Im Verwaltungsvorstand der Stadt Bonn stellen in Kürze Frauen die Mehrheit. Bei den Grünen gibt es das schon länger. Und es hört nicht auf. Bei der gestrigen Mitgliederversammlung des Bonner Kreisverbandes waren nur 50 der mittlerweile 720 Mitglieder (+22%) anwesend. Ihr grösstes Problem war, ist und wird, dass ihre Tagungsräume jetzt zu klein werden – angesichts des Bonner Immobilienmarktes nicht so leicht zu lösen, wie es klingt.
Politisch bekam die komplett ehrenamtliche Führung des Kreisverbandes zusätzlichen Rückenwind. Die Sprecherinnen Andrea Bauer und Kathrin Uhlig wurden bestätigt und für zwei Jahre wiedergewählt. Bauer erhielt mit 92:5 (3 Enth.) ein ehrliches Ergebnis; sie ist schon drei Jahre in diesem Amt, in dem sich niemand nur Freund*inn*en macht, aber an Statur gewinnt. Kathrin Uhlig wurde beunruhigenderweise von allen gewählt, ausser einer Enthaltung, mit einer beeindruckenden politischen Vorstellungsrede, die ein starkes Gefühl von grosser Klarheit in ihrem Kopf erzeugte. Bei beiden Ladies war bemerkenswert, dass ihr Vorstellungseinstieg international war. Bauer berichtete von einer Reise nach Kosovo und Montenegro, die ihr ein starkes Gefühl von deutscher Privilegierung in diesem bedrohten Europa vermittelte. Uhlig war bei der Weltklimakonferenz in Kattowitz, bei der sie Bürgermeister kennen gelernt habe, die jede Hoffnung auf Reduzierung von um das Dreifache überschrittenen Feinstaubwerten verloren haben. Für politische Repräsentantinnen eines “Internationalen Bonn” sind das angemessene Horizonte.
Als Schatzmeister wurde Malte Lömpcke bestätigt – kein Pfennigfuchser sondern ein politischer Möglichmacher.
Erstmals kandidierten für die quotierten zwei Frauenplätze bei den Beisitzerinnen des Bonner Grünen-Vorstands doppelt so viele Damen – eine richtige Wahl, nicht nur eine Bestätigung. Der Mut der in der Regel überselbstkritischen Frauen ist da, und die Mitglieder haben eine echte Auswahl. Die Kommunalpolitikerinnen Anja Lamodke (Wiederwahl mit 38 Stimmen, schulpolitische Sprecherin der Ratsfraktion) und Ros Sachsse-Schadt (erstmals mit 31 Stimmen, kulturpolitische Sprecherin der Ratsfraktion) setzten sich durch. Die wegen einer Ratsausschuss-Sitzung abwesende Karin Langer, Planungs- und Verkehrsexpertin), bei den Frauenplätzen noch unterlegen, setzte sich anschliessend bei den offenen Plätzen mit 28 Stimmen durch.
Philipp Heinrichsmeyer (32 Stimmen) und der 19-jährige Niklas Schnell (31 Stimmen) komplettieren den Vorstand.
Warum so ausführlich? Diese Personen sind die, die die echte politische Basisarbeit leisten – ohne Aufwandsentschädigung oder Sitzungsgeld, und ohne ein gut besetztes Geschäftsführungsbüro, wie es eine Ratsfraktion hat. (wie die Grüne damit umgeht, soll hier nicht das Thema sein) Der Idealismus für eine gute Sache muss genügen. Wenn die Sprecherin Andrea Bauer die zweijährige Amtszeit durchzieht, also dann insgesamt bei fünf Jahren landet, wird sie nach meiner persönlichen Erinnerung in dieser Funktion einen Alltime-Rekord für die gesamte Zeit der Bonner Grünen aufstellen. Da ich in den 90ern es als Beisitzer auf 4 Jahre geschafft habe, kann ich dafür nur Respekt und Bewunderung aufbringen. Nicht immer, und nicht von allen Führungskräften in ihrer Partei wird ihr das angemessen gedankt. Es ist halt Politik.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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