auch Du Gefallen fandest. En Detail: Reus habe ich noch nie so gut gesehen, von Sancho hatte ich die Leistung erwartet, weil er einer der wenigen Stürmer ist, der mit seiner brillanten Technik auf das 1 gegen 1 Spiel setzen und gewinnen kann. Wie auch Pulisic. Hervorragend die Außenverteidiger, der Schweizer mit seinem Selbstbewusstsein war eine Überraschung für mich.
Das Leverkusener wie das Kritiker-Gequatsche, Bayer sei miserabel gewesen, lasse ich nicht gelten: mit diesem Furor hätte der BvB in der BL nur in den Münchenern noch seinen Meister gefunden.
Dir einen schönen Sonntag
Klaus

Klaus mit seiner BVB-Brille: in seiner Gladbacher Zeit hat Marco Reus fast immer so gespielt, wie gestern – das war der Kern des spielerischen Aufstiegs unseres VfL Borussia unter Lucien Favre. Ein “Mysterium”, wie Daniel Berg heute in der WAZ schreibt, bleibt nicht nur beim BVB, sondern in der gesamten Liga (ausser dem Konzern in Süddeutschland), warum kein Team es mehr schafft, die Saison stabil durchzuspielen. Und damit alle die Identifikation ihrer Fans aufs Spiel setzen. Sie zeigen in einzelnen Spielen, dass sie “es” können, und werden auch gut dafür bezahlt. Viele ziehen daraus den Schluss: oft haben sie also auch “keine Lust”?
Hinter jeder Mannschaft steht heute ein grosses mittelständisches Unternehmen. Der Konzern im Süddeutschen beschäftigt allein in seiner Medienabteilung 120 Menschen, zehnmal so viele wie auf dem Platz. Da entstehen die gleichen Krisen wie in Parteien oder bei VW oder Daimler. Größtenteils sind sie noch unerforscht.

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