Das sei der DFB-Pokal, meint Martin Krauss/taz. Naja, fĂŒr Dorfvereine, die auf diese Weise ihre Kasse einmal gut durchspĂŒlen können, mag das eine Feiernacht lang so sein. Und scheinbar ist gestern auch in Chemnitz bei Gastspiel des HSV nichts angebrannt, trotz (oder wegen?) fussballerischer Dramatik auf dem Spielfeld. Es muss ja nicht immer alles schiefgehen.
Wichtiger als dieses Fussballgeschehen ist ein grundlegender Wandel im politischen Diskurs. Und den hat eine Basisbewegung von Kindern und Jugendlichen durchgesetzt. Jetzt wollen alle demokratischen Parteien den #fridaysforfuture-Jugendlichen irgendwie gefallen. Sogar in den Ost-BundeslĂ€ndern verzeichnen die GrĂŒnen steigende Umfragewerte. Robert Habeck kann in einem recht ausgeschlafenen DLF-Interview rufen “Mir nach!”, und tatsĂ€chlich tun sie es (scheinbar). Das ist neu.
Und keineswegs nur deutsch. Die PrÀsidentschaftsbewerber*innen der US-Demokraten sehen sich in Àhnlicher Weise genötigt Farbe zu bekennen. In Italien lÀuft auch nicht alles nach der Nase des Faschisten Salvini. Selbst in Tschechien, das von einem rechtsradikalen Agroindustriellen regiert wird, gibt es kein Ausweichen mehr.
Habeck forciert (verbal) zu Recht die Linie, Klimapolitik als Innovationskraft im ökonomischen Wettbewerb zu verstehen. Auf Dauer ist aber selbst in dieser Disziplin zweifelhaft, ob das kleine Deutschland in einer Konkurrenz mit China und den – potenziell von einer*m fortschrittlichen PrĂ€sidentin*en regierten USA – ĂŒberhaupt wird mithalten können.
Daran meldet SZ-Kolumnist Karlheinz BĂŒschemann angesichts der gegenwĂ€rtigen intellektuellen Verschlafenheit der Bundesregierung berechtigte Zweifel an. Sein konstruierter Gegensatz zwischen einer Sozialpolitik, die den Menschen mehr Sicherheit gibt, und einer fortschrittlichen Strategie fĂŒr Bildung, Forschung und Entwicklung ist Blödsinn. Damit stellt er sich selbst ein Bein. Der politische Clou, und die gesellschaftspolitische Notwendigkeit wĂ€re je gerade, das zu integrieren. Aber dazu reicht die Fantasie in den meisten deutschen Redaktionsstuben nicht aus. Richtig bleibt BĂŒschemanns Benennung der entscheidenden Schwachstellen der aktuellen Politik Hauptstadtberlins (inkl. der GrĂŒnen).