Signal an Saudis? / Chinas Bürger-Kontrolle

Von , am Montag, 9. Juli 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Kronprinz Mohammed Bin Salman hat es mit allem eilig. Da trifft es sich gut, dass er ein feudaler Diktator ist. Mit Macht will er sein Land als Grossmacht im globalen Kapitalismus integrieren. Wenn Religion dabei nützlich ist, gut – wenn nicht, auch egal. Alle “Mächtigen” dieser Welt legen Wert auf seine Freundschaft, angesichts seiner Zahlungskraft ist dafür alles andere egal.
Alles? Ein bisschen nervös macht sein politisches Potenzgehabe schon. Kein Zufall, dass er sich mit Trump – scheinbar – so gut versteht. So muss offenbleiben, von wem diese klitzekleinen Warnungen an ihn ausgehen. So versteckte das ZDF während der WM letzte Woche Mittwochnacht um 0.45 h (!) eine kritische Dokumentation über Saudi-Arabien (Mediathekaufenthalt: 1 Monat), die Terrorfinanzierung, die von dort ausgeht – und auch die Mitverantwortung an 9/11 wurde nicht ausgelassen. Auch ein schweizerisches Nischenportal darf sich mit diesem Thema beschäftigen.
Das ist alles so gut versteckt, dass es nicht wirklich öffentlich wehtut. Aber den Saudis, die das aufmerksam wahrnehmen werden, wurde schon mal ein Blick das publizistische Folterbesteck gestattet. Sie haben viel miteinander zu bereden.

Katika Kühnreich, die ich hier bereits gewürdigt habe (ein Text, der heute noch viel angeklickt wird), scheint ihre Doktorarbeit vollendet zu haben. Eine Kurzfassung erschien jetzt in den Blättern. Es geht um die Entwicklung des chinesischen Scoresystems zur Kontrolle seiner Bürger*innen. 2020 soll es landesweit eingeführt sein. Kühnreich verzichtet klugerweise auf China-Bashing. Denn für uns alle gilt: “Daten bedeuten Macht. Eine Macht, die wir Menschen nicht haptisch wahrnehmen können und deren Gefahren wir dadurch – ähnlich wie jene der atomaren Strahlung – nur schwer begreifen können. Es ist daher an der Zeit, sich global mit der Frage der Machtverschiebung und der Manipulation im Zeitalter der Digitalisierung zu beschäftigten. Deren Auswirkungen zwingen uns, die Machtfrage und jene der Legitimation sowie die nach Privatheit, Autonomie und einem guten Leben neu zu stellen – und damit letztlich zu entscheiden, ob wir hier passive Nutzerinnen und Nutzer bleiben oder aktiv über Systeme, die unser Leben beeinflussen, mitbestimmen wollen.” (Schlusssätze ihres Blätter-Aufsatzes)

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