Bonn & Liverpool: Spektakel-Fussball

Von , am Mittwoch, 25. April 2018, in Beuel & Umland, Fußball.

Ich gestehe: ich war gestern nicht im Sportpark Nord. Das Geschehen an der Anfield Road in Liverpool, dem zweitspektakulärsten Fussballstadion der Welt, gleich nach dem Westfalenstadion, erschien mir im vorhinein wichtiger. Die Spielpaarung Voraussicht vs. Irrtum endete gestern Abend für mich exakt unentschieden 7:7.

Im Abstiegskampf der 4. Liga siegte der Bonner SC gestern nach einem 0:0 zur Halbzeit und einem 0:1-Rückstand mit 5:2. Gegen den SV Rödinghausen, ausführlicher GA-Spielbericht hier. Ich habe mich heute dann doch mal der Mühe unterzogen, über dieses merkwürdige Rödinghausen zu recherchieren. Es liegt nur knapp noch in NRW, noch weit nördlich einer Stadt, an deren Existenz es verbreitete Zweifel gibt. Aber ich kenne einen aus der Gegend: Martin Budich, der regelmässig illegal an Karfreitag in Bochum den Filmklassiker “Das Leben des Brian” aufführt, und dessen Lebensziel es ist, den Fall vom Bundesverfassungsgericht prozessieren zu lassen. Er stammt aus dem Nachbarkaff von Rödinghausen: Hüllhorst, von dessen Existenz ich auch nur weiss, weil ich ihn kenne. Fazit: das gibt es wirklich.
Während Budich aus einer Seifenfabrikdynastie stammt, wird der SV Rödinghausen, der blutjung erst 1970 gegründet wurde, von einem Küchenhersteller gesponsort, ein altes Westfalenklischee lebt fort – bei einem der ersten Schimanski-Tatorte in den 80ern war so ein westfälischer Möbelfabrikant ein hochverdächtiger Böser – in Gestalt einer Spektakel-Fussballmannschaft. Mit einem Torverhältnis von 65:61 hat diese Mannschaft immer für Unterhaltung gesorgt. Und gegen die hat sich der BSC gestern unter Druck stark behauptet. Kompliment, das lässt hoffen.

Genauso 5:2 schlug der FC Liverpool gestern die Roma. In meiner nur luftig besetzten Fussballkneipe genoss ich die sehenswerte Aufführung bei einem kühlen Rosè. Henrik Buchheister hatte Jürgen Klopp auf Spiegel-online schon im vorhinein Lorbeerkränze geflochten. Zu seinen Argumenten ist zu fragen, wie nachhaltig das ist. Schon zu Klopps BVB-Zeiten waren die Verletztenlisten ständige Begleitung, weil das Spielsystem der für ihn die Fusssballlehrerarbeit machenden Assistenten Buvac und Krawietz sehr aufwendig ist, und die Spieler an ihre körperlichen Grenzen führt. Klopp selbst ist in erster Linie Bühnenfigur für den Medienzirkus, macht das seit Jahren erstklassig, und ist auch in dieser Rolle ein wichtiges Vorbild für seine Spieler.
Dass er gestern beim Stande von 5:0 seinen ägyptischen Starstürmer Salah auswechselte, deuten einige als Coachingfehler. Das Gegenteil ist richtig. Das Endergebnis 5:2 ist eher Beweis als Gegenargument. Die Dramaturgie war für die Liverpooler ungünstig, schafft einen psychologischen Nachteil, ist aber auch ein Wachhalter. Es ist kaum zu vermuten, dass ein FC Liverpool, der seit Jahrzehnten “nichts” mehr gewonnen hat, sich so satt in Rom flachlegt, wie es die saturierten Barca-Stars in der Runde zuvor getan haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Liverpooler Offensive auswärts 0 Tore schafft. Mauern können sie nicht, ein sympathischer Zug, der mehr Unterhaltung verspricht.

Wider meine Erwartung setzt die Champions League doch noch fussballerische Massstäbe, in erster Linie durch die immer noch eintretenden Überraschungen. Sie legt damit die Latte hoch für die folgende WM. Die Fifa wird es eifersüchtig verfolgen.

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