Michael Staack habe ich als Landesvorsitzenden der Jungdemokraten in Niedersachsen in Erinnerung. In seinem Wikipedia-Eintrag findet das keine ErwĂ€hnung. Aus der Ferne habe ich ihn immer als fachkompetenten, der Friedensforschung nicht fernstehenden Wissenschaftler wahrgenommen. In der FAZ rezensierte er kĂŒrzlich das Buch von M. Taylor Fravel: Active Defense. China’s Military Strategy since 1949. Staack schreibt in dem Stil, in dem ich ihn auch in Erinnerung habe: cool, ohne Schaum vorm Mund oder missionarische politische Botschaft. interessenabwĂ€gend und informativ.
Da ist Werner RĂŒgemer ein anderes Kaliber. Er war kein Maoist, vor den 90ern eher im DKP-nahen Spektrum unterwegs. Klassiker wie “Colonia Corrupta” sind ihm zu verdanken. Im Rahmen seiner AktivitĂ€t “Aktion gegen Arbeitsunrecht” erwirbt er sich noch heute Verdienste in der Gewerkschaftspresse, weil er entsprechende Arbeitgeber- und Jurist*inn*enstrategien analytisch und strategisch aufs Korn nimmt. Doch mit zunehmendem Alter scheint er sich am WelterklĂ€ren zu verheben. RĂŒgemers Nachzeichnung der Politik Chinas ist Beachtung wert, ich habe diese Kurzfassung mit Interesse gelesen. Dennoch nehme ich einen getrĂŒbten Blick wahr, oder umgekehrt: bemĂŒhte Schwarz-Weiss-Zeichnungen. Kommunist*inn*entypisch ist dabei die implizite GeringschĂ€tzung individueller Menschen- und BĂŒrger*innen*rechte. Das macht seine Erkenntnisse nur begrenzt brauchbar.
Nehmen Sie als Kontrast zu dieser Methode JĂŒrgen Trittins – etwas verspĂ€tet – veröffentlichten USA-Reisebericht. Er macht deutlich, und das macht ihn wichtig, wie verschoben die Weltwahrnehmung auf der anderen Seite des Atlantik ist.