Abenteuer im VRS (III)

Von , am Freitag, 18. Januar 2019, in Beuel & Umland.

Vom Vorteil des menschlichen Fahrkartenverkaufs
Es war nicht der 1. April, sondern irgendeine nachrichtenarme Zeit, in der das Gerücht verbreitet und sofort wieder dementiert (was dafür spricht, dass viel Wahres dran war) wurde, dass die Deutsche Bahn Fahrkartenautomaten abschaffen wolle – aus “Kostengründen”. Da denkt der Fahrgast sofort: ich bin der Einzige, der den Betrieb stört.
Doch es gibt auch schöne Geschichten. Ich wollte kürzlich von einer Stadt in eine andere Stadt. Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg erklärte mir auf seiner Homepage, das koste 8,20 €, unverschämt viel. Als “Handyticket” koste es knapp 1 € weniger. Hmm dachte ich, der ich kürzlich ein zeitgemässes Smartphone erworben hatte, das ist ja schon eine Differenz, die sich lohnt. Da ich persönlich ein bisschen doof bin, verbrachte ich die Mittagspause mit einem kundigeren Freund, der mir zeigen sollte, wie das “Handyticket” funktioniert. Wir schafften es leider auch zusammen nicht.
Ich schritt also, als es so weit war, zur (automatenlosen) Bushaltestelle, um ein Ticket für 8,20 € beim Busfahrer zu erwerben, hielt einen 10-Euroschein und 20 Cent bereit. Der Bus kam mit Verspätung von knapp 10 Minuten, der arme Mann, von einem Subunternehmen und mglw. untertariflich beschäftigt, war im Stress. Dass jemand an dieser Haltestelle einsteigt und auch noch einen Fahrschein kaufen will – das hatte er so nicht erwartet.
Hektisch fummelte er an seinem Fahrscheindrucker herum. Heraus kam eine Fahrkarte für 5,30 €, und auf meine 10,20 € gab er mir einen 5-Euroschein zurück. Na sowas Nettes, mit allem hatte ich beim VRS gerechnet. Aber damit nicht. Ein Handyticket zu erwerben wäre da ganz schön blöd von mir gewesen.
Das ist aber noch nicht das Ende dieser netten Geschichte. Rückreise. Kälte, Schneeregen, abendlich ausgedünnter Fahrplan, Warten auf den Bus. Der ist diesmal pünktlich. Wieder halte ich einen 10-Euroschein bereit, gebe als Fahrtziel meinen Stadtteil an. Der Fahrer gegenfragt als Ziel die richtige Stadt, die ich mit einem klaren “Ja” bestätige. Dieses Mal kam ein 4-Euro-Ticket dabei heraus, 6 Euro gingen an mich. Sicherheitshalber setzte ich mich in die Nähe des Fahrers, um in einer möglichen Kontrolle unser persönliches Beratungsgespräch rekapitulieren zu können. Fahrplangerecht wurde ich am Ziel meiner Rückreise abgesetzt.
Statt 16.40 € kostete mich diese Reise also 9,20 €. Ein fairer Preis. Herzlichen Dank an die ausgebeuteten, krankheitsbedrohten (Rücken, Atemwege) Fahrer*innen des VRS. Um sie vor Nachfragen von Vorgesetzten zu schützen, fehlen hier genauere Angaben zur Reise. Mögen sie weiter so geübt sein, wie sie scheinbar sind. Ausser mir kaufte übrigens bei beiden Fahrten niemand einen Fahrschein beim Fahrer.

Ein Kommentar zu “Abenteuer im VRS (III)

  1. Rainer Bohnet

    Das Tarifsystem des VRS ist nicht für Kunden*innen, sondern auch für die Beschäftigrten der Verkehrsunternehmen zu kompliziert. Bei den SWB scheint im übrigen auch die Ausbildung der Fahrer*innen nicht besdonders nachhaltig zu sein. Vioele können “nur” fahren und sind bei den Tarifen völlig überfordert. Rudolf-Stöcker-Weg 26in Fahrer sagte mir mal: “Ich wäre wohl besser Lkw-Fahrer geworden.”

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