Dumm gelaufen. Langes Brückentagswochenende, und dann das. Rechtsanwalt Peter Raue ist nicht nur in Berlin und in der speziellen kulturpolitischen Szene total vernetzt – er kennt sich auch mit offensiver PR glänzend aus. Eine gute Wahl von Gebhard Henke, der ihn für die Wahrnehmung seiner Interessen mandatiert hat.
Henke ist, was seine künstlerische und Medienmacht betrifft, tatsächlich so eine Art deutsche Legoland-Ausgabe von Harvey Weinstein. Was in Hollywood Kino ist, das war in Deutschland Fernsehen – und beim Tatort, den Henke als ARD-Koordinator verantwortet, ist es das sogar heute noch. Hollywood liegt in Kalifornien, die Tatort-Produktionsmacht in Köln am Rhein. Stellen Sie sich das bildlich mal vor ….
Ob Henke in seinem Umgang mit Frauen auch ein kleiner Weinstein ist, ist für uns aktuell eine Fragen des Glaubens oder Nichtglaubens. In den Gremiensitzungen, in denen ich ihn erlebt habe, war er ein von Sarkasmus erfüllter Realo; wer wollte, konnte in seinem äusserlich erkennbaren Denken Übergänge zum Zynismus sehen. Das macht das System mit denen, die so lange in ihm Macht ausüben, wie es Henke konnte.
Die bisher schon wenig glücklich operierende Leitung des WDR steht jetzt zusätzlich unter Verfahrensdruck. Das kommt davon, wenn die Wahrnehmung von Problemen so lange Zeit weggedrückt wird. Irgendwann wird mann davon eingeholt. Das ist jetzt.

Weiterleseempfehlung: während die Kolleg*inn*en von Correctiv wohl auch gerade langes Wochenende haben, setzt sich ein traditioneller Medienjournalist heute an die Spitze: Hans Hoff (SZ).
An gleicher Stelle: Grimme-Institutschefin Frauke Gerlach zur medienpolitischen Weiterentwicklung unserer öffentlich-rechtlichen Medien.