Beueler Extradienst

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Saudi-Arabien: The Business-Show must go on

Volker Perthes sagte heute im DLF: “Aber mittlerweile ist der Fall Jamal Kashoggi zum Auslöser geworden, um sich Saudi-Arabien und seine Politik sehr viel deutlicher anzugucken.” Machen wir.
In Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad tagt derzeit unter dem Vorsitz des hochwohlgeborenen und auftragsmordverdächtigen Kronprinzen Mohammed Bin Salman die “Future Investment Initiative” (FII). Der Kronprinz hat ganz richtig analysiert, dass die Mutter aller Weltprobleme die unübersehbar riesige Menge an grossem Kapital ist, die heimatlos um die Welt irrt und nicht weiss wohin. Der Kronprinz in seiner ganzen Barmherzigkeit bietet diesem Kapital eine Heimstatt an, beim Umbau der Wirtschaft seines Landes. Denn eines Tages,vielleicht noch zu Lebzeiten des jungen Prinzen, ist das Öl alle.
Knut Mellenthin/Junge Welt weist darauf hin, dass diese FII ein gigantischer Erfolg zu werden verspricht. Denn es kommt nicht darauf an, welche prominenten Nasen dort zu sehen sind oder abgesagt haben, sondern allein darauf, wie die obdachsuchenden Kapitalströme fliessen.
Wenn Sie nun meinen, dass das die einseitige Sicht eines unverbesserlichen Linksradikalen bei einem ehemaligen FDJ-Blatt ist, denen kann ich Trost von der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) anbieten. In der Schweiz sind sie sehr, sehr sauer, dass die USA, zumindest für sich selbst, das Schweizer Bankgeheimnis geschleift, und dabei noch ein paar Milliarden Dollar raubritterähnlich haben mitgehen lassen. Dafür gibts dann als süsse kleine Rache solche Berichte über die Verbrüderung von US-amerikanischem und saudischem Grosskapital. Zum besseren Verständnis müssen sie wissen: die NZZ ist nicht gegen Kapitalismus, sie ist sehr dafür ;-)

4 Kommentare

  1. Harald Möller

    24. Oktober 2018 at 15:14

    Wenn man jedes Land, mit dem man Handel treibt, nach dem beurteilt, wie es seine Mitbürger, speziell seine politischen Gegner behandelt könnte man nur mit sehr wenigen Ländern Handel treiben. China hat zum Beispiel gerade den Interpol-Präsidenten verschwinden lassen. Also keine Handelsbeziehungen mehr bis der Fall aufgeklärt ist. In Afrika verschwinden des öfteren innenpolitische Gegner spurlos. Keine Handelsbeziehungen mehr. Man könnte eine eigene Tageszeitung herausbringen mit Fällen von dem Verschwinden lassen und der Tötung von politischen Gegnern und Kritikern in aller Welt. Diesen einen Saudi-arabischen Fall so eine herausgehobene Stellung einnehmen zu lassen ist stark übertrieben. Zudem: Russland bombardiert in Syrien, Saudi-Arabien bombardiert in Jemen. Wo ist da der Unterschied? Beide legitimen Länderregierungen werden von Rebellen bedroht. Die einen Unterstützer werden gelobt, die anderen verdammt.

  2. Wer wird “gelobt”? Von wem?
    Und allgemeiner gefragt: soll die Welt bleiben, wie sie ist? Oder wollen wir noch was verbessern?

    • Harald Möller

      24. Oktober 2018 at 16:47

      Nein, es soll natürlich Verbesserungen geben, aber es sollte jedes Bombardement gleichermassen verurteilt werden. Russisches Bombardement wird als legitime Unterstützung eines legitimen Regimes bezeichnet. Das saudische Bombardement in Jemen wird verurteilt. Gleiches wird nicht immer gleich beurteilt.

  3. In der Verurteilung von Bombardements sind wir uns einig. Was unterstützt und was verurteilt wird, da unterscheiden sich unsere Wahrnehmungen. Von den genannten Regimes wird hierzulande nur eins als “Stabilitätsfaktor in der Region” bezeichnet und mit Waffen beliefert: Saudi-Arabien. Dieses finanziert weltweit djihadistische Kräfte, und liefert nicht nur Kapital sondern auch Waffen in zahlreiche weitere Länder, u.a. Syrien.
    Zur individuellen Weiterbildung empfehle ich die Analysen der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP)
    https://www.swp-berlin.org/
    Sie wird aus dem Etat des Bundeskanzleramtes finanziert, ihre wissenschaftliche Arbeit von Regierung und Opposition gleichermassen respektiert.

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