Leitfaden zum “Kauf nicht bei Rechten”

Von , am Samstag, 9. Juni 2018, in Medien, Politik.

Damals, als die Menschen noch gedruckte Zeitungen kauften, ging der Kaberettist Dietrich Kittner zu seinem Kiosk in Hannover und bestellte: “Einmal Lügenblatt bitte!” Er erhielt dann die sogenannte Zeitung, die viele von uns in der letzten Woche kostenlos im Briefkasten hatten. Nach Meinung des Medienjournalisten Stefan Niggemeier lügen die Verleger*innen dieser Zeitung heute noch, insbesondere wenn es um sie selbst und ihre eigenen Interessen geht. Andere, u.a. ich, meinen ausserdem, dass sich der auf Seite 2 vorstellende Herr Reichelt, sowohl als Talkshowteilnehmer als auch als Chefredakteur, wirksam in ideologischer Vorfeldarbeit für die Agenda der AfD betätigt.
Zum Glück ist es schon lange so, dass das von Kittner so treffend genannte “Lügenblatt” immer weniger Menschen kaufen, und noch weniger glauben, was sie darin lesen. Trotzdem ist es im selbstreferentiellen Hauptstadtzirkus Berlins ein wichtiger Faktor geblieben: weil so viele, die uns von dort unabhängig informieren sollen, um sich übermässige Denkarbeit zu ersparen dort nachsehen, um zu erfahren, was gerade wichtig sein soll. Dafür wurden die unschönen Begriffe des “Herden-” oder “Rudel-Journalismus” erfunden.
Zu diesen Herden und Rudeln gehören jedoch nicht nur die in prekären Verhältnissen arbeitenden Journalist*inn*en, sondern in erster Linie diejenigen, die das Rudel anführen und mit viel Geld in die erwünschte Richtung locken. Es sind die Anzeigengeber*innen und Inserent*innen. Sie sorgen dafür, dass die Sache funktioniert. Wenn Sie also persönlich Widerstand gegen Menschenfeindlichkeit und Rechtsentwicklung, gegen das Aufeinanderhetzen der “Unteren” in unserer Gesellschaft unterstützen wollen, sollten Sie ihr sauer verdientes Geld nicht denen geben, die das Gegenteil tun.

Das sind in dieser kostenlosen Ausgabe:
Titelseite (kostete vermutlich Aufpreis): Aldi, Deutsche Bank
Ganzseitig: die Dieselbetrüger VW und Daimler, Deutsche Post, Kaufland, Kik, Vodafone, Mediamarkt, Samsung (komplette Rückseite, vermutlich Aufpreis);
Halbseitig: Renault, Lidl, Obi, SonnenklarTV
Viertelseitig: Panasonic, Toyota, Suzuki, Bitburger, Tank&Rast, Comdirect, McFit
Achtelseitig: Haribo

Viele Journalist*inn*en und Staatsanwaltschaften würden gerne den sterbenskranken Franz Beckenbauer sprechen, um seine Erinnerungen zum Kauf des Sommermärchens 2006 bei der kriminellen Vereinigung Fifa und zu den Steuerzahlgewohnheiten des DFB als auch seiner selbst genauer abzufragen. Diese hier besprochene sogenannte Zeitung hat ihn gefunden und bildet ihn in ziemlich mopsfidelem Zustand ab. Toi, toi, toi Franz, alles Gute fürs Verhör!

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