Fussball-Radio als akustische Umweltverschmutzung

Von , am Montag, 16. Juli 2018, in Fußball, Medien.

Hier soll nicht von Live-Reportagen die Rede sein. Dass Radio-Reporter am Mikrofon ausrasten, verrät ihre Liebe zum Fussball. Anders als bei TV-Reportern, die den Geist von Ernst Huberty verraten, und sich in erster Linie selbst produzieren wollen. Die Kunst des Radio-Reporters ist, in unserem Kopf Bilder zu produzieren. Es gelingt ihnen immer weniger, weil die Live-Schalten im Formatradio zu sekundenkurzen Häppchen niedergemacht werden.
Nein, meine Verärgerung zielt auf die Nachbereitungsberichte. Um die eigene geistige Armut zu kaschieren und minutenlange Sendezeit mit Müll zu verfüllen, wird auch hier Livereporter-Gebrüll versendet. Wenn ich mich morgens vom Radio wecken lasse, ist keine Fussballsituation, sondern das Gegenteil. Ich erwarte akustisch sanft in den neuen Tag hereingeführt zu werden – im optimalen Fall: aktuelle Nachrichten, Hintergründe und Analysen zu den Ereignissen des Vortages, und denen, die am neuen Tag bevorstehen. 7-Uhr-morgens ist definitiv keine Partytime für garnichts.
Dass Format-Billig-Radios ihre Sendezeit mit Akustikmüll verfüllen, bin ich schon gewöhnt. Darum bin ich als Hörer abgewandert, und beim Deutschlandfunk (DLF) gelandet, wie so viele. Wenn aber selbst dieser Sender sich aus Sparmotiven beim ARD-Sammel(-billig-)Angebot bedient, schädigt er in erster Linie sich und sein Ansehen selbst. Ich habe das vor langer Zeit bereits als Hörer dem Sender gegenüber angemerkt. Es blieb folgenlos.
Beim DLF ist ein Millionenloch “gefunden” worden. Das will die Senderführung nun füllen, indem sie Programme und Aufträge für “freie” Mitarbeiter*innen kürzt. Bei der WM in Russland war nur ein fester DLF-Mitarbeiter, Matthias Friebe, ein sowohl politisch als auch fussballerisch kompetenter Kollege, über den seine Vorgesetzten einen prall gefüllten Sack voll Arbeit ausgekippt haben.
Wenn das am Ende zu den beschriebenen Folgen führt, kürzt sich der Sender am Ende komplett selbst weg.

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